Bischöfe der Philippinen: "Bibel nicht zur Rechtfertigung der Todesstrafe heranziehen"

"Wenn du aber Böses tust, fürchte dich! Denn nicht ohne Grund trägt [die staatliche Gewalt] das Schwert. Sie steht im Dienst Gottes und vollstreckt das Urteil an dem, der Böses tut.“ (Römer 13,4) - Aber schließt dies auch die Todesstrafe ein?
Foto: CNA/Pixabay
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Die Bischöfe der Philippinen haben sich mit einer Botschaft, die am vergangenen Sonntag in allen Heiligen Messen des Landes verlesen wurde, an die Bevölerung der Philippinen gewandt: "Erinnert euch daran, was das Kreuz Jesu bedeutet und missbraucht die Bibel nicht, um die Todesstrafe zu rechtfertigen".

"Den Personen, die die Bibel dazu benutzen, die Todesstrafe zu verteidigen sagen wir: Müssen wir euch aufzeigen, wie viele andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Verweis auf die Bibel gerechtfertigt wurden?" fragten die kirchlichen Würdenträger in einer Erklärung, die vom Präsidenten der philippinischen Bischofskonferenz, Monsignore Sócrates Villegas, unterzeichnet worden war.

"Wir bitten euch demütig, die Heilige Schrift richtig zu interpretieren, sie wie eine progressive Offenbarung des Willens Gottes für die Menschheit zu lesen, die ihre letzte Erfüllung in Jesus Christus, dem endgültigen Wort Gottes für die Welt, findet".

Die Bischöfe erklärten weiter, dass Jesus nicht gekommen sei, das Gesetz abzuschaffen, sondern es zu erfüllen. "Jesus war nie und in keinster Weise Verfechter der 'legalen Tötung'", schreiben sie.

 

"Er verteidigte die Ehebrecherin gegenüber jenen, die ihr Blut verlangten und forderte diejenigen auf, die keine Sünde hätten, als erste einen Stein auf sie zu werfen."

Wiedereinführung geplant

In den Philippinen wurde die Todesstrafe im Jahre 2006 abgeschafft. Der derzeitige Präsident Rodrigo Duterte aber, der aktuell einen brutalten Kampf gegen den Drogenhandel führt, plädiert für ihre Wiedereinführung.

In ihrem Brief berichten die Bischöfe von der jüngsten Verabschiedung eines Gesetzesentwurfes im Repräsentantenhaus zur Wiedereinführung der Todesstrafe.

"Am Aschermittwoch stimmten die Mitglieder des Repräsentantenhauses bei der zweiten Verlesung des Gesetzesentwurfes zur Todesstrafe zu dessen Gunsten. Ironischerweise wurden sie vom Fernsehen eingefangen, als sie mit dem Aschekreuz auf ihrer Stirn lauthals die Todesstrafe forderten", schilderten sie.

"Haben sie denn vergessen, was diese Kreuz bedeutet?", fragen die Bischöfe.

Vor allem Arme betroffen?

 

Sie erklärten auch, dass der Satz der Bibel "Auge um Auge und Zahn um Zahn" von Jesus aufgegriffen wurde, der sich nicht für die Vergeltung des Bösen mit Bösem aussprach, sondern für eine Gerechtigkeit, die in der Barmherzigkeit wurzelt. Die Würdenträger weiter:

"Auch mit den besten Absichten hat sich die Todesstrafe nie als wirksames Mittel zur Abschreckung gegen Gewalttaten erwiesen. Anscheinend ist es einfacher, sich der Verbrecher zu entledigen als der grundlegenden Ursachen der Kriminalität in der Gesellschaft. Die Todesstrafe und ein ein defizitäres Rechtssystem – das ist immer eine tödliche Mischung".

Die Erklärung nahm auch auf die Opfer Bezug, denn es wird befürchtet, dass die Todesstrafe mehr bei den Armen zum Einsatz komme, "weil sie sich keinen angemessenen Verteidiger vor Gericht leisten können."

Die Bischöfe versicherten, dass die Schuldigen bereuen und ihre Sünden büßen müssen, sprachen den Betroffenen aber auch Liebe, Mitleid und Hoffnung aus.

"Als Gesetz widerspricht die Todesstrafe direkt dem Prinzip der Unveräußerlichkeit des grundlegendenen Menschenrechtes auf Leben, das in den meisten Verfassungen des Länder verankert ist, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet haben", erläuterten sie.

Am Ende baten die Bischöfe der Philippinen ums Gebet für die Regierenden des Landes und bekundeten, sie würden Heilige Messen für ihre Rettung aufopfern "um ihr Gewissen zu rühren und sie dazu zu bringen, die Todesstrafe ein für alle Mal abzuschaffen."

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