3 Dinge, die jeder über Medjugorje und den "Ruini Bericht" wissen sollte

Medjugorje
Foto: Shutterstock/miropink
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Warum tut sich der Vatikan so schwer mit den Erscheinungen von Medjugorje? Wie kann Papst Franziskus eine pastorale Lösung finden? 

Großes Misstrauen hat Papst Franziskus gegenüber den, so wörtlich, andauernden "angeblichen Erscheinungen" der Muttergottes in Medjugorie geäußert.

Gegenüber Journalisten sagte er auf dem Rückflug aus Fatima am vergangenen Samstag:

"Ich bevorzuge die Muttergottes als Mutter, unsere Mutter, und nicht eine Frau die eine Telegramm-Stelle leitet, die jeden Tag zu einer bestimmten Stunde eine Botschaft aussendet. Dies ist nicht die Mutter Jesu. Und diese scheinbaren Erscheinungen haben nicht viel wert".

Die Worte haben die - ohnehin schwelende - Debatte über den Wallfahrtsort im heutigen Bosnien-Herzegowina neu auflodern lassen.

Drei Punkte sind dabei entscheidend - auch mit Blick auf eine langfristige Lösung:

1. Zwischen frühen und späteren Erscheinungen muss unterschieden werden

Mit Blick auf die späteren Erscheinungen sagte Franziskus, dass er "noch fieser" in seiner persönlichen Einschätzung sei als der Bericht, der unter der Leitung von Kardinal Camillo Ruini die Ergebnisse der Untersuchungskommission zusammenfasste, die schon Papst Benedikt XVI. bestellt hatte.

Gleichzeitig betonte der Papst - wie CNA Deutsch dokumentierte - dass auch dieser Bericht die ursprünglichen Erscheinungen davon getrennt betrachtet. Der "Ruini Bericht" empfiehlt, dass diese sieben Erscheinungen, die vom 24. Juni bis 3. Juli 1981 stattfanden, weiter geprüft werden sollen.

2. Der Bericht macht eventuell eine Anerkennung der frühen Erscheinungen möglich 

Es war Benedikt XVI., der die Kommission ins Leben rief, die unter dem Vorsitz von Kardinal Ruini im Jahr 2010 ihre Arbeit aufnahm - und knapp vier Jahre später, im Januar 2014, im "Ruini Bericht" ihre Ergebnisse präsentierte, wie Andrea Tornielli von "Vatican Insider" berichtet.

Wie ernst Benedikt dieses Anliegen war, zeigt die Zusammensetzung der Kommission, die Tornielli ebenfalls beschreibt.

"Sammeln und Analysieren"

Neben dem italienischen Würdenträger waren dies die Kardinäle  Jozef Tomko, Vinko Puljic, Josip Bozanic, Julián Herranz und Angelo Amato. Zu den Purpurträgern hinzu kamen, so "Vatican Insider", die Psychologen Tony Anatrella und Mijo Nikic; der Anthropologe Achim Schütz; der Kanonist David Jaeger; der Mariologe Salvatore Perrella; als Vertreter der Glaubenskongregation Krzysztof Nykiel, die Theologen Pierangelo Sequeri, Franjo Topic, Mihály Szentmártoni und Nela Gašpar; und nicht zuletzt der Sprecher der Heiligsprechungsprozesse,  Zdzislaw Józef Kijas.

Nicht weniger anspruchsvoll war das Pensum der Prüfer, die unter dem Motto "Sammeln und Analysieren" vorgingen und unter anderem im Jahr 2012 vor Ort in Bosnien-Herzegowina recherchierten, aufwändige Material-Sammlungen dort wie im Vatikan erstellten und viele Zeugen befragten; weitere Experten und auch die Archive des Geheimdienstes des ehemaligen Jugoslawien wurden herangezogen.

In der Analyse stellte die Kommission dann die großen Unterschiede zwischen den Erscheinungen fest - und kam zu der mehrheitlichen Bewertung, dass die ersten sieben Erscheinungen im Jahr 1981 tatsächlich wohl übernatürlicher Art waren. 

Die sechs Kinder seien damals geistig gesund gewesen, nicht beeinflusst von Pfarrei oder Dritten, selber völlig überrascht von dem Erlebnis, und selbst unter Polizei-Arrest und Todesdrohungen zögerlich im Erzählen des Erlebten. 

Auch einen dämonischen Ursprung der ersten Erscheinungen schloss die Kommission aus. 

3. Eine Lösung zeichnet sich ab

Wie Papst Franziskus sagte, stiess dieser Befund, der im "Ruini Bericht" seinen Ausdruck fand, auf Kritik aus Teilen der Glaubenskongregation. Doch der Befund einer weiteren Prüfung der frühen Erscheinungen ist damit nicht in Frage gestellt für Franziskus.

Der Vatikanist Tornielli meint: Die Beauftragung des polnischen Erzbischofs Henryk Hoser zeigt, dass der Papst einer "pastoralen Lösung" den Weg bereiten möchte, die auch der Tatsache gerecht werden kann, dass Millionen Pilger mittlerweile nach Medjugorje strömen, Bekehrungen und Berufungen zum Phänomen gehören.

Bis zum Sommer 2017 will Erzbischof Hoser in seiner Funktion als Sonder-Beauftragter seine Empfehlungen vorlegen. 

Dann wird Papst Franziskus entscheiden.

Wie auch immer der einzelne Gläubige zu diesem Phänomen und der Debatte darum stehen mag, eines können bis dahin alle Katholiken guten Gewissens tun: Für Medjugorje beten.

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