Schwester Maria Restituta Kafka – eine Selige, die gegen den Strom der Zeit schwamm

Schwester Maria Restituta Kafka (1894 - 1942)
Foto: Franziskanerinnen der christlichen Liebe ("Hartmannschwestern") mit freundlicher Genehmigung
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Am 29. Oktober erinnert die Erzdiözese Wien an die Ordensfrau Maria Restituta Kafka, Österreichs erste Märtyrerin des christlichen Glaubens. Diese mutige und kompromisslose Krankenschwester aus der Kongregation der Franziskanerinnen der christlichen Liebe wurde von Johannes Paul II. vor 22 Jahren in Wien selig gesprochen.

"Schwester Resoluta"

Wer war diese erstaunliche Ordensfrau? Helena Kafka wurde am 1. Mai 1894 im mährischen Husovice, im heutigen Bezirk Brünn, geboren und am 13. Mai in der Pfarrkirche in Zábrdovice getauft. Im Alter von zwei Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Wien um und wuchs im Arbeiterbezirk Brigittenau auf. Das Sakrament der Erstkommunion sowie der Firmung erhielt Helena in der Brigittakirche (seit November 2019 Pfarre des hl. Papst Johannes Paul II.). Sie äußerte früh den Wunsch, ins Kloster zu gehen, was ihre Eltern jedoch ablehnten. Nachdem sie verschiedene Tätigkeiten ausprobiert hatte, wurde sie zur Hilfspflegerin im Wiener Krankenhaus in Lainz. Hier fand sie ihre Berufung, den Armen und Kranken zu dienen, und lernte die "Hartmannschwestern", die Franziskanerinnen der christlichen Liebe, kennen. 1914 – im Alter von 19 Jahren – trat sie in den Orden ein. Von nun an konnte sie sich ganz dem Dienst Gottes und der Menschen widmen, was sie mit großer Liebe und völliger Hingabe tat. Sie ließ sich von den Strapazen oder der Monotonie des Krankenhausalltags nicht entmutigen.

Energisch, herzlich, direkt im Kontakt mit den Mitmenschen und geradlinig, erhielt Restituta den Spitznamen "Schwester Resoluta". 1919 begann sie im Krankenhaus in Mödling zu arbeiten, wo sie dank ihrer Erfahrung und Fachkompetenz die leitende Operations- und Anästhesieschwester wurde. Nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 folgten schwierige Zeiten, in denen Maria Restituta viel Courage mit ihrem Auftreten zeigte. Sie verteidigte Menschenwürde und Menschenrechte, aber vor allem zeigte sie Mut und kompromissloses Engagement für den christlichen Glauben. Sie hängte Kreuze in Krankenzimmer auf gegen die damaligen politischen Autoritäten und weigerte sich, diese zu entfernen. Schwester Restituta unterstützte den Kampf für ein freies Österreich, indem sie regimekritischen Texte verbreitete, darunter ein "Soldatenlied", das ihr zum Verhängnis wurde. Ihr vorgesetzter Arzt, Anhänger des Regimes, denunzierte sie schließlich. 

"Für Christus habe ich gelebt, für Christus will ich sterben"

Infolgedessen wurde Schwester Restituta am Aschermittwoch, dem 18. Februar 1942, von der Gestapo direkt aus dem Operationssaal festgenommen. In der Haft verbrachte sie 13 Monate. Dort erfuhr sie von dem Todesurteil, das am 29. Oktober 1942 vom Volksgerichtshof wegen "landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" verhängt wurde und sie zum Ehrenrechtsverlust auf Lebenszeit verurteilte. Schwester Restituta war sich ihrer Zukunft bewusst. Sie vergab ihren Folterern und betete für die Bekehrung der Verfolger der christlichen Religion. Im ersten Brief, den sie aus der Haft nach dem Todesurteil an Schwester Oberin adressierte, schrieb sie am 1. November 1942: "Allen habe ich von Herzen verziehen, die zu meiner Verurteilung beigetragen haben […], möge mir der liebe Gott dafür Seelen schenken. Bitte, tragt niemand etwas nach, sondern verzeiht allen vom Herzen, wie auch ich es tue." Restituta Kafka war eine große Unterstützung für ihre Zellengenossen, von denen die meisten Kommunisten waren. Mit ihrem tiefen Glauben, ihrem guten Wort und ihrer grenzenlosen Liebe zu den Menschen gab sie ihnen jene Ermutigung, für die sie bewundert und geschätzt wurde. Sie behielt diese Haltung bis zur Urteilsvorstreckung am 30. März 1943.

