Medjugorje: Papst Franziskus äußert Skepsis über die andauernden Erscheinungen

Papst Franziskus beim Anflug auf das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Fatima am 12. Mai 2017.
Foto: Agencia LUSA
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Auf die Frage von Journalisten nach den Erscheinungen der Muttergottes in Medjugorje hat der Papst gesagt, die ursprünglichen Erscheinungen vor über drei Jahrzehnten verdienten weitere Prüfung. Zweifel dagegen äußerte Franziskus, was die angeblich andauernden Visionen betrifft.

Es müsse zwischen den beiden Erscheinungen - den früheren und den späteren - unterschieden werden, betonte der Papst vor Journalisten auf dem Rückflug von Fatima am heutigen Samstag Abend. Dabei berief sich Franziskus auf einen Bericht der Glaubenskongregation, der im Jahr 2010 von Papst Benedikt XVI. beauftragt worden war.

"Was die ersten Erscheinungen, die Kindern widerfuhren, betrifft, sagt der Bericht mehr oder wenig, dass die weiter untersucht werden müssen", sagte er, doch was die "scheinbaren derzeitigen Erscheinungen betrifft, hat der Bericht seine Zweifel". Franziskus weiter:

"Ich persönlich bin misstrauischer. Ich bevorzuge die Muttergottes als Mutter, unsere Mutter, und nicht eine Frau die eine Telegramm-Stelle leitet, die jeden Tag zu einer bestimmten Stunde eine Botschaft aussendet. Dies ist nicht die Mutter Jesu. Und diese scheinbaren Erscheinungen haben nicht viel wert."

Das sei seine "persönliche Meinung", betonte der Papst. Doch, fügte er hinzu, funktioniere die Muttergottes nicht so, dass sie sage: "Komm morgen zu dieser Uhrzeit, und ich werde Dir eine Botschaft für diese Leute geben". 

Daher sei es wichtig, zwischen diesen und den ersten Erscheinungen zu unterscheiden, so Franziskus.

Während die Marien-Erscheinungen von Fatima seit langer Zeit kirchlich vollkommen anerkannt sind - und von Anfang an wenig Zweifel aufkamen - ist die Frage der Erscheinungen von Medjugorje Gegenstand andauernder Debatten.

Hintergrund: Die Erscheinungen

Die ersten Erscheinungen sollen sich am 24. 1981 zugetragen haben, und sechs Kinder erklärten, diese erlebt zu haben. Die Botschaft der Umkehr, des Fastens und des Gebets um des Friedens willen erinnert in mancher Hinsicht an die Botschaft Fatimas.

Mittlerweile sollen sich diese Erscheinungen jedoch beinahe täglich wiederholt haben - drei der sechs ursprünglichen Seher haben erklärt, jeden Nachmittag Visionen gehabt zu haben. 

Die Erscheinungen beschäftigen seither mehrere Studiengruppen und Kommissionen des Vatikan sowie die Ortskirche. 

"Platz in der Neuevangelisierung"

Anfang April hatt der im Februar 2017 ernannte Sonderbeauftragte des Heiligen Stuhles, Monsignore Henryk Hoser, erklärt, dass "Medjugorje bereits einen Platz in der Neuevangelisierung" habe.

Monsignore Hoser sagte wörtlich:

"Ich glaube, dass Medjugorje bereits zur Neuevangelisierung gehört. Die Zahlen, die ich ihnen übermittelt habe, sind Zeugnis dafür. Die Dynamik der steigenden Pilgerzahlen zeigt, dass auch die Bedürfnisse wachsen."

Zu den Zahlen, auf die er sich bezieht, gehört auch jene der 610 Berufungen aus Ländern wie den Vereinigten Staaten, Italien und Deutschland, die ihren Ursprung in Medjugorje haben und jene der 2,5 Millionen Pilger, die nach seinen Angaben jährlich diesen Ort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

"Eine weitere bedeutsame Sache ist das Exerzitienhaus Domus Pacis. Mehr als tausend Gruppen mit über 42.000 Teilnehmern haben es in den letzten Jahren besucht. Diese geistlichen Exerzitien verwandeln die Menschen innerlich", betonte der Bischof.

All das, sagte er, "zeigt die Intensität des christlichen Lebens in Medjugorje, die auf andere Orte angewandt werden kann."

Ortsbischof ebenfalls skeptisch

Auf die Frage, ob er die Erscheinungen der allerseligsten Jungfrau in Medjugorje für echt halte oder nicht, antwortete der Erzbischof, dass es ihm nicht zustände, sich diesbezüglich zu äußern.

Dahingehend hatte sich wenige Wochem zuvor der Oberhirte der Diözese von Mostar Duvno in Bosnien-Herzegowina zu Wort gemeldet: "Die Muttergottes ist nicht in Medjugorje erschienen", war das umstrittene Urteil von Bischof Ratko Peric gewesen, in dessen Bistum die Marienerscheinungen stattgefunden haben sollen.