Wie Malawis Bischöfe Menschen mit Albinismus vor Tötung aus Aberglaube schützen wollen

Bischof George Desmond Tambala von Zomba (Malawi) mit Vertretern zum Auftakt der Kampagne.
Foto: CCJP / ACI Africa
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In Malawi sind Menschen, die mit Albinismus leben, laufend der Gefahr ausgesetzt, für ihre Körperteile getötet zu werden. Zudem fehlt im Gesundheitswesen und bei staatlichen Behörden ein Verständnis für die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Albinismus.

Malawis Bischöfe wollen dies ändern und haben jetzt eine zweijährige Kampagne gestartet, die grundsätzlich das Bewusstsein für die Rechte von Menschen mit Albinismus schärfen soll.

Die Aktion wird von der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Bischofskonferenz von Malawi organisiert, wie ACI Africa berichtet, die afrikanische Schwesteragentur von CNA Deutsch.

"Diese Kampagne zielt darauf ab, die unzähligen Herausforderungen anzugehen, mit denen Menschen mit Albinismus in der Diözese Zomba konfrontiert sind", sagte der CCJP-Koordinator, Boniface Chibwana, gegenüber ACI Africa am gestrigen MIttwoch.

Laut Chibwana wurden "Menschen mit Albinismus wegen einiger dummer Mythen diskriminiert, entführt und getötet, – in der abergläubischen Annahme, dass ihre Knochen viel Geld einbringen und dass ihr Körpergewebe den Menschen Vermögen bringt".

Die in Zusammenarbeit mit der Association of People with Albinism in Malawi (APAM) und dem Council of Bishops in Scotland (SCIAF) organisierte Kampagne klärt über die Rechte von Menschen mit Albinismus auf und trägt den offiziellen Titel: "Förderung und Schutz der Rechte auf Gesundheitsversorgung und des Zugangs zur Justiz für Menschen mit Albinismus in Malawi für ein sichereres und würdigeres Leben".

"Menschen mit Albinismus stehen vor vielen Hürden, wenn es um den Zugang zu Gesundheitsdiensten in Bezirkskrankenhäusern geht", kritisierte Chibwana und fügte hinzu: "Die Kampagne soll das medizinische Personal sensibilisieren, damit es mit Menschen mit Albinismus sorgfältig umgehen kann."

Die zweijährige Kampagne, die voraussichtlich am 30. Oktober 2021 enden wird, sieht vor, dass sich die Teilnehmer an der Überwachung der "Bereitstellung von Sonnenschutzmitteln in den Krankenhäusern, die den Patienten zur Verfügung gestellt werden", beteiligen.

Im Jahr 2018 meldeten Menschenrechtlicher, dass "seit November 2014 die Zahl der gemeldeten Vorfälle gegen Menschen mit Albinismus auf 148 Fälle gestiegen ist, darunter 14 Morde und sieben Mordversuche". Viele Fälle würden jedoch garnicht erst gemeldet, so Experten. Beobachter gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus.

Auf die Frage, welche konkreten Maßnahmen die Ortskirchen ergriffen haben, um Menschen mit Albinismus zu erreichen, antwortete Chibwana, die Diözese Zomba zahle zum Beispiel für viele Mädchen und Jungen mit Albinismus in Grund- und Sekundarschulen die Schulgebühren.

"Die Lage der Menschen mit Albinismus in Malawi wird erst dann grundsätzlich verbessert, wenn die Werte der Menschenwürde und der Heiligkeit des Lebens im Gefüge der Gesellschaft verankert sind."

Hintergrund: Albinismus

Seit langem standen Menschen mit Albinismus in einigen afrikanischen Gesellschaften im Ruf, Unglück zu bringen; vor einigen Jahren kam jedoch der Aberglaube auf, sie würden Glück bringen: Sogenannte Witch Doctors etwa töten die Menschen und stellen aus ihren Körperteilen vermeintliche Zaubermittel her. In Simbabwe kam es zu dem Aberglauben, Geschlechtsverkehr mit Albinos würde eine HIV-Infektion heilen. Daraufhin wurden Frauen mit Albinismus Opfer von Vergewaltigungen.

In Tansania, das neben Burundi und Kamerun ebenfalls besonders betroffen ist, wurde bereits ein Programm zur Bekämpfung der Gewalt gegen Menschen mit Albinismus auf den Weg gebracht. Seit 2000 wurden in Tansania mindestens 74 Albinos ermordet, darunter zahlreiche Kinder.

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