Wie US-Stiftungen um George Soros versuchten, den Papstbesuch für sich nützlich zu machen

Papst Franziskus feiert die heilige Messe im Petersdom am 2. September 2015.
Foto: L'Osservatore Romano

Die "Open Society"-Stiftungen des US-Milliardärs George Soros haben versucht, den Besuch Papst Franziskus' in den Vereinigten Staaten von Amerika dazu zu nutzen, die Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen und innerhalb der katholischen Kirche an Einfluss zu gewinnen. 

 

Dabei geht es um stattliche Summen, wie aus durchgesickerten Dokumenten hervorgeht, die von den größeren Geldgebern stammen: Diesen zufolge sollen 650.000 US-Dollar in Fonds an die Beitragsempfänger der Stiftung "PICO Network" und "Faith in Public Life" ("Glaube im Öffentlichen Leben") geflossen sein, um den Papstbesuch in den USA für eigene Anliegen zu nutzen.

Die Stiftung soll bereits Anfang 2015 eine Wette abgeschlossen haben, dass die Beitragsempfänger "das meiste aus seiner [des Papstes] Reise herausholen könnten."

"Um den Augenblick auszunutzen, werden wir die Organisationsarbeit von PICO Network unterstützen, um den Papst in Fragen der Wirtschafts- und Rassengerechtigkeit zu verwickeln", besagen die Dokumente.

Die Dokumente, die auf der Homepage von "DCLeaks.com" veröffentlicht wurden, scheinen Protokollbücher der Programmabteilung der Stiftungen vom Mai und vom Oktober 2015 und eine Notiz vom 9. Februar 2016 über den Opportunities Fund der Programme in den Vereinigten Staaten zu sein.

"Durch das Einspannen des Papstbesuchs zur Aufdeckung der scharfen Kritik an dem, was er 'Wirtschaft der Exklusion und der Ungleichheit' nennt und seiner Verurteilung von 'Trickle-Down'-Theorien, werden PICO und FPL daran arbeiten, eine Brücke zu einer breiter gefächerten Diskussion über wirtschaftliche Anliegen und einem Wechsel nationaler Paradigmen und Prioritäten bei den kommen Präsidentschaftswahlen 2016 zu schlagen", besagte das Dokument vom Mai 2015.

Im Dokument vom Oktober 2015 steht, der Papstbesuch biete den zwei Beitragsempfängern die Möglichkeit, sich auf die Themen Flüchtlinge, Migranten, übertriebene Einkerkerung und Rechte der Einwanderer zu konzentrieren, während sie frischen Wind in die Versammlung zu den Präsidentschaftswahlen 2016 zu bringen." Die Notiz vom Februar 2016 besagte, die Finanzierung erlaube den Organisationen, die Wirkung des Papstbesuchs in den Vereinigten Staaten zu maximieren, um zu betonen, "dass auch Gefangene, Einwanderer und die Armen Menschen sind".”

In den Texten wurde darauf hingewiesen, dass diese Aktivität das Nutzen des Einflusses von Kardinal Oscar Rodríguez Maradiaga und das Entsenden einer Delegation in den Vatikan beinhalten würde, um es dem Papst zu ermöglichen, "direkt von Katholiken in Amerika mit niedrigem Einkommen zu hören." Kardinal Maradiaga,  Erzbischof der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa, koordiniert den Rat der Kardinäle, der Papst Franziskus berät.

Die "Open Society Foundation" ist extrem einflussreich und engagiert sich bei vielen Aktivitäten in und außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ihre Finanzierung der Vorbereitungen des Papstbesuchs unterstützte die Arbeit von "Faith in Public Life" bei der Mediengestaltung und der Formung der öffentlichen Meinung einschließlich einer Umfrage über katholische Wähler, Papst Franziskus und Einkommensungleichheit. Die Bemühungen zielten darauf ab, die Berichterstattung für die Botschaft, dass der Kampf gegen Ungleichheiten "für die Familie" ist, sicherzustellen.

Die "Open Society"-Stiftungen planten, im November 2015 ein "Franziskuseffekt"- Briefing für die Finanziers einschließlich der Ford-Stiftung zu veranstalten, die ihre zwei Beitragsempfänger, Gewerkschaften und die National Domestic Workers Alliance als Gast gehabt hätte.

In der Notiz vom Februar 2016 steht, die finanzierte Aktivität ziele auf den "Kauf individueller Bischöfe ab, um Unterstützung für Botschaften zur Förderung wirtschaftlicher und rassischer Gerechtigkeit in einer breiteren Öffentlichkeit zu äußern", mit dem Ziel, das dies der Anfang einer nach dem Verständnis der Notiz, Schaffung "einer kritischen Anzahl von Bischöfen, deren Meinung im Einklang mit der des Papstes steht."

"PICO und FPL konnten ihren Einsatz beim Papstbesuch nutzen, um ihre Position beim langfristigen Projekt des Verschiebens der Prioritäten der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika hin zu Themen wie Ungerechtigkeit und Unterdrückung auszusäen", so die Notiz.

Laut Notiz lud der Papst PICO ein, um ihm bei der Planung des Dritten Welttreffens der Volksbewegungen zu helfen.

"Der Widerstand in der US-amerikanischen Katholischen Bischofskonferenz gegen diese Hilfe war stark, und die Beitragsempfänger sind in einen heftigen Kampf mit einem Teil der Kirche verwickelt, die den Einfluss des Papstes auf Themen der Sozialen Gerechtigkeit beschneiden möchte", behauptete die Notiz.

