Zeit der Buße, Zeit der Vorfreude: Sieben Tipps zur Adventszeit

Am heutigen ersten Advent zünden wir die erste Kerze auf dem Kranz an.
Foto: Wolfgang Birro via Pixabay
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27 November, 2016 / 7:41 AM

Noch ist nicht Weihnachten, sondern eine Zeit der Buße: Johannes ist eine adventliche Gestalt. Deshalb stellt die Kirche ihn in den Mittelpunkt der vorweihnachtlichen Bußzeit. Ja, der Advent ist Zeit der Buße und der Umkehr, obwohl die Romantik und der Rummel der Christkindlmärkte und der schon viel zu früh einsetzende Genuss von Punsch und Plätzchen, denen man dann bis Heilig Abend fast schon überdrüssig geworden ist, die ernste Stimmung dieser Tage vergessen lassen.

Wie in der Fastenzeit vor Ostern ist die liturgische Farbe des Advents violett. Schon dadurch wird deutlich, dass es eben nicht um festliche Weihnachtsstimmung geht – die soll dann am Christtag in unseren Herzen und in unseren Familien Raum gewinnen – sondern um Besinnung und Verzicht. Johannes ist der große Bußprediger, der durch Gebet und Fasten das Volk auf die Ankunft des Messias vorbereitet. Advent heißt ja Ankunft und, wie zur Zeit Jesu, sollen wir uns auf sein Kommen vorbereiten, vor allem dadurch dass wir – Johannes hat in harten Worten immer wieder daran erinnert – unsere Sünden erkennen, bereuen und aufrichtig beichten.

Das Sakrament der Buße ist ein adventliches Sakrament, denn es ebnet Christus den Weg in der steinigen Wüste unseres Herzens. Hier wirkt Johannes. Sein Name bedeutet übersetzt "Gott ist Gnade". Gott selbst bereitet unser Innerstes für sein Kommen. Der Advent ist dazu da, still zu werden und seine Stimme zu hören, die im Gebet zu uns spricht und in unserem Gewissen zum Tun des Guten mahnt.

Die Gewalttätigen, nicht die Sofa-Christen kommen in den Himmel

Der Advent ist nicht das, wozu er heute in den Supermärkten und auch in vielen Vereinen, darunter leider auch in katholischen, geworden ist: ein Vorweihnachtsfest, in dem Freunde in netter Runde feiern und, weil es die schöne Stimmung hebt, nette Geschichten vom Jesuskind oder, schlimmer noch, vom Weihnachtsmann vorlesen.

Dem Himmelreich aber, so Christus, wird "Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich" (Mt 11, 12). Diese Worte stören und verstören in der schein-adventlichen "Friede, Freude, Eierkuchen"-Sentimentalität. Wieso Gewalt, wenn die Engel doch von Frieden singen? Wieso vielleicht sogar Kampf und Streit, wenn es in diesen Tagen doch um Harmonie und Eintracht geht? Johannes und Jesus sitzen nicht mit uns auf dem Sofa der Gemütlichkeit, um mit uns "Oh Tannenbaum" zu singen. Es geht im christlichen Leben auch darum, sich selbst Gewalt anzutun, wenn es gilt, schlechte Gewohnheiten abzulegen.

Christus spricht sogar davon, sich ein Auge auszureißen oder die Hand abzuhaken, wenn ich dadurch zur Sünde verführt werde (Mt 18, 8f.). Gottes Gnade narkotisiert nicht, sondern weckt auf. Johannes, "Gott ist Gnade", betäubt seine Zuhörer nicht mit Beschwichtigungen, sondern will sie zu echter Umkehr aufrufen. Er ist kein netter Pastoraltheologe, sondern Bußprediger.

Christen sind das Salz in der Suppe, nicht der Zuckerguss auf dem Lebkuchen

Wie viel "Gewalt" tun sich Menschen an, um dank Diäten, Krafttraining und sogar Operationen ein vermeintliches Schönheitsideal zu erreichen? Wie viel Kampf und Disziplin gegenüber sich selbst, um Karriere zu machen? Und was tun wir Christen, damit unsere Seele für die Ankunft des Herrn schön ist und wir in seinen Augen, nicht in denen der Welt, groß erscheinen? Die kirchliche Krise liegt nicht so sehr in der Abkehr der Menschen von Gott, sondern in der Lauheit und Mittelmäßigkeit derer, die sich "gute Christen" nennen.

