Kolumbiens Versöhnung zu Füßen des "schwarzen Christus"

Gebestreffen zur Nationalen Versöhnung mit Papst Franziskus am 8. September 2017 in Villavicencio.
Foto: CNA / Alvaro de Juana
Previous Next
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Über 250.000 Tote, sieben Millionen Vertriebene, Jahrzehnte der Gewalt: Der Bürgerkrieg hat Kolumbien und seinen Menschen tiefe Wunden zugefügt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwer belastet.

Die Reise des Papstes soll zeigen helfen, wie diese Last nach und nach abzulegen ist, und wie die Wunden geheilt werden können. Nachdem Franziskus zwei Märtyrer dieser Gewalt selig gesprochen hatte, hielt er dazu im Park "Las Malocas" ein Nationales Versöhnungstreffen ab. Er betonte:

Ich bin nicht so sehr hier, um zu sprechen, sondern um euch nahe zu sein und in die Augen zu schauen, um euch zuzuhören und mein Herz für euer Lebens- und Glaubenszeugnis zu öffnen. Und wenn ihr es mir erlaubt, möchte ich euch auch umarmen und mit euch weinen; ich möchte, dass wir gemeinsam beten und uns verzeihen – auch ich muss um Verzeihung bitten – und dass wir so alle in Glaube und Hoffnung gemeinsam vorwärtsschauen und voranschreiten können.

Das Gebetstreffen am gestrigen Freitag (Ortszeit) sollte den Weg aus der Spirale von Gewalt und Vergeltung durch echte Vergebung zeigen. Zeugen sprachen über ihre Erlebnisse, darunter ehemalige Mitglieder von FARC und anderer paramilitärischer Gruppen.

Papst Franziskus würdigte deren Erfahrungen - darunter einer Frau, die Opfer eines Bombenanschlags von Guerrilla-Streitkräften wurde, und schilderte, wie sie vergeben lernte. Franziskus wörtlich:

Gewalt bringt wieder Gewalt hervor, Hass wieder Hass und Tod wieder Tod. Wir müssen diesen scheinbar unvermeidlichen Kreislauf durchbrechen, und das ist nur durch Vergebung und Versöhnung möglich.

Vereint im Verlust von Menschlichkeit, so Franziskus weiter, woll er "als Bruder und als Vater" sagen: "Kolumbien, öffne dein Herz als Volk Gottes und lass dich versöhnen. Fürchte dich weder vor der Wahrheit noch vor der Gerechtigkeit." Es gehe darum, sich nicht der Versöhnung zu widersetzen, sondern "Wunden zu heilen, Brücken zu bauen und Unterschiede einzuebnen".

Möglich sei dies nur durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus

Es ist an der Zeit, den Hass auszulöschen, auf Rache zu verzichten und sich dem Miteinander zu öffnen, das auf Gerechtigkeit, Wahrheit und auf der Schaffung einer authentischen Kultur der solidarischen Begegnung gründet. Mögen wir in Eintracht und Brüderlichkeit leben, wie es der Herr will!

Wer Werkzeug des Friedens sein will, müsse Gott darum bitten, ermutigte der Papst, und betonte:  "Ich möchte all diese Anliegen vor diesem Bild des Gekreuzigten niederlegen".

Dann betete der Papst vor dem Kruzifix des schwarzen Christus von Bojayá - einem symbolträchtigen Kreuz, dessen Geschichte die Brutalität des Bürgerkriegs in Erinnerung ruft - und mit dem Herrn in Verbindung bringt. 

O schwarzer Christus von Bojayá,
du erinnerst uns an dein Leiden und deinen Tod; mit deinen Armen und Füßen
hat man dir deine Kinder entrissen,
die Zuflucht suchten bei dir.

O schwarzer Christus von Bojayá, du schaust uns zärtlich
und mit heiterem Antlitz an;
es schlage auch dein Herz,
um uns in deiner Liebe aufzunehmen.

O schwarzer Christus von Bojayá, gib, dass wir uns dafür einsetzen, deinen Leib wiederherzustellen; dass wir deine Füße sind,

um dem Bruder in Not entgegenzugehen; deine Arme, um den zu umarmen,
der seine eigene Würde verloren hat;
deine Hände, um den zu segnen und zu trösten, der in der Einsamkeit weint.

Gib, dass wir zu Zeugen
deiner Liebe und deiner unendlichen Barmherzigkeit werden.

Anschliessend pflanzte Franziskus einen Baum als Symbol des Friedens, schenkte Kindern den Rosenkranz und betete vor dem Kreuz der Versöhnung im Park der Gründer in Villavicencio. In einer Schweigeminute gedachte er mit den Anwesenden der Millionen Opfer des Bürgerkriegs. 

Das könnte Sie auch interessieren: