Wunder von Neapel: Blut des heiligen Januarius verflüssigt

Das Blutwunder: Nahaufnahme des Jahres 2018
Foto: Paul Badde / EWTN

Das Blut des Heiligen Januarius, Schutzpatron der süditalienischen Stadt Neapel, hat sich am Sonntag verflüssigt.

Die Erzdiözese Neapel gab bekannt, dass das wundersame Ereignis um 17:18 Uhr Ortszeit am 2. Mai stattfand.

Ein Video, das auf YouTube am 3. Mai gepostet wurde, zeigte einen Monsignore, der den Reliquienschrein zeigte und ihn drehte, um zu demonstrieren, dass sich das Blut in einer kugelförmigen Ampulle von einem festen in einen flüssigen Zustand verwandelt hatte.

In seiner Predigt bei der Messe in der Kathedrale von Neapel am 1. Mai erklärte Erzbischof Domenico Battaglia, dass die Prozession, die traditionell am ersten Samstag im Mai stattfindet, dieses Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt wurde.

Die Prozession beginnt an der Kathedrale und endet an der Kirche von Santa Chiara. Der Reliquienschrein mit dem Blut und eine verzierte Büste des Heiligen Januarius werden zusammen mit Statuen anderer Heiliger in der Prozession mitgeführt.

Battaglia, der am 2. Februar 2021 als Nachfolger von Kardinal Crescenzio Sepe als Erzbischof von Neapel eingesetzt wurde, zelebrierte die Messe in Anwesenheit von nur 200 Personen - aufgrund der COVID-19-Beschränkungen.

In seiner Predigt ermutigte er die Zuhörer, sich nicht zu sehr "von dem Wunder faszinieren zu lassen" und "von der Sehnsucht ergriffen zu sein, darin gute oder unheilvolle Omen für unsere Zukunft zu lesen."

Unabhängig davon, ob sich das Blut verflüssige, solle die Reliquie die Katholiken an das Blut Christi erinnern, "in dessen österlichem Geheimnis wir uns immer noch befinden und der der einzige ist, der dem großen und intensiven Bild des sich verflüssigenden Blutes einen Sinn gibt."

Der 58-jährige Erzbischof fuhr fort: "Was ist eigentlich diese Ampulle? Von welchem Schatz ist sie ein Teil? Diese Fragen müssen jedes Mal in unser Herz eindringen, wenn uns der Märtyrer Januarius mit dem Zeichen seines Blutes begegnet."

"Das Blut der Märtyrer ist kein Museumsstück oder eine einfache Reliquie, die man andächtig aufbewahrt, sondern ein lebendiges Zeichen für das Heute, das uns gegeben ist, ein deutlicher Hinweis für diese Zeit, die wir zu bewohnen berufen sind, eine Prophezeiung für die Art und Weise, wie wir leben müssen, und ein klarer Hinweis darauf, wofür es sich zu sterben lohnt."

Der Erzbischof, der vor seiner Erhebung als "Straßenpriester" bezeichnet wurde, erinnerte namentlich an die jüngsten Opfer der Camorra-Mafia und der häuslichen Gewalt, aber auch an einsame alte Menschen und Arbeitslose.

Hintergrund: Das Blutwunder 

St. Januarius, oder San Gennaro auf Italienisch, der Schutzpatron von Neapel, war im dritten Jahrhundert ein Bischof der Stadt, dessen Knochen und Blut im Dom als Reliquien aufbewahrt werden. Es wird angenommen, dass er während der Christenverfolgung durch Diokletian als Märtyrer starb.

Das Wunder ist vor Ort bekannt und allgemein akzeptiert, war aber nicht Gegenstand einer offiziellen Anerkennung durch die Kirche. Die Verflüssigung soll mindestens dreimal im Jahr erfolgen: Am 19. September, dem Festtag des Heiligen, am Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai und am 16. Dezember, der Jahrestag des Ausbruchs des Vesuvs im Jahr 1631.

Dabei wird wird die getrocknete, rot gefärbte Masse, die sich auf einer Seite des Reliquiars befindet, zu Blut. Die Flüssigkeit bedeckt das gesamte Glas. Wann immer sich das Wunder von Neapel nicht ereignet, so die örtliche Überlieferung, ist das eine Warnung vor Krieg, Hungersnot, Krankheit oder anderen Katastrophen.

Das Blut verflüssigte sich im Dezember 2016 nicht, aber Monsignore Vincenzo De Gregorio, Abt der Kapelle des Schatzes von San Gennaro, sagte, es sei ein Zeichen dafür, dass Katholiken beten sollten, anstatt sich Sorgen darüber zu machen, was dies bedeuten könnte.

"Wir dürfen nicht an Katastrophen und Unglück denken. Wir sind Menschen des Glaubens und müssen beten", sagte er damals.

Das Fläschchen hat sich manchmal beim Besuch eines Papstes verändert. 

Am 21. März 2015 traf sich Papst Franziskus mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale und segnete sie mit der Reliquie.

Sepe erhielt dann die Ampulle vom Papst zurück und stellte fest, dass das Blut teilweise verflüssigt war.

Das letzte Mal, dass sich das Blut in Anwesenheit eines Papstes verflüssigte, war 1848, als Bl. Pius IX. zu Besuch kam. Das Phänomen trat nicht auf, als Johannes Paul II. im Oktober 1979 die Stadt besuchte, oder als Benedikt XVI. im Oktober 2007 die Stadt besuchte.

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