Beten für IS-Kämpfer: Wer wagt es, einen Terroristen zu lieben?

Der Rosenkranz ist eine von mehreren gut geeigneten Gebetsformen, um auch für schwierige Anliegen zu beten.
Foto: Ondřej Vaněček via Flickr (CC BY-SA 2.0)
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Beten für IS–Kämpfer: In Frankreich hat sich über Facebook eine Initiative gegründet, die es sich zur Aufgabe macht, für die Bekehrung der Kämpfer des Islamischen Staates (IS) zu beten. Im September 2015 startete die Gründerin Celiné Crop den "Croisade de l'Amour". Am Sonntag nach den Attentaten von Paris hat sich die Gruppe explosionsartig vergrößert und auch auf weitere europäische Staaten ausgebreitet.

Gründerin Crop berichtet vom Beginn der Idee: "Vor etwa einem Monat habe ich dieses Vorgehen über eine Facebook-Gruppe meinem direkten Umfeld vorgeschlagen. Bis vor ein paar Tagen waren wir um die 500 und sind innerhalb der letzten Woche auf über 15.000 gewachsen!"

Sie sagt, dass diese Art der Antwort auf den islamistischen Terror für sie die Möglichkeit sei, damit umzugehen. "Ich bin einen langen und schmerzvollen Weg gegangen, um Menschen zu verzeihen, die mir schwere innere Wunden zugefügt hatten. An einem wichtigen Punkt dieses Weges habe ich verstanden, dass auch diese Menschen von Gott geliebt werden und dass Er sie retten würde. Ich habe mich in diesem Moment dazu entschieden, diese Personen zu adoptieren, sie als meine eigenen Kinder anzunehmen, als meine 'rebellischen Kinder'. Ich habe mich dazu entschieden, das Wort des Evangeliums in die Tat umzusetzen und aus tiefstem Herzen zu verzeihen."

Aus dieser Motivation heraus wurde im September die Facebook-Seite gegründet, auf der Menschen einen Krieger des IS "adoptieren"; das heißt, sie geben dem anonymen Kämpfer einen christlichen Namen und beten regelmäßig für diesen bestimmten Menschen.

Celiné Crop bezeichnet das Gebet nicht nur für die Soldaten, sondern auch für die Beter selbst als bereichernd: "Ich habe mehr empfangen als ich gegeben habe, als ich endlich dazu in der Lage war, zu verzeihen, auch wenn mich dieser Schritt Jahre der Tränen und Ängste gekostet hat. Nachdem ich verziehen hatte, habe ich begriffen, wie Gott uns bedingungslos verzeiht und liebt. Verzeihen bedeutet, jemand zu sein, dem verziehen wurde. Bedingungslos lieben bedeutet, bedingungslos geliebt sein."

Auch die Mönche von Stift Heiligenkreuz beten mit

Am Mittwoch vergangener Woche hat sich auch eine deutschsprachige Gruppe gegründet. Sie nennt sich "Adoptiere einen Kämpfer des IS – Ein Siegeszug der Liebe als Antwort auf den IS". Über Nacht wuchs die Gruppe auf über 2000 Mitglieder an und hat jetzt fast 3000 Mitbeter. Unter anderem schlossen sich auch die Mönche des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz dem Gebetssturm an.

Eine der Initiatoren der deutschen Gruppe, Franziska Harter, erklärt die Idee der "Adoption" oder "Patenschaft": "Der Gedanke der "Adoption" erinnert uns daran, dass wir nicht einer Masse von Übeltätern gegenüberstehen, sondern es mit gottgewollten und –geliebten Individuen zu tun haben, auch wenn wir kaum Namen und Gesichter kennen. Indem wir unseren "Adoptivkindern" einen Heiligen als Patron zur Seite stellen, wollen wir nicht nur jedem IS-Kämpfer einen großen Mit-Beter im Himmel verschaffen, sondern auch den Eintritt des IS-Kämpfers in die Familie Gottes sozusagen vorwegnehmen."

Mittlerweile gibt es auch Gruppen in englischer, portugiesischer, spanischer und italienischer Sprache, die sich der Idee angeschlossen haben. Durch regelmäßige Gebete und Anstöße werden die Mitglieder erinnert und motiviert, das Gebet lebendig zu halten. Das Ziel der Initiative, über Ländergrenzen hinweg, ist die Umkehr der einzelnen Menschen zu Christus.