Domspatzenbericht: Bischof Voderholzer "mit Scham erfüllt"

Hirtenwort zum Abschlussbericht zur Aufklärung von Gewalt and Schutzbefohlenen bittet um Entschuldigung

Bischof Rudolf Voderholzer
Foto: Nicolas Schnall
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Mit einer persönlichen Entschuldigung hat Bischof Rudolf Voderholzer in einem Hirtenwort auf den "Domspatzenbericht" reagiert.

"Liebe Mitchristen, angesichts der obigen Schilderungen kann ich nur in Demut um Entschuldigung bitten. Als Bischof der Kirche von Regensburg bitte ich anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung und bitte, dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde."

Das Wort des Bischofs wurde am gestrigen Sonntag in allen Messfeiern des Bistums verlesen.

Der "Domspatzenbericht" ist die abschliessende Zusammenstellung der Untersuchungen des unabhängigen Sonderermittlers Ulrich Weber. Dieser beziffert die Zahl der Opfer im Lauf der Jahrzehnte auf über 500, darunter auch 67 Fälle sexuellen Missbrauchs.

Bischof Voderholzer würdigte die Rolle aller Beteiligten in diesem Bericht. 

"Den wichtigsten Beitrag zu dieser Arbeit haben die Betroffenen geleistet. Ihnen gilt mein aufrichtiger Dank, dass sie sich trotz des erlittenen Leids an die Beauftragten des Bistums und vor allem an Herrn Weber gewandt haben."

Dabei erinnerte das Hirtenwort daran, dass sich die Schilderungen im Schwerpunkt auf die 1960er und 70er Jahre konzentrierten, aber in einigen Fällen bis zum Jahr 1992 reichten.

Bischof Voderholzer weiter:

"Wer diese Schilderungen liest, kann nur Entsetzen und Betroffenheit spüren:

  • dass Buben – zum großen Anteil in der Vorschule in Etterzhausen und Pielenhofen – Körperverletzungen ausgesetzt waren, die deutlich über das damals allgemein hingenommene Maß einer Ohrfeige hinausgehen,
  • dass Kinder und Jugendliche in beiden Einrichtungen Opfer von sexuellem Missbrauch wurden,
  • dass sich viele in einer dauernden Angst vor drohenden willkürlichen Strafmaßnahmen fühlten
  • und viele bis heute unter den erlittenen Demütigungen leiden.

All dies erfülle ihn mit Scham, so der Bischof. Es gelte, was bereits sein Vorgänger, Kardinal Gerhard Ludwig Müller,  im Jahr 2010 in seinem Hirtenwort formulierte: 

"Den Opfern dieser Zeit, aber auch allen, die sich heute erst melden, gilt unser tiefes Mitgefühl. Ihrer Ehre und Würde schulden wir, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt".

Es wiege umso schwerer, dass diese Kinder in gutem Glauben Priestern und kirchlichen Angestellten anvertraut worden waren, die im Auftrag Christi, des Guten Hirten, den Zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet waren, so Bischof Voderholzer weiter, um sich dann noch einmal zu entschuldigen.

Abschliesend appellierte Bischof Voderholzer, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. 

"Den Kindern und Jugendlichen, die uns heute anvertraut sind, schulden wir eine noch größere Sensibilität für diese Thematik", so das Hirtenwort. Vieles sei dazu bei den Domspatzen und in den Einrichtungen, Schulen, Internaten und Kindergärten der Diözese schon erreicht worden. Er danke allen, die sich hier um eine effiziente und zielgerichtete Vorbeugung mühten.

Zum Abschluss erinnerte der Bischof daran:

"Unser Hauptmotiv liegt im Glauben an Christus, der ein Kind in die Mitte gestellt und die Jünger gemahnt hat: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,15). Kinder und Jugendliche zu fördern, ihnen den Glauben durch Wort und Beispiel vorzuleben, aber auch von ihnen zu lernen – das ist unser Auftrag für die Zukunft."

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