Amoklauf "ohne Bezug zu Flüchtlingen oder IS" – Gebete von Benedikt und Kardinal Marx

Notfallseelsorger im Einsatz – Viele Touristen und Passanten fanden Unterschlupf in Münchner Kirchen

Trauernde in München nach der Bluttat am 22. Juli 2016.
Foto: Johannes Simon / Getty Images News
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Keine politische oder religiöse Motivation: Der 18 Jahre alte Amokläufer, der gestern Abend in München neun Menschen erschossen hat – darunter fünf Kinder und Jugendliche – soll in psychiatrischer Behandlung gewesen sein. Zudem habe die Tat und ihr deutsch-iranischer Täter "keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge" oder dem Islamischen Staat gehabt, sagte heute der Polizeipräsident der bayerischen Landeshauptstadt, Hubertus Andrä. 

Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte mit, sie gehe davon aus, dass es sich "um einen klassischen Amoktäter ohne jegliche politische Motivation handelt". In seinem Zimmer fanden Beamten Hinweise darauf, dass er sich intensiv mit dem Thema Amok beschäftigt habe, hieß es.

Unabhängig vom Motiv des Mörders und kursierenden Spekulationen: Die Todesschüsse im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) haben auch unter den Katholiken im Erzbistum München und Freising Bestürzung ausgelöst.

Papst emeritus Benedikt betet für die Opfer

Einer der prominentesten Katholiken der Diözese, Papst emeritus Benedikt XVI., teilte seine Trauer über seinen Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein mit: Der emeritierte Papst bete für "die unschuldigen Opfer und drückt den Angehörigen sein Beileid und seine Nähe aus", zitieren italienische Medien am Samstag Erzbischof Georg Gänswein. Von 1977 bis 1982 war Benedikt Erzbischof von München und Freising.

"Diese schreckliche Tat erschüttert mich und erfüllt mich mit tiefer Trauer", erklärte Kardinal Reinhard Marx: "Meine Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich hoffe, dass die vielen Verletzten bald wieder nach Hause zurückkehren können."

Der heutige Münchner Erzbischof fuhr fort: "Fast täglich werden wir Zeugen einer bespiellosen Entfesselung der Gewalt und des Hasses. An vielen Orten vergiften Gewaltakte unser gesellschaftliches Klima mit Angst und Schrecken".

Es komme nunmehr darauf an, dagegen "Zeichen der Hoffnung, des Friedens und des Zusammenhalts" zu setzen. Der Kardinal rief die Menschen zum Gebet für alle von Gewalt und Terror Betroffenen auf. Marx wird bei einem Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom am Sonntagabend insbesondere für die Opfer und deren Angehörige beten. 

Seit dem frühen Freitagabend sind insgesamt zehn Notfallseelsorger der Erzdiözese München und Freising und der Diözese Augsburg im Einsatz. Am Samstagnachmittag, 23. Juli, bieten diese zusammen mit Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams des Arbeiter-Samariter-Bundes München in Räumen der Pfarrei St. Martin in München-Moosach unweit des Einkaufszentrums psychosoziale Gespräche für Mitarbeiter der Geschäfte in dem Einkaufszentrum an.

Viele Menschen hatten in der Nacht von Freitag auf Samstag Zuflucht in Kirchen gefunden, in der Innenstadt etwa im Liebfrauendom oder in der in der Fußgängerzone gelegenen Jesuitenkirche St. Michael, wo circa 40 Menschen, überwiegend Touristen, von Jesuiten versorgt in den Gruppenräumen übernachten konnten.

(Artikel im Laufe des Tages aktualisiert mit neuen Informationen).