Skandal um Äußerungen: Weihbischof von Santiago tritt vor seiner Weihe wieder zurück

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Seine polemischen Aussagen über Juden und Frauen in der Kirche sorgten für einen Skandal. Nun hat Papst Franziskus den Rücktritt von Pater Carlos Eugenio Irarrázaval Errazuriz als Weihbischof der Erzdiözese Santiago de Chile angenommen.

Irarrázaval, 53, war erst am 22. Mai zum Weihbischof ernannt worden, und sollte am 16. Juli geweiht werden.

In einer Erklärung der Erzdiözese Santiago vom 14. Juni heißt es, dass Irarrázaval weiterhin als Pfarrer in einem Vorort von Santiago arbeiten werde.

Die Entscheidung zum Rücktritt sei  - so die offizielle, wörtliche Erklärung des Vatikans – eine "Frucht des Dialogs und der gemeinsamen Unterscheidung der Geister, in der Papst Franziskus den Geist des Glaubens und der Demut des Priesters wertschätzte, zugunsten der Einheit und des Guten der Kirche, die ein Pilgerin in Chile ist".

Ende Mai hatte sich Irarrázaval bei der jüdischen Gemeinde in Chile entschuldigen müssen, nachdem er in einem Interview mit dem TV-Sender „CNN Chile“ am 23. Mai Aussagen gemacht hatte, die Aufsehen erregten.

Im Interview wurde der Priester zuerst nach der Rolle der Frauen in der Kirche gefragt. Darauf antwortete der Priester, dass alle in der Kirche Sorge tragen müssten, dass Frauen auch tun können, was sie wollen. „Offensichtlich hat Jesus Christus für uns bestimmte Richtlinien festgelegt, und wenn wir die Kirche Jesu Christi sein wollen, müssen wir Jesus Christus treu sein."

Irarrázaval fuhr fort, die jüdische Kultur sei bis heute eine männlich dominierte Kultur. "Wenn du einen Juden siehst, der die Straße hinuntergeht, geht die Frau zehn Schritte dahinter. Aber Jesus Christus bricht mit diesem Muster. Jesus Christus unterhält sich mit Frauen, mit der Ehebrecherin, mit der Samariterin. Jesus Christus ließ Frauen sich um ihn kümmern."

"Es ist wahr, dass beim letzten Abendmahl keine Frau am Tisch saß, und das müssen wir auch respektieren. Jesus Christus traf Entscheidungen und er tat es nicht ideologisch".

Am 28. Mai entschuldigte sich Irarrázaval bei einem Treffen im Ordinariat des Erzbistums bei Vertretern bei der jüdischen Gemeinde.

Bei dem Treffen waren auch Bischof Celestino Aós Braco, Apostolischer Verwalter von Santiago, Weihbischof Cristián Carlos Roncagliolo Pacheco, Pater José Manuel Arenas sowie die Rabbiner Alejandro Bloch, Samuel Szteinhendler und Daniel Zang zugegen.

Pater Irarrázaval entschuldigte sich auch für die Verwendung von "Ausdrücken, die viele Menschen beunruhigten und sogar schmerzten".

"Ich möchte aufrichtig um Vergebung für das Leiden und die Verwirrung bitten, die meine Aussagen verursacht haben könnten", schrieb er in einem Brief.

Die Erzdiözese Santiago de Chile ist ein bedeutendes Metropolitanbistum und seit Jahren Schwerpunkt der massiven Krise der Kirche in Chile, verursacht durch Fälle sexuellen Missbrauchs und Vertuschung sowie deren Handhabung durch Papst Franziskus – für die sich der Papst entschuldigt hat.

Papst Franziskus ernannte Ende März 2019 Bischof Celestino Aós Braco zum Apostolischen Verwalter von Santiago, nachdem Kardinal Ricardo Ezatti wegen schwerer Vertuschungsvorwürfe abtreten musste. Aos Braco wiederum ist kurz nach seinem Antritt ebenfalls in die Kritik geraten, unter anderem dafür, knienden Gläubigen die Kommunion verweigert zu haben.

, nachdem er den Rücktritt des Erzbischofs, Kardinal Ricardo Ezzati Andrello, akzeptiert hatte, der beschuldigt wurde, an der Vertuschung der Verbrechen mehrerer missbrauchender Priester beteiligt gewesen zu sein.

Santiago fehlt ein Großteil seiner Führungsmannschaft, nachdem mehrere Weihbischöfe der Erzdiözese von Papst Franziskus als Apostolische Verwalter für andere Diözesen ernannt wurden, um abgetretene Prälaten zu ersetzen.

Santiago selber wird nun einen neuen Weihbischof bekomen: Pfarrer Alberto Lorenzelli, der am 22. Mai ernannt wurde. Der Argentinier, der in Italien aufgewachsen ist, dient seit fünf Jahren in Chile. Er wird von Papst Franziskus am 22. Juni im Petersdom zum Bischof geweiht.

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