Die heilige Bernadette Soubirous, die Seherin von Lourdes, hat einmal gesagt, sie fürchte nicht den Angriff der Preußen auf Frankreich, noch sonst irgendeine Gefahr. Was sie fürchte, das seien die schlechten Katholiken. Es ist Advent. Zeit des Johannes, Zeit des "Gott ist Gnade", Zeit der Gewalttätigen, das Himmelreich zu erobern. Rauben wir der Botschaft Jesu nicht das Salz, indem wir sie mit süßem Glühwein panschen. Nutzen wir diese Tage, um durch Beichte, Gebet, Verzicht, aufrichte Liebe zu unseren Mitmenschen und nicht zuletzt Vertrauen in Gottes Gnade bessere Katholiken zu werden, die dann umso mehr die Weihnachtsfreude der Ankunft Christi erfahren.

  1. Glühwein und Plätzchen, Stollen und Lebkuchen nur an den Adventssonntagen

Adventszeit ist Fastenzeit. Auch wenn die vier Wochen vor Weihnachten ohne Zweifel einen fröhlicheren Charakter haben als die die Bußzeit vor Ostern, sollten wir mit all den guten Sachen bis zum Geburtstag Jesu warten. Es geht hier nicht nur um ein Opfer, das geistlichen Wert hat, sondern um eines, das mehr Lust und Vorfreude auf das eigentliche Fest macht, an dem die Keksdosen geöffnet werden. Wer sich im Advent schon zu viele Süßigkeiten gegönnt hat, wird am Heilig Abend sehr schnell Oma’s Leckereien verschmähen. Und wer vor Weihnachten ein paar Kilogramm abgenommen hat, kann guten Gewissens am Fest "zuschlagen".

  1. 10 Minuten eher aufstehen

Advent ist die stade [stille] und dunkle Zeit. Täglich eher aufzustehen – und seien es nur 10 Minuten – ist keine leichte Übung, aber macht umso deutlicher, dass wir wachende Menschen sein sollen, die den Aufgang der wahren Sonne – Christus – erwarten. Ein wenig mehr Zeit am Morgen gibt uns die Möglichkeit, den Tag gut mit Gott zu beginnen: ein persönliches Morgengebet, eine kurze Lesung aus der heiligen Schrift (zum Beispiel jeden Tag ein paar Verse aus den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums), ein Gesätzchen vom Rosenkranz.

Der heilige José Maria Escriva sagt, der Moment des Aufstehens ist die "heroische Minute", die über den ganzen Tag entscheidet. Die Bibel berichtet uns, dass der heilige Josef nach einem Traum Gottes immer sofort aufgestanden ist – er ist sicherlich ein guter Fürsprecher, für alle, die den Bettzipfel nicht loslassen können...

  1. Mein "Verschenkkalender"

Adventskalender sind eine schöne Sache. Jeden Tag gibt es eine kleine Süßigkeit oder ein Geschenk, ein Schriftwort oder ein Bildchen. Immer bekomme ich etwas – Warum nicht dieses Jahr jeden Tag im Advent etwas verschenken? Nicht nur Geld, sondern liebgewordene Sachen, mit denen ich anderen Freude machen kann? Es ist gut, sich vorher schon einen Plan zu machen: Schwarz-weiß Foto der Großeltern für Onkel Leo, mein Kinderspielzeug für den Neffen, die Winterjacken für’s Kinderheim, Plätzchen backen für das Seniorenstift...