Die Dokumente sind nicht immer genau. Fälschlicherweise behauptete die Notiz, das Welttreffen der Volksbewegungen werde 2016 und nicht 2017 stattfinden.

Sie fügte hinzu, Faith in Public Life und PICO könnten die Programmziele der Stiftung stärken, wenn sie "die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten dazu bewegen können, eine Stimme zugunsten der Armen und der farbigen Gemeinschaften zu werden." Die Notiz meinte, die sei ein langfristiger Prozess, der "bereits stattfindet"

Ein Sprecher der US-amerikanischen Katholischen Bischofskonferenz verweigerte jeden Kommentar zur Geschichte.

Ein Sprecher der Open Society Stiftungen antwortete am 30. August der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNA. Er sagte: "Der Papst hat persönlich viele der Themen der Sozialen Gerechtigkeit angesprochen, an denen wir in den Stiftungen arbeiten. Wir sahen seinen Besuch als Möglichkeit einer weiteren Diskussion und Politikdebatte über diese Themen an.”

Die Stiftungen stuften das Dokumentenleck, das einige dem russischen Geheimdienst zugeschrieben haben, als "Symptom eines aggressiven Angriffs auf die Zivilgesellschaft und auf Menschenrechtsaktivisten, der weltweit geführt wird", ein.

Das Netzwerk PICO sagte der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNA, die "Open Society"-Stiftungen seien "eine der vielen Einzelpersonen und Stiftungen", die seine Arbeit zu den Themen Einkommensungleichheit, Reform des Einwanderungsrechts und Strafjustiz unterstütze, die "von Papst Franziskus herausgestellt wurde und für die sich die katholische Kirche der Vereinigten Staaten jahrzehntelang engagiert hat.”

"Wir freuen uns, dass unsere Bemühungen in Verbindung mit dem historischen Besuch des  Papstes in den Vereinigten Staaten dazu beitrugen, seine Mission und seine Botschaft über die Bedeutung, dass die katholische Kirche und Menschen aller Religionen Seite an Seite mit den armen und Machtlosen stehen", sagte PICO.

Das Netzwerk sagte, es arbeite weiterhin mit dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und un den katholischen Bischöfen der Vereinigten Staaten zusammen, um die katholische Soziallehre zu verbreiten. Dies beinhaltet auch eine geplante Einberufung des Welttreffens der Volksbewegungen 2017 in den Vereinigten Staaten von Amerika.

PICO antwortete nicht auf Fragen über den angeblichen Konflikt innerhalb der katholischen Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten. Das Netzwerk behauptete, der honduranische Kardinal Maradiaga habe seine Arbeit mit mittelamerikanischen Glaubensgemeinschaften seit zehn Jahren unterstützt, und Maradiaga habe auf einer PICO-Auftaktveranstaltung zu seinem "Jahr des Treffens mit Papst Franziskus" Anfang 2015 gesprochen.

PICO, das 1972 von Pater John Bauman, S.J. gegründet wurde, beschreibt sich als ein landesweites Netzwerk von Organisationen, die auf dem Glauben fußen. Das Netzwerk behauptet, 1000 Mitgliedsinstitutionen in 17 US-Bundesstaaten zu haben. Außerdem behauptet es, erfolgreich darin zu sein, den Zugang zur Gesundheitsvorsorge erhöht zu haben, während sie öffentliche Schulen, bezahlbare Wohnungen und die Sicherheit in den Wohngegenden verbessert hat.

Der andere beteiligte Beitragsempfänger, "Faith in Public", hat zeitweise US-amerikanische Bischöfe unterminiert.

Als die Bischöfe 2012 ihre erste Konferenz über Religionsfreiheit abhielten, um gegen die Verletzung der Religionsfreiheit der Katholiken durch die Gesetze der Obama-Administration zu protestieren, brachte der Direktor von Faith in Public Life, John Gehring, Gesprächspunkte gegen die Anliegen der Bischöfe in Umlauf.

Weitere Dokumente der Open Society-Stiftungen behandeln ihre Unterstützung  für die  "Catholics in Alliance for the Common Good" (Katholiken im Verband für das Gemeinwohl), deren erster Kontakt mit der Stiftung im Jahr 2006 zustande kam.

Sie unterstützten auch die Petitionsseite "Faithful America" (Gläubiges Amerika), um "progressive Glaubensstimmen"  zu mobilisieren. Die Homepage hat manchmal katholische Bischöfe und Organisationen angegriffen, die treu zur katholischen Lehre stehen.

Andere durchgesickerte Dokumente scheinen daraufhin zu deuten, dass die Open Society-Stiftungen 1,5 Millionen US-Dollar für "Planned Parenthood" bereitstellten, um die 7-8 Millionen US-Dollar teure Lobbyantwort des Abtreibungsanbieters auf Vorwürfe, Gewebe und Körperteile abgetriebener Kinder verkauft zu haben.

Die Stiftungen unterstützen auch Gruppen, die für das Recht auf Abtreibung eintreten, um Irlands Lebensschutzgesetz anzugreifen. Dies soll als potenzielles Beispiel dafür dienen, um Abtreibungsbeschränkungen in anderen katholischen Ländern wie Polen aufzuheben.

Das "Catholic Legal Immigration Network" ist unter den vielen Beitragsempfängern der Stiftungen.