Euthanasie in Belgien: Oberer der "Barmherzigen Brüder" lehnt Sterbehilfe weiter ab

Spritze (Referenzbild)
Foto: Pixabay
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Der Generalobere des Spitalordens der Broeders van Liefde (Barmherzige Brüder), René Stockman, hat abgelehnt, dass man in den katholischen psychiatrischen Kliniken, die die Kongregation in Belgien leitet, Sterbehilfe leistet. Es handle sich um eine inakzeptable Politik, die man nicht einführen dürfe, so der Ordensobere.

In einem Interview mit "MercatorNet" nahm er auf eine Mitteilung Bezug, die die Kongregation wenige Tage zuvor veröffentlicht hatte.

Auf seiner Website hatte der belgische Zweig der Kongregation bekanntgegeben, dass er die verzweifelten Bitten der Patienten nach Sterbehilfe ernst nehme, dass er "andererseits aber das Leben schützen wolle und sicherstellen, dass man Euthanasie nur dann anwende, wenn keine Möglichkeit mehr bestünde, eine sinnvolle Perspektive für die Behandlung des Patienten zu geben."

Raf de Ryce, Oberer der Kongregation in Belgien, hatte zur örtlichen Presse gesagt, dass diese Haltung nichts Neues wäre. "Es ist nicht so, dass wir vorher gegen die Euthanasie gewesen wären und jetzt sind wir auf einmal dafür. Das ist in Einklang mit unseren bestehenden Kriterien."

"Wir geben unseren Patienten die Möglichkeit zu beiden Wegen: sowohl die Perspektive für das Leben, als auch die Euthanasie" so De Ryce. In Belgien verwaltet die Kongregation 15 psychiatrische Kliniken mit circa 5.000 Patienten.

De Ryce erklärte ebenso: Wenn die Unantastbarkeit des Lebens auch "ein wichtiges Fundament" sei – so sei es doch für den örtlichen Zweig des Ordens nichts Absolutes.

Auf diese Erklärungen reagierte Stockman, der ebenfalls gebürtiger Belgier ist, mit Ablehnung. "Wir bedauern diese neue Sichtweise zutiefst." "Als Generaloberer kann ich diese Entscheidung nicht akzeptieren, denn sie widerspricht völlig unserem Charisma der Nächstenliebe" erläuterte er.

Stockman betonte, dass die Unterstützung der Euthanasie nicht gerechtfertigt werden könne; es handle sich daher "um eine echte Tragödie."

Stockman erklärte, dass nur einige Ordensmitglieder in den Leitungsteams der belgischen Einrichtungen tätig seien und dass die meisten Mitglieder Laien wären.

"Ja, es gab ziemlichen Druck, aber Druck heißt nicht, dass wir kapitulieren müssen", sagte er und hob hervor, dass die Säkularisierung "die Kongregation in Belgien vergifte."

Diesbezüglich beklagte er, dass alle Befürworter der Euthanasie, "die immer gegen uns waren, jetzt eine Siegeshymne singen, weil die Broeders van Liefde endlich kapituliert hätten."

In Belgien war die Kongregation einer der stärksten Gegner der Sterbehilfe gewesen.

Der Generalobere der Barmherzigen Brüder teilte mit, er werde nicht nur die Kongregation darüber informieren, dass diese Entscheidung inakzeptabel sei, sondern er stünde auch in Kontakt mit der belgischen Bischofskonferenz und deren Vorsitzendem, Kardinal Josef De Kesel.

"Wir haben auch den Nuntius benachrichtigt" und "alle Informationen an das vatikanische Staatssekretariat geleitet", so Stockman. "In der Zwischenzeit werden wir weiter klare Argumente liefern, warum wir die Euthanasie nicht akzeptieren können" versicherte er.

Die Kongregation der Broeders van Liefde wurde 1807 vom Diener Gottes Peter Joseph Triest in Gant (Belgien) gegründet. Ihr Wahlspruch lautet "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe). Die Kongregation ist in 30 Ländern vertreten.

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