5 Dinge, die einem passieren, wenn man in Soutane auf die Straße geht

Unterwegs in Soutane
Foto: Francisco Osorio via Flickr (CC BY-SA 2.0)
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Wie Berufskleidung die Welt um einen herum verändert: Das ist das spannende Thema einer Reportage-Reihe, in der ein Reporter auch in Soutane auf die Straßen Chicagos ging – und dabei Erstaunliches erlebte.

"Die Macht der Berufskleidung: Was passiert ist, als ich die Kleidung eines Priesters trug" – so der Titel einer Reportage von Tom Chiarella im Esquire Magazine. Der Autor begab sich in der Kleidung verschiedener Berufe auf die Straßen von Chicago. Für seine Serie wählte er das Berufsgewand eines Priesters, eines Wachdienst-Mitarbeiters, eines Mechanikers, und eines Arztes. Es waren aber die Erfahrungen in der Soutane, die den Journalisten am meisten bewegten und überraschten:

1) Die Leute sahen ihn überall an

"Eine Stunde in Priesterkleidung und ich wusste: An einem strahlenden Sommertag, mitten in einer Großstadt, ist ein Priester mit Soutane etwas, das es wert ist, betrachtet zu werden. Die Leute nehmen Augenkontakt mit einem Priester auf, verneigen den Kopf, manchmal auch nur leicht. Auch beobachten sie ihn respektvoll. Aus der Entfernung."

"Wenn sie in Begleitung unterwegs sind, dann unterbrechen sie ihr gewohntes Verhalten für ein schnelles "Guten Tag, Pater". So wie man es in der Oberschule gelernt hatte."

2) Die Leute wollten ihn anfassen

"Wenn Du eine Arbeitskleidung anhast, fasst Dich normalerweise niemand an. Außer es ist die des Priesters: die Menschen fassen den Priester an. Die meisten am Handgelenk. Mir ist das zwei Mal passiert, nur ein leichter Kontakt inmitten eines Gespräches."

"Komischerweise war der Anzug des Priesters jener, der von mir die meiste ´körperliche Aktion´ verlangte. Den ganzen Tag über muss man Umarmungen geben, in die Knie gehen, um mit Kinder zu sprechen, und sich für Selfies verbiegen."

3) Die Obdachlosen kamen auf ihn zu, um ihn um Hilfe zu bitten

"Besonders die Bedürftigen. Den ganzen Tag über traf ich auf obdachlose Einzelne und Familien auf der Straße. Manchmal kamen sie zu mir und packten meine Hände. Zweimal baten sie mich um einen Segen, den ich nicht geben konnte. Nicht so, wie sie ihn wollten. Ich wäre so gern fähig gewesen, der Welt einen Dienst zu erweisen und sah, dass ich nichts tun konnte."

"Mit dem Gewand kommt auch eine Gewisse Verantwortung, sonst ist es nur ein Kostüm. Ich kniete mich hin, zog einen Zehndollarschein hervor und sagte: ´Ich bin kein Priester, aber ich verstehe Dich.´ Das tat ich nicht nur einmal, sondern 24 Mal. Chicago ist eine große Stadt, mit unzähligen Seelen, die irgendwo auf der Strecke geblieben sind. Das machte mich trauriger, als ich es für möglich gehalten hatte."

4) Er wurde zu einer Touristenattraktion in der Stadt

"Erschöpft und immer noch als Priester gekleidet, machte sich der Autor des Artikels auf zu einem Imbisswagen, kaufte sich eine Tamale, ein mittelamerikanisches Gericht aus Maisteig, und winkte einem Bus mit Touristen, der mit Hupen erwiderte. Die Fahrgäste winkten zurück."

5) Es ist schwer, Priester zu sein

Angesichts der Art und Weise, in der viele Menschen auf ihn zukamen und bei ihm Hilfe oder Hoffnung suchten, fasst der Autor zusammen: "Eigenartigerweise ist die Kleidung des Priesters jene, die am meisten abverlangt […] Es ist einfach, eine Soutane anzuziehen, aber es ist nicht einfach, sie zu tragen. Absolut nicht."

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von www.ChurchPOP.com