Papst verurteilt Gender-Theorie in Georgien als "großen Feind" der Ehe

Papst Franziskus
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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In einer langen, spontan gehaltenen Rede hat Papst Franziskus in Georgien erneut die Gender-Theorie verurteilt und Ehepaare aufgefordert, gegen diese und andere ideologische Bedrohungen zu kämpfen. Die Welt heute führe Krieg gegen die Ehe, so der Pontifex.

Franziskus richtete seine Worte an Irina, eine georgische Ehefrau und Mutter, die vor dem Papst und hunderten Priestern, Seminaristen und Ordenleuten Zeugnis ablegte am heutigen 1. Oktober.

"Du hast einen großen Feind der Ehe heute erwähnt: Gender-Theorie", sagte der Heilige Vater. 

"Die ganze Welt heute führt Krieg gegen die Ehe und versucht sie zu zerstören", sagte er. Dieser Krieg werde nicht mit Waffen "sondern mit Ideen" gekämpft.

"Bestimmte Ideologien zerstören die Ehe", sagte der Papst. "Deshalb müssen wir uns gegen diese ideologische Kolonialisierung verteidigen".

Der Heilige Vater sprach mit Priester, Seminaristen, Ordensleuten und pastoralen Mitarbeitern in der Kirche der Aufnahme Mariens in den Himmel in Tiflis, nachdem er für die kleine katholische Minderheit des Landes die heilige Messe gefeiert hatte, im Rahmen seines dreitägigen Besuchs Georgiens und Aserbaidschans. 

Bei der Papstreise, die vom 30. September bis 2. Oktober dauert, stehen der Friede und der interreligiöse Dialog im Mittelpunkt. Der Besuch der beiden Länder bildet den Abschluss seiner Kaukakusreisen nach der Armenienreise im Juni.

Die Herausforderungen für eine Familie in Georgien waren das Thema des Zeugnisses, das Irina gegenüber dem Papst ablegte: Eine gute christliche Erziehung zu ermöglichen, die Angst vor Verarmung für Eltern, und die Tatsache, dass eine Trennung der Eheleute oft als Lösung für familiäre Schwierigkeiten gesehen wird. 

Trennungen, sagte sie, seien in der Orthodoxen Kirche viel einfacher, und dies wirke sich auf katholische Familien aus. Irina sprach auch über den Druck der zunehmend ausgeübt werde, Homosexualität und Gender-Ideologie zu akzeptieren, sowie die "Marginalisierung" des christlichen Familienbildes.

Mit Blick auf das nachsynodale Schreiben Amoris Laetita sagte die katholische Ehefrau und Mutter, sie sei froh, dass der Papst das Wort "Freude" verwendet habe fim Zusammenhang mit dem Begriff der Familie. Sie wünsche sich, dass "die Ehe als Sakrament der Evangelisierung, als Antriebskraft für das Zeugnis der Kirche" wiederentdeckt werde.

Drei weitere Personen legten im Rahmen der Veranstaltung Zeugnis ab: Ein armenischer Priester, der der Armenischen Katholischen Gemeinde im Land dient, ein georgischer Seminarist sowie ein junger Mann, der die Jugend vertrat.

Der Papst legte sein vorbereitetes Redemanuskript beiseite und notierte sich Stichpunkte dessen, was die vier Zeugen ihm zu sagen hatten. Dann hielt er eine längere, frei gehaltene Rede.

Dabei wiederholte Franziskus mehrere Punkte, die er schon öfters betont hat. Zu Irina sagte er, das Geheimnis einer glücklichen Ehe stecke in drei Sätzen: "Darf ich", "danke Dir", und "es tut mir leid".

"Die Ehe ist das Schönste, das Gott geschaffen hat", sagte er, und erklärte, da Mann und Frau als Ebenbild Gottes geschaffen wurden, "wird Sein Ebenbild reflektiert, wenn die beiden eins werden".

"Ich habe das gut verstanden, als Du über die Schwierigkeiten gesprochen hast, zu denen es in einer Familie kommt, die Versuchungen, so dass man Dinge über den Weg der Scheidung lösen will", so Franziskus zu Irina. Wenn es zu einer Scheidung komme, "zahlen zwei" dafür, so der Papst.

