Warum besonders Frauen von der Christenverfolgung betroffen sind

Christliche Frauen beim Besuch von Papst Franziskus in Bangui, Zentralafrikanische Republik am 29. November 2015.
Foto: CNA/Martha Calderon

Eine weltweite Studie belegt, dass der Aufstieg eines zunehmend radikalen Islam der Hauptgrund ist für die globale Christenverfolgung — und besonders Frauen betroffen sind.

"Leider sind mehr und mehr Frauen das Ziel von Terrorgruppen", sagt Emily Fuentes, Kommunikationsleiterin bei "Open Doors".

"Es gibt zahlreiche internationale Fälle, in denen Frauen entführt, vergewaltigt und zur Bekehrung vom Christentum zum Islam gezwungen werden durch radikal-islamische Gruppen wie Boko Haram. Viele werden auch auf dem freien Markt weiterverkauft. Diese Brutalität herrscht nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Afrika und vielen anderen Regionen."

Millionen Frauen sind betroffen

Open Doors ist ein international tätiges Hilfswerk, dass sich auf die weltweite Christenverfolgung konzentriert. Seinen jüngsten Zahlen zufolge hat die Gewalt gegen Christen einen neuen Höchststand erreicht. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden Christen so verfolgt wie heute, und es wird immer schlimmer: Die Zahlen verdoppeln sich Jahr für Jahr, so die Ergebnisse von Open Doors. Hauptgrund dieses dramatischen Anstiegs ist der eskalierende Extremismus des Islam in 35 der 50 Länder, in denen die Verfolgung am Schlimmsten ist.

"In vielen Ländern sind Frauen Opfer der Verfolgung weil sie als Bürger zweiter Klasse gesehen werden aufgrund ihres Geschlechts", sagt Fuentes. Frauen würden somit aus doppeltem Grund zur Zielscheibe. "Auch wenn wir keine exakte Zahl haben, wissen wir, dass Millionen Frauen betroffen sind."  

Kommunistisches Land ist Spitzenreiter

Allein in den vergangen zwei Jahren soll der Islamische Staat 250 Mädchen hingerichtet haben, weil sie sich weigerten, zu Sex-Sklavinnen gemacht zu werden. Vor zwei Jahren entführte Boko Haram im nigerianischen Chibok 276 Teenager. Bis heute gilt die Mehrzahl der Mädchen als vermisst.

Das kommunistische Nordkorea ist Spitzenreiter im Ranking von Open Doors. Gleich dahinter kommen Länder im Nahen sowie Mittleren Osten und Afrika: Somalia, Irak, Eritrea, Afghanistan und Pakistan.

In Nigeria starben allein im Jahr 2015 nachweislich 2.484 Christen für ihren Glauben. In der Zentralafrikanischen Republik ermordeten radikale Muslime 1.088 Christen. Auch Syrien, Kenia und Nordkorea verzeichneten jeweils hunderte Tote: Allesamt Christen, die wegen ihrer Religionszugehörigekeit umgebracht von muslimischen Extremisten ermordet wurden.

Regierungen haben Angst

Fuentes betont, dass in vielen dieser Länder eine öffentliche Ausübung von Religion den Argwohn der Machthaber provoziert, was wiederum besonders für Frauen Konsequenzen hat. Die Herrscher haben vor ihnen Angst, erklärt Fuentes: "Christliche Frauen bekennen sich in der Regel viel deutlicher zu ihrem Glauben als Männer. Leider zahlen sie dafür den Preis. Frauen würden so wahrgenommen, als würden sie ihren Glauben und ihren Bezug zu Gott über den zur Regierung stellen, "und das ist für die inakzeptabel".

Frauen christlichen Glaubens sind dem renommierten "Pew Research Center" zufolge die größte Religionsgruppe der Welt: Fast 34 Prozent der Menschheit. In vielen Ländern — auch in Mitteleuropa — beten diese Frauen öfter als Männer und gehen regelmäßiger in die Kirche. Religion spielt auch sonst in ihrem Leben eine wichtigere Rolle.

Gewalt und Verfolgung ist nicht nur physisch

Emily Fuentes von Open Doors betont, dass esnicht nur um körperliche Gewalt. "In den genannten muslimisch geprägten Ländern werden christliche Frauen ihrer Freiheit beraubt und haben keinen Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung, Ernährung oder Erziehung. Das tägliche Überleben geht nur mit vorsichtiger Planung, etwa immer nur mit männlichen Verwandten zu reisen."

Es sei dringend nötig, über diese schreckliche Situation aufzuklären und sich für die Rechte der massiv unterdrückten Frauen einzusetzen, so Fuentes. Es müsse öffentlich klargestellt werden, dass eine Verfolgung von Frauen und aller Menschen aufgrund ihrer Religion schlichtweg inakzeptabel ist.

Westen handelt nur zögerlich

Die Anerkennung des andauernden Völkermords des Islamischen Staates an Jesiden, Christen und anderen — etwa durch die US-Regierung — ist ein Schritt in diese Richtung.

Doch das Problem zu identifizieren und beim Namen zu nennen ist nur der Anfang, betonte Olivia Enos, wissenschaftliche Mitarbeiterin des "Asian Studies Centre" der "Heritage Foundation" in den USA gegenüber CNA.

"Die Regierung Obama hat dies nicht zu einer ihrer Prioritäten gemacht", sagte sie. Statt dessen habe Washington wenig getan, damit diese Anerkennung auch Konsequenzen mit sich ziehe. "Wen wir zeigen wollen, dass Religionsfreiheit unserer Regierung wirklich etwas bedeutet, dann sollten weitere Schritte Folgen", so Enos. Nur so könne der Verfolgung Einhalt geboten werden.

"Menschenrechte werden oft getrennt von sicherheitspolitischen Überlegungen betrachtet", kritisierte Enos. Doch ein sicheres Land sei auch immer ein Land, dass verschiedene Religionen toleriere. "Wenn Religionsfreiheit nicht verteidigt wird, kommt es zu schweren Menschenrechtsverletzungen", fügte sie hinzu. Es gehe nicht nur um Religionsfreiheit für Frauen oder eine bestimmte Religion, sondern für alle Menschen.

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