Überblick: Programm und Hintergrund der Papstreise nach Lesbos

Papst Franziskus grüßt Pilger auf dem Petersplatz am 13. April 2016.
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Fünf Stunden wird der Aufenthalt von Papst Franziskus am heutigen Samstag auf Lesbos dauern. Der Heilige Vater reist auf Einladung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., sowie des griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos auf die Mittelmeerinsel. Zusammen mit dem Patriarchen und dem Präsidenten sowie dem Erzbischof von Athen und Oberhaupt der autokephlaen orthodoxen Kirche von Griechenland werde der Papst auch ein Zentrum besuchen, in dem Flüchtlinge und Migranten versorgt werden. Die Insel ist eines der Hauptziele der Schlepper und Menschenschmuggler, die Menschen über das Mittelmeer nach Europa bringen.

"Humanitäres Anliegen"

Der Zweck der Kurzreise des Papstes sei "fundamental humanitär", sagte der Sprecher des Presse-Amtes des Heiligen Stuhls. Die "Sorge des Papstes für Migranten" teile dieser mit den orthodoxen Bischöfen.

Wie Jesuitenpater Federico Lombardi weiter mitteilte, wird der Papst um 10:20 Uhr in Griechenland ankommen. Dort wird er unter anderem von Premierminister Tsipras, Patriarch Bartholomäus, Erzbischof Hieronymos von Athen, Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen Kirche sowie Bischof Franghiskos Papamanolis, dem emeritierten Bischof von Syros und Vorsitzenden der griechischen Bischofskonferenz.

Nach einem privaten Gespräch mit dem Premier wird er Papst gemeinsam mit den Orthodoxen Bischöfen mit einem Bus die Unterkunft Moria besuchen. Dort sind rund 2.500 Asylbewerber und Migranten untergebracht. Die drei Oberhirten werden von 150 Jugendlichen empfangen, sehen dann wichtige Bereiche der Unterkunft, um schließlich in einem großen Zelt rund 250 Flüchtlingen und Migranten zu begegnen. Bei diesem Treffen wird jeder der drei Oberhäupter eine Rede halten. Danach unterzeichnen sie eine gemeinsame Erklärung.

Nach dem Mittagessen — mit einer kleinen Auswahl von Flüchtlingen — reisen die Oberhirten weiter nach Mitylene. Der Hafen ist die Hauptstadt von Lesbos, und die Kulisse für Begegnungen mit örtlichen Bürgern und Vertretern der katholischen Gemeinde. Hier wird Franziskus auch eine Zeremonie im Gedenken aller Menschen abhalten, die beim Versuch der Überquerung ertrunken sind, oder anderweitig Leid und Not widerfuhr. Dabei wird Franziskus ebenfalls eine Rede halten, um anschließend mit den anderen Bischöfen zu beten und einen von Kindern gereichten Kranz in das Mittelmeer zu werfen.

Direkt im Anschluß reist der Papst zum Flughafen. Nach Einzelgesprächen mit den orthodoxen Bischöfen geht es zurück nach Rom.  

"Das Lampedusa Griechenlands"

Franziskus hat sich seit seinem Amtsantritt stets für eine offene Migrationspolitik ausgesprochen. Bereits seine erste Reise als Papst galt den vorwiegend muslimischen, aber auch christlichen Migranten und Flüchtlingen, die aus dem Nahen Osten und Afrika nach Mittel- und Nordeuropa strömen: Im Juli 2013 besuchte er die italienische Insel Lampedusa.

Lesbos wird auch das "Lampedusa Griechenlands" genannt, weil es näher an der Türkei als dem griechischen Festland ist, so wie Lampedusa näher an Afrika als dem italienischen. Somit ist es ein bevorzugtes Ziel der Boote der Menschenschmuggler, die mittlerweile tausende Menschen aus der Türkei dorthin transportiert haben:

Lesbos hat 90.000 Einwohner; Schätzungen zufolge sollen allein in diesem Jahr mindestens 100.000 Migranten dort aus der Türkei einreisen. In den vergangenen Monaten reisten nach Angaben des UN-Hilfswerks UNHCR im Durchschnitt knapp 900 Migranten täglich aus der Türkei nach Griechenland.

Endziel Deutschland und Schweden

Die wenigsten der Einreisenden wollen in Griechenland bleiben, sondern weiter reisen, meistens bis nach Deutschland und Schweden. Ob und wie dies jedoch stattfindet, ist noch unklar: Das umstrittene Abkommen der EU mit dem türkischen Staatsoberhaupt, Reccep Tayyip Erdogan, sieht eigentlich vor, dass alle illegal — meist mit Schleppern — eingereisten Migranten zurück in die Türkei müssen. Im Gegenzug hat die EU der Türkei zugesagt, von der Türkei als "echte" Bürgerkriegsflüchtlinge identifizierte Personen aufzunehmen. Die Umsetzung des heftig umstrittenen Plans verläuft bislang stockend.