Vatikan schafft Rücklagen, um finanzielle Folgen der Pandemie zu meistern

Die Flagge des Vatikans weht am 12. März 2015
Foto: CNA/Petrik Bohumil

Der Vatikan ist bestrebt, Rücklagen angesichts der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sicherzustellen. Das haben zwei Verantwortliche der römischen Kurie am Samstag erklärt.

Am 24. Juli veröffentlichten das vatikanische Wirtschaftssekretariat und die APSA (Verwaltung des Patrimoniums des Apostolischen Stuhls) konsolidierte Bilanzen für das Jahr 2020.

Es war das erste Mal, dass die APSA, die den Immobilienbesitz des Vatikans und andere staatliche Vermögenswerte beaufsichtigt, eine Bilanz und Einzelheiten über ihr Investitionsportfolio der Öffentlichkeit vorstellte.

Bischof Nunzio Galantino, Leiter der APSA, sagte gegenüber dem eigenen Nachrichtendienst "Vatican News" am 24. Juli, dass der "Investitionsplan der Römischen Kurie auch in Zukunft umsichtig" und "durch ein korrektes Gleichgewicht zwischen Risiko und mittel- und langfristiger Rentabilität gekennzeichnet" sein soll. 

Auf die brodelnden Korruptionsskandale und die Finanzkrise im Staatssekretariat, die Staatsanwälte in mehreren Nationen beschäftigt, ging Galantino nicht ein. 

Inmitten der Covid-19-Pandemie und der damit reduzierten Einnahmen ist der Heilige Stuhl jedoch ohnehin gezwungen, Rücklagen zu schaffen und umsichtiger agieren. 

Im Gespräch mit Vatican News sagte der Wirtschaftschef Pater Juan A. Guerrero S.J., dass der Wirtschaftsrat in Kenntnis des Geldflusses des Vatikans während der Pandemie sowie der unsicheren finanziellen Situation beschlossen habe, die Liquidität zu erhöhen, um die Möglichkeit zu vermeiden, in einem schlechten Markt zum Verkauf von Immobilien gezwungen zu werden.

"Wir hatten keine genauen Informationen über die uns zur Verfügung stehende Liquidität, was zu der Entscheidung führte, die Liquidität zu erhöhen", sagte er. "Das bedeutete gleichzeitig eine Reduzierung unseres finanziellen Gewinns. Ich denke, das war in der Situation, in der wir uns befanden, das Vernünftigste, was wir tun konnten."

Die Bilanz der Römischen Kurie, die vom Haushalt des Staates Vatikanstadt getrennt ist, wies im Jahr 2020 ein Defizit von 66 Millionen Euro aus, 11 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.

Die Gesamtausgaben der Römischen Kurie für 2020 betrugen 314 Millionen Euro.

Gleichzeitig verbuchte der Vatikan laut der Bilanz für das Jahr 2020 einen Rückgang der Einnahmen um knapp 50 Prozent, der laut dem Bericht "durch die signifikante Reduzierung der gewöhnlichen Betriebskosten" verursacht wurde, die sich auf über 25 Millionen Euro beliefen und "teilweise durch die weniger als erwartete Reduzierung der gewöhnlichen Betriebseinnahmen kompensiert wurden."

Laut der Bilanz ist die Diskrepanz zwischen 2020 und 2019 zum Teil auf einen Einkommensverlust von rund 14,5 Millionen Euro aus dem Gouvernement des Staates Vatikanstadt zurückzuführen, das einige kommerzielle Aktivitäten beaufsichtigt, die während der Pandemie geschlossen werden mussten, wie die Vatikanischen Museen und Katakomben.

Der Vatikan erhielt auch weniger Einnahmen aus Immobilien, bei denen er den Mietern während des COVID-19-Ausbruchs reduzierte oder verzögerte Mietzahlungen anbot.

Der Verkauf einer großen Immobilie durch die APSA im Jahr 2019 spiegelt sich ebenfalls in der Differenz zwischen den beiden Jahren wider, so der Haushalt.

Im Gegensatz dazu trugen einige Einrichtungen, die mit dem Heiligen Stuhl verbunden sind, wie z. B. das IOR, im Jahr 2020 mehr Einnahmen zur Römischen Kurie bei. Insgesamt wurden die Ausgaben um 3,3 Millionen Euro reduziert.

Guerrero sagte Vatican News, der Heilige Stuhl habe "eine Kultur der Geheimhaltung, aber in der Wirtschaft haben wir gelernt, dass Transparenz uns mehr schützt als Geheimhaltung."

Die Kultur befinde sich im Wandel, und die Institution beginne, sich als Verwalter und nicht als Eigentümer zu sehen, und erkenne die Rechenschaftspflicht an, die damit verbunden sei.

Die Freigabe der Bilanz für 2020 "markiert einen Wendepunkt, der zu einer größeren Glaubwürdigkeit des Heiligen Stuhls in wirtschaftlichen Angelegenheiten führen kann", sagte er.

Galantino sagte, dass die Aktivitäten der APSA über "die ernsten Folgen der Pandemiekrise" hinausgehen.

Nach Angaben des Bischofs werden 14 Prozent der von der APSA verwalteten Immobilien zum Marktwert vermietet, während die restlichen 86 Prozent, also jene mit institutioneller Nutzung wie Arbeitsplätze für Vatikan-Angestellte und Residenzen für pensionierte Kardinäle, keine Miete verlangen oder unter dem Marktwert vermietet werden.

Die APSA führte eine quantitative und qualitative Aktualisierung des Inventars der von ihr verwalteten Gebäude und Grundstücke durch, sagte er, und stellte fest, dass viele der Anlagen, sowohl die an Mieter vermieteten als auch die für institutionelle Zwecke genutzten, eine Instandhaltung, Modernisierung und erhöhte Sicherheit benötigen.

Er erklärte, dass die APSA im Januar 2022 mit der Renovierung von 100 Wohnungen beginnen wird, die irgendwann im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein soll.

"Unsere Energien sind auf eine glaubwürdige und zuverlässige sowie effektive und effiziente Verwaltung gerichtet, die es uns erlaubt, uns von Prozessen der Rationalisierung, Transparenz und Professionalität leiten zu lassen, die auch von Papst Franziskus gefordert werden", sagte er.

Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wird das Wirtschaftssekretariat mit der Umsetzung eines neuen "Pilot"-Überprüfungsprozesses des Personals in einigen Büros beginnen.

ANSA berichtete, dass Guerrero einen Brief an die Leiter der Dikasterien geschickt habe, in dem er sagte, dass die Bewertung der Arbeitsleistung im Lichte der Kurienreform und "der Notwendigkeit, das Beste aus den verdienten Ressourcen zu machen, neue Möglichkeiten zu bieten und die technische und berufliche Ausbildung zu fördern, stattfindet."

Mit der Veröffentlichung der Bilanz für 2020 sagte Guerrero gegenüber Vatican News, dass das Wirtschaftssekretariat "die wirtschaftliche Nachhaltigkeit sicherstellen und gleichzeitig die richtige Entscheidung des Papstes, niemanden zu entlassen, beibehalten will."

Er fügte hinzu, dass "um eine größere Motivation bei den Mitarbeitern zu erzeugen, es sinnvoll wäre, einen Plan mit einer langfristigen Vision zu machen und eine Arbeitspolitik mit professionellen Entwicklungsprogrammen und Ausbildung zu haben, und besondere Aufmerksamkeit auf die Ausbildung in der Mission, die im Heiligen Stuhl durchgeführt wird. Dies würde auf lange Sicht auch Geld sparen."

sgsgd

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

sgsgd

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