So denke ich über die Austrittszahlen: Bischof Voderholzer

Die heilige Anna Schäffer auf einer Aufnahme um das Jahr 1920 und Bischof Voderholzer.
Foto: Wikimedia / Gemeinfrei & Wikimedia / Mesolithikum (CC BY-SA 4.0)
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Bischof Rudolf Voderholzer hat beim gestrigen Anna-Schäffer-Gebetstag in Mindelstetten über Kirchenaustritte und Reformation gepredigt. Die Austrittszahlen verdeutlichten – so der Regensburger Oberhirte -, eine seit Jahren fortschreitende Säkularisierung und Verweltlichung, einen Schwund an Kirchenbindung und letztlich einen Rückgang an Glaubenssubstanz –  eine Verflüchtigung des Gottesbewusstseins.

Was hilft nicht?

Der zukunftsweisende Weg der Kirche könne jedoch nicht darin bestehen, ständig an den Strukturen, auch und gerade den sakramentalen Strukturen der Kirche "herumzumäkeln, die Botschaft des Evangeliums zu verdünnen und eine Light-Version von Jesus zu verkünden".  Dass das nicht helfe, widerlegten die noch zahlreicher austretenden evangelischen Christen, die eine Gemeinschaft verlassen, die fast alle Anpassungsforderungen erfüllt habe.

Was hilft?

Eine wirklich zukunftsweisende Reformation der Kirche erfordere das tägliche Bemühen um Heiligkeit, das tägliche Hören auf Gottes Wort und die Bereitschaft, bei sich selbst anzufangen. Denn das, so Bischof Rudolf, sei Reformation: "Erneuerung aus dem Glauben, Wiederherstellung des Bildes Christi, das uns in Taufe und Firmung eingeprägt ist. Wo uns das in der Gnade Gottes geschenkt wird, wo uns das gelingt, da werden wir die Menschen auch unserer Tage wieder neugierig machen auf den Glauben, der uns trägt."

Was die Heilige Anna Schäffer damit zu tun hat

Die heilige Anna Schäffer, so der Regensburger Oberhirte zu den Gläubigen in Mindelstetten, sei bei dem für die gegenwärtige Zeit angesagten Bemühen um Evangelisierung in jeder Hinsicht ein Vorbild und auch eine Fürsprecherin.

CNA dokumentiert den vollen Wortlaut der Predigt, wie ihn die Presse-Stelle des Bistums zur Verfügung gestellt hat:

Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

die Sie sich auch vom regnerischen Wetter nicht haben abhalten lassen, heute am Festtag der heiligen Joachim und Anna wieder in so großer Zahl zum Anna-Schäffer-Gebetstag nach Mindelstetten zu kommen.

Beim Wettersegen beten wir um "gedeihliches Wetter", und der Regen war ja so notwendig, so wollen und dürfen wir uns nicht beklagen, auch wenn wir deshalb heute unter Regenschirmen die Heilige Messe feiern. Es soll unserer Andacht und der Inständigkeit unserer Gebete keinen Abbruch tun.
Danken wir vielmehr auch für den Regen, der der Natur, vor allem den Wäldern, so gut tut. Ich danke Ihnen allen für Ihr Glaubenszeugnis, danke auch allen, die den Anna-Schäffer-Gebetstag organisatorisch gestalten und tragen, danke den Geistlichen, den Beichtvätern usw. Wir ehren am heutigen Tag die Eltern der Gottesmutter Maria und somit die Großeltern Jesu, Joachim und Anna, und wir danken Gott für die Gnade, die er der heiligen Anna Schäffer geschenkt hat, dass er sie durch das Leiden zur Heiligkeit geführt und so uns allen eine Fürsprecherin im Himmel, aber auch ein Vorbild der Glaubensstärke und Treue geschenkt hat. Wir wollen den Herrn bitten, dass er auch uns erneuere im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Deshalb bitten wir zu Beginn dieser Feier um Vergebung und Erbarmen: Erbarme Dich, Herr unser Gott, erbarme Dich, ...

