Bericht von Domspatzen-Ermittler Weber: Über 500 Fälle von Missbrauch und Gewalt

Abschlussbericht über Untersuchung mehrerer Jahrzehnte im Knabenchor – Generalvikar Fuchs: Aufarbeitung anfangs mangelhaft, "können nur noch um Entschuldigung bitten"

Hunderte wurden im Lauf der Jahrzehnte körperlich misshandelt, Dutzende sexuell missbraucht: Zu diesem Schluss kommt der Bericht des Sonder-Ermittlers.
Foto: CNA / Wikimedia / Michael Vogel (CC BY SA 3.0)
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Eine "Kultur des Schweigens" und – "mit hoher Plausbilität" – im Lauf der Jahrzehnte über 500 Opfer körperlicher Gewalt sowie 67 Opfer sexueller Gewalt: Das ist die Bilanz des Sonder-Ermittlers Ulrich Weber nach zwei Jahren der Untersuchung von Misshandlungen und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen. 

Der Abschlussbericht wurde heute in Regensburg vorgelegt. 

Vorwürfe erhebt der Bericht gegen Verantwortliche im Bistum Regensburg, aber auch gegen Eltern, Stiftungskuratorium, staatliche Aufsichtsbehörden und Mitarbeiter.

Der Regensburger Generalvikar, Michael Fuchs, sagte: 

"Wir haben alle Fehler gemacht, viel gelernt und sehen heute, dass wir früher manches hätten besser machen können".

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Schwerpunkt des Berichtes sind die 1960er und 1970er Jahre.

Der Sonder-Ermittler Weber weiter: "Kein Wissen über sexuelle Gewalt" habe der Domkapellmeister Georg Ratziner gehabt, der den Chor seit 1963 leitete. Der heute 93 Jahre alte Prälat ist der Bruder von Papst emeritus Benedikt XVI. Generalvikar Fuchs betonte laut Medienberichten, der ehemalige Domkapellmeister nehme großen Anteil an der Aufklärung.

Der heute 93 Jahre alte Ratzinger hatte den Knabenchor seit 1964 geleitet. Generalvikar Fuchs erinnerte auch daran, dass Ratzinger selbst Ohrfeigen ausgeteilt und dies später bedauert habe. Er habe das Ausmaß der Gewalt an der Domspatzen-Vorschule grundsätzlich falsch eingeschätzt und die Opfer in einem Interview öffentlich um Entschuldigung gebeten.

Um sicherzustellen, dass nicht nur die Aufarbeitung vergangener Verbrechen stattfindet, sondern auch zukünftige vermieden werden, hat das Bistum Regensburg ein Präventionskonzept erarbeitet und vorgestellt.

Der heutige Leiter dess Knabenchores, Roland Büchner, sagte, die Ereignisse würden ihn traurig machen. Der Chor sei heute ein anderer. 

Der Bericht "Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen" kann hier geladen und gelesen werden.

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