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Der heilige Thomas von Aquin und seine Synthese von Glaube und Vernunft

Thomas von Aquin

Heute gedenkt die katholische Kirche des heiligen Thomas von Aquin, der zu den einflussreichsten Theologen und Philosophen der Kirchengeschichte zählt. Als „Doctor angelicus“ bekannt, prägte der Dominikaner mit seiner Synthese von Glaube und Vernunft sowie mit seinen großen theologischen Werken das Denken der Kirche bis in die Gegenwart.

Thomas wurde zwischen 1225 und 1227 in Roccasecca im Königreich Neapel geboren. Er erhielt seine erste Ausbildung bei den Benediktinern von Monte Cassino sowie in Neapel. Gegen den ausdrücklichen Willen seiner adligen Familie wollte er dem Dominikanerorden beitreten, woraufhin er von seinen Angehörigen zunächst längere Zeit gefangen gehalten wurde.

Der Überlieferung nach wurde ihm während dieser Zeit eine Versucherin ins Zimmer geschickt. Thomas soll sie mit einem brennenden Holzscheit vertrieben und anschließend um die Gabe der Reinheit gebetet haben.

Seine Studien führten ihn nach Köln, wo er Schüler des heiligen Albertus Magnus war. Aufgrund seiner schweigsamen Art hielten ihn seine Kommilitonen für langsam. Albertus Magnus soll jedoch vorausgesagt haben, dieser „Ochse” werde mit seiner Lehre die Welt noch „erdröhnen” lassen.

Zu Thomas’ Hauptwerken zählen die unvollendet gebliebene „Summa theologiae“, eine systematische Gesamtdarstellung der Theologie, die „Summa contra Gentiles“, in der er den Dialog mit Nichtchristen auf der Grundlage von Vernunftargumenten suchte, sowie zahlreiche weitere theologische Werke, Aristoteles-Kommentare und kleinere Schriften wie „De ente et essentia“.

Seele und Leib: Die Einheit der menschlichen Person

Thomas ist vor allem für seine Ausarbeitung des aristotelischen Hylemorphismus bekannt. Er lehrte, dass jedes konkrete Seiende aus Materie und Form bestehe und die Seele die Form des menschlichen Leibes sei.

Somit ist der Mensch keine Zusammensetzung zweier Dinge, sondern eine einzige Substanz. Wie die Form eines Messers nicht etwas Zusätzliches ist, sondern das, wodurch Metall überhaupt ein Messer wird, so ist die Seele das Prinzip, durch das Materie ein lebendiger Mensch wird.

Thomas argumentierte gegen mittelalterliche Theorien von mehreren Seelen im Menschen und setzte sich für die Einheit der Person durch eine einzige substanzielle Form ein.

Von bleibender Bedeutung ist zudem sein Ansatz, Glaube und Vernunft nicht als Gegensätze zu begreifen. Philosophische Erkenntnis und geoffenbarte Theologie haben demnach unterschiedliche Zugänge, widersprechen sich aber nicht, sondern können einander stützen, ohne vermischt zu werden.

Auch liturgisch hinterließ Thomas von Aquin Spuren: Ihm werden zentrale Eucharistie-Hymnen für das Fronleichnamsfest zugeschrieben, darunter das „Pange lingua“ mit dem „Tantum ergo“, „Sacris solemniis“, „Verbum supernum“ mit „O salutaris Hostia“ sowie die Sequenz „Lauda Sion“.

Nach einer intensiven geistlichen Erfahrung gegen Ende seines Lebens brach Thomas das Schreiben an der „Summa theologiae“ ab. Alles, was er zuvor verfasst hatte, erschien ihm im Vergleich zu dem, was ihm gezeigt worden war, wie Stroh.

Er starb am 7. März 1274 im Zisterzienserkloster Fossanova, in das er auf dem Weg zum Zweiten Konzil von Lyon krankheitsbedingt gelangt war.

Sein römischer Gedenktag fällt auf den 28. Januar und erinnert unter anderem an die Übertragung seiner Reliquien. Im traditionellen Kalender wurde sein Fest hingegen am 7. März, seinem Todestag, begangen.

Scholastik als Methode des Denkens

Neben seinem persönlichen Wirken wurde Thomas von Aquin zur Leitfigur der Scholastik. Dabei handelt es sich um eine universitäre Methode, die sich durch präzise Begriffsarbeit, logische Argumentation und geordnete Disputation auszeichnet.

(Die Geschichte geht unten weiter)

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Im 19. Jahrhundert erlebte seine Denkweise in der Neuscholastik eine Wiederbelebung. Diese war nicht als Absage an die Vernunft gedacht, sondern als Antwort auf den aufklärerischen Rationalismus und Positivismus.

Mit der Enzyklika „Aeterni Patris” rief Papst Leo XIII. im Jahr 1879 zur Wiederherstellung der christlichen Philosophie im Geiste des Thomas von Aquin auf. Damit wollte er falschen philosophischen Schlussfolgerungen in Gesellschaft und Bildung begegnen.

„Unter den Lehrern der Scholastik ragt aber nun weit hervor der Fürst und Meister aller, Thomas von Aquin, der, wie Cajetanus bemerkt, weil er die alten heiligen Lehrer aufs höchste verehrte, darum gewissermaßen dem Geist aller besaß”, so