An ihre Schwester Anna schrieb sie ein knappes Jahr davor, am 24. Mai 1942: "In solchen Lebensschicksalen, da lernt man erst so richtig den Wert unseren heiligen Glaubens. Mag man auch noch so entfernt von allem sein, mag man einem alles nehmen, den Glauben, den man im Herzen trägt, den vermag einem niemand zu nehmen. So schlägt man sich in seinem Herzen einen Alter auf." 

Die Hinrichtung von 19 zum Tode verurteilten Personen, zum größten Teil kommunistische Widerstandskämpfer, unter denen auch die Schwester Restituta war, wurde im Wiener Landesgericht vollzogen. Maria Restituta Kafka fand um 18 Uhr 21 als neuntes Opfer durch Enthauptung den Tod. Kurz davor erneuerte sie die Ordensgelübde in Gegenwart eines Gefängniskaplans, der sie bis zum Exekutionssaal begleitete. Schwester Restituta war die einzige Ordensschwester, die aufgrund des NS-Volksgerichtshofprozesses zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde. Ihr Leichnam wurde trotz anstrengender Bemühungen nicht an den Orden übergeben. Schwester Maria Restituta wurde zusammen mit etwa 2.700 anderen Opfern des NS-Regimes anonym auf dem Zentralfriedhof in einem Massengrab, in der sogenannten 40er-Gruppe, beigesetzt.

Papst Johannes Paul II. sprach die heldenhafte Ordensschwester am 21. Juni 1998 auf dem Heldenplatz in Wien bei seinem dritten Besuch in Österreich selig. Während der Zeremonie segnete er die Reliquien der Schwester Maria Restituta Kafka und betonte in seiner Predigt ihre Treue zum Glauben, zum Kreuz Christi und ihren Mut: "Als letzte Worte sind uns überliefert: ‚Für Christus habe ich gelebt, für Christus will ich sterben‘. An der seligen Schwester Restituta können wir ablesen, zu welchen Höhen innerer Reife ein Mensch an der Hand Gottes geführt werden kann. Für das Bekenntnis zum Kreuz hat sie ihren Kopf hingehalten. Sie hat es im Herzen bewahrt und vor der Hinrichtung noch einmal leise ausgesprochen, als sie den Gefängnispfarrer um ein ‚Kreuzerl auf die Stirne‘ bat. Man kann uns Christen vieles nehmen. Aber das Kreuz als Zeichen des Heils lassen wir uns nicht nehmen. Lassen wir nicht zu, dass man es aus der Öffentlichkeit entfernt! Hören wir auf die Stimme des Gewissens, die uns sagt: ‚Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!‘ (Apg 5, 29). […] Die Kirche von heute braucht keine Teilzeitkatholiken, sondern Vollblutchristen! […] Danke, selige Schwester Restituta Kafka, für Dein Schwimmen gegen den Strom der Zeit!"

Der allgemeine Gedenktag der seligen Schwester Maria Restituta ist der 30. März, ihr Todestag, in der Erzdiözese Wien der 29. Oktober, der Tag des Todesurteils von 1942.

Andenken an die Märtyrerin

Eine Restituta-Kapelle befindet sich im Franziskus-Spital (vormals Hartmannspital) in Wien-Margareten. In der Klosterkapelle des Mutterhauses der Franziskanerinnen werden die von Johannes Paul II. gesegneten Reliquien der seligen Maria Restituta Kafka im Hauptaltar aufbewahrt. Einen Stock tiefer wurde eine Dauerausstellung "Restituta – Glaube gegen NS-Gewalt" eröffnet. In der Barbarakapelle im Wiener Stephansdom erinnert ein Büstenrelief des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka an die selige Märtyrerin und in der Brigittakirche ist ihr ein Seitenaltar gewidmet.

Im Landesgericht für Strafsachen Wien gibt es im ehemaligen Hinrichtungsraum eine zum Teil noch original erhaltene Gedenkstätte, die an die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch Enthauptung ermordeten Menschen, auch an die Schwester Restituta, erinnert. Gelegentlich werden dort Gedenkgottesdienste abgehalten. In der Heimatstadt von Helene Kafka, im Brünner Stadtteil Lesná, wurde mitten in einer Plattenbausiedlung eine neue Kirche zu Ehren der Seligen gebaut. Dies ist das erste Gotteshaus, das nach der Märtyrerin von Österreich benannt wurde. Die für den 1. Mai 2020 geplante und wegen Covid-19 verschobene Weihe fand am 12. September 2020 statt.

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