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am vergangenen Freitag, den 21. Juli, wurden die statistischen Zahlen für die katholische Kirche und die evangelische Kirche in Deutschland für das Jahr 2016 veröffentlicht.

Sie haben wahrscheinlich das eine oder andere davon in Rundfunk und Fernsehen oder über die Zeitungen mitbekommen. Das Ergebnis war wenig überraschend. Die Kirchenaustrittszahlen liegen nach wie vor besorgniserregend hoch, auch wenn sie in der katholischen Kirche gegenüber dem Vorjahr 2015 um etwa 11 Prozent zurückgegangen sind. Die Zahl der Taufen ist sogar leicht gestiegen, die der Trauungen ein wenig gesunken. In Hamburg und Berlin steigen die Katholikenzahlen, bedingt durch den Zuzug von katholischen Ausländern; insgesamt ist die Zahl der Katholiken in Deutschland aber rückläufig.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will sie heute am Anna-Schäffer-Gedenktag nicht mit Zahlen und Statistiken langweilen. Aber die Reaktionen in der Öffentlichkeit auf diese Zahlen sind doch bemerkenswert und führen uns dann doch in die Tiefe. Da wird uns als Heilmittel zur Umkehr dieses Trends und zur Wahrung unserer gesellschaftlichen Relevanz immer wieder geraten, dass wir uns – wörtlich – "weiter öffnen und von starren konservativen Dogmen verabschieden". Näherin heißt das dann: Abschaffung der Ehelosigkeit der Priester; Verzicht auf unterschiedliche Aufgaben und Berufungen von Frauen und Männern in der Kirche und Zulassung von Frauen zum apostolischen Dienstamt; Gesellschaft mit dem Geist Jesu.

Und der erste und alles entscheidende Schritt auf diesem Weg ist das tägliche Bemühen um Heiligkeit, das tägliche Hören auf Gottes Wort und die Bereitschaft, mit der Reform der Kirche bei mir selbst anzufangen. Denn das heißt Reformation: Erneuerung aus dem Glauben, Wiederherstellung des Bildes Christi, das uns in Taufe und Firmung eingeprägt ist. Wo uns das in der Gnade Gottes geschenkt wird, wo uns das gelingt, da werden wir die Menschen auch unserer Tage wieder neugierig machen auf den Glauben, der uns trägt. Und dann werden wir auch Rechenschaft geben können, über die Hoffnung die uns erfüllt.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Die heilige Anna Schäffer ist uns bei dem für unsere Zeit angesagten Bemühen um Evangelisierung in jeder Hinsicht ein Vorbild und auch eine Fürsprecherin. Sie wollte ihr Leben drangeben für die Mission in der Ferne. Der Herr aber hatte sie bestimmt für die Mission in der Heimat. Bevor sie freilich für viele zur Trösterin und Quelle von Glaubensfreude werden konnte, musste sie sich selbst noch einmal neu und radikal evangelisieren lassen. Die Annahme ihres Leidens als Teilhabe am Kreuz Christi war alles andere als leicht. Ans Bett gefesselt und den Blick aufs Kreuz gerichtet, hat sie sich diesem Prozess der inneren Heilung und Verwandlung gestellt. So wurde sie zu einem leuchtenden Zeichen des Wirkens Gottes, zur Glaubensbotin für ungezählte Menschen und schließlich zur Heiligen der katholischen Kirche. Und so bitten wir sie heute um ihre Fürsprache, dass der Herr jedem und jeder von uns die Gnade schenke, mit der Reform der Kirche bei sich selbst anzufangen; dass wir den Mut aufbringen, uns täglich neu selbst evangelisieren zu lassen und auf diese Weise bereitet werden, der Sendung der Kirche zu dienen – zum Heil für die Menschen, und zur Verherrlichung des dreifaltigen Gottes, dem die Ehre sei, heute, alle Tage, und in Ewigkeit, Amen.