"Gott bezahlt dafür, denn Gott ist es, der sie vereint hat, und wenn sie sich scheiden lassen, beschmutzen sie, was Gott geschaffen hat", sagte der Heilige Vater, und fügte hinzu, dass es die Kinder sind, die zweitens den Preis der Trennung bezahlen. 

"Man weiß es nicht, man weiß es nicht wie sehr Kinder leiden, wenn sie sehen, wie sich Eltern streiten und trennen", sagte der Pontifex. Auch in schwierigen Situationen "muss man alles tun, um eine Ehe zu retten versuchen".

Wenn der Teufel das Ehepaar versuche, etwa indem er den Ehemann versuche abzulenken mit einer Frau, die ihm attraktiver erscheint, oder die Ehefrau mit einem Mann, der besser scheint als ihr Ehemann, "dann bittet sofort um Hilfe", betonte der Papst. "Bittet sofort um Hilfe, wenn diese Versuchungen kommen", sagte er.

Franziskus betonte, wie wichtig die Rolle der Mütter und Großmütter sei, den Glauben weiterzugeben und – so wörtlich – "stark" zu halten.

In Antwort auf den Seminaristen, der Kote heißt, sagte der Papst, dass eine Berufung immer daheim beginne, und üblicherweise "durch die Mutter oder Großmutter".

Der Pontifex unterstrich, wie wichtig es sei, sich des Glaubens zu erinnern, der an uns weitergegeben wurde, aber auch des Augenblicks, in dem uns der Herr zu sich rufe: "komm, komm zu mir".

Die Erinnerung daran sei besonders notwendig in Momenten der Finsternis, die es im Leben eines Priesters oder Ordensmenschen geben könne, seien es Schwierigkeiten im Leben der Gemeinschaft, in der Diözese oder wenn einfach nur der Eindruck bestehe, dass es nicht weiter gehe, sagte der der Papst. 

Wenn dies geschehe, sei es wichtig, nicht zurückzublicken, sagte er weiter. "Wenn man zurückblicken will, dann zu jenem Moment. So bleibt der Glaube stark, die Berufung stark."

Franziskus verwies auf die wesentliche Rolle Marias und der Kirche als Mutter. Als Mutter bleibe die Kirche offen und "schließt sich nicht in sich selbst ein".

"Es sind zwei Frauen, die Jesus für uns alle wollte: seine Mutter und seine Braut. Beide sind einander ähnlich. Die Mutter Jesu hinterließ er uns als unsere Mutter. Die Kirche ist die Braut Jesu, und sie ist auch unsere Mutter", sagte er. 

Mit Maria und der Kirche haben wir einen sicheren Weg nach vorne, fuhr Franziskus fort. Er fügte hinzu: "Auch hier finden wir wieder die Frau. Es scheint, als habe der Herr eine Vorliebe, und diese Vorliebe ist es, den Glauben durch Frauen weiter zu bringen".

Abschliessend sprach Franziskus über die Ökumene. Katholiken müssten sich gegen die Weltlichkeit verteidigen, betonte er, und "niemals" mit den Orthodoxen "kämpfen", welche die religiöse Mehrheit in Georgien bilden.

"Überlassen wir das den Theologen", sagte er, und bezeichnete einen falschen Missionszwang als "große Sünde gegen die Ökumene". Statt dessen gehe es darum, Freundschaft, Begleitung, gemeinsames Gebet und gemeinsame Werke der Nächstenliebe zu pflegen, wann auch immer nur möglich. 

Der Heilige Vater schloss mit einem Gebet, in dem er Gott darum bat, dass er "uns zu Männern und Frauen der Kirche macht, stark im Glauben den wir von unserer Mutter und Großmutter bekommen haben, stark im Glauben der sicher ist unter dem Mantel der Heiligen Muttergottes". Dann betete er mit den Anwesenden gemeinsam das Avemaria. 

Zum Ende der Begegnung wurde das Vaterunser in georgischer Sprache gebetet, dann spendete der Heilige Vater den Anwesenden seinen Segen. 

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