  1. Stille Zeit

Jeden Tag im Advent eine Stunde Stille. Kein Radio, kein Handy, kein Fernseher, keine Hintergrundmusik, kein Telefon... Kochen und bügeln, Weihnachtskarten schreiben und Geschenkeverpacken kann in diesen Momenten zum Betrachten, Beten und Nachdenken genutzt werden. Und vielleicht kommt doch Nervosität und Unruhe auf – gut so! Die Berge meiner Sorgen, die Täler meiner Fehler sollen begradigt werden – in der Stille – damit der Messias in mein Herz kommen kann. Wie sich Schmutz im Wasserglas senkt, so reinigen äußere Ruhe und inneres Schweigen fast automatisch meine Seele. Hervorragend geeignet sind dafür auch lange, einsame Winterspaziergänge...

  1. Jesus besuchen

An Weihnachten geht es nicht um den Hohoho-schreienden Mann im roten Flanellanzug, sondern um das kleine Kind in der Krippe. Hier liegt der Sohn Gottes in einem Futternapf. Noch kleiner, noch unscheinbarer ist er in allen Tabernakeln gegenwärtig. Ihn in unseren Kirchen zu besuchen und anzubeten, ist wie der eilende Gang der Hirten zum Stall. Weihnachten ist das Fest des "lebendigen Brotes", das als unsere Speise vom Himmel herabgekommen ist. Betlehem heißt übersetzt "Haus des Brotes". Jeden Tag ein kurzer, nur wenige Minuten dauernder Besuch in der Kirche – ab und zu auch zur heiligen Messe, vielleicht eine Roratemesse im Kerzenschein – ist weihnachtliche Frömmigkeit.

  1. Beichte

Jesus ist im Stall geboren – in Armut und Bescheidenheit, fernab des Trubels der Herbergen. Sicherlich aber hat der heilige Josef Spinnweben und Dreck beseitigt. Die Mutter Gottes hat sauberes Bettzeug ausgepackt, um dem Neugeborenen einen schönen Platz zu bereiten. Vor allem aber hatten sie ein reines, liebevolles Herz. Ohne die Beichte gibt es für einen Katholiken kein gutes Weihnachtsfest. Manchmal muss altes, vielleicht schon fauliges Stroh aus dem Herzen gekehrt werden; manchmal genügt einfaches Abstauben – immer jedoch soll Jesus eine Seele finden, in der er gerne ruht.

  1. Maria

Ohne Maria gäbe es Jesus nicht. Ohne Maria könnten wir nicht Weihnachten feiern, denn der Sohn Gottes wäre nicht Mensch geworden und durch sie unser Bruder. Der Weg nach Betlehem geht daher mit der Mutter Jesu, die die unsere ist.

Jeden Tag den Rosenkranz – oder wenigstens ein Gesätzchen davon – beten; jeden Tag – wie ein leuchtender Adventskalender – vor ihrem Bild ein Teelicht mehr anzünden und mit ihr die Vorfreude auf die Geburt Jesu teilen; jeden Tag auf meinem Schul- oder Arbeitsweg eine wunderbare Medaille fallen lassen und darum beten, dass der, der sie entdeckt, durch Maria zu Jesus findet; jeden Tag eine Krippenfigur aufstellen (nicht erst am Heilig Abend) und dabei ein Ave Maria für all die Mütter beten, die in diesen Tagen ein Kind erwarten oder eines verloren haben; jeden Tag Maria, die wir so oft und zu Recht in unseren Nöten um Hilfe bitten, Danke sagen: für ihr Ja in Nazareth, für die liebevolle Pflege und Erziehung Jesu, für ihre mütterliche Hilfe ihm und uns gegenüber, für ihre Treue bis zum Kreuz... Jeden Tag des Advents Muttertag sein lassen und Maria zeigen – mit einer Blume, mit einer Kerze, mit einem besonderen Gebet, mit einer kleinen Wallfahrt zu einer ihrer Kirchen – dass wir stolz sind, ihre Kinder zu sein. Es braucht erfinderische Liebe, die jeden Tag Maria mit einer neuen Freude zu überraschen versucht – vielleicht auch der Versöhnung mit alten Feinden, dem Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten, einem guten Werk, das soviel kostet, das es weh tut...

Warum das alles? Nur um ihr eine Freude zu bereiten! Nur um ihr etwas zu schenken, da sie uns das Größte aller Geschenke gemacht hat: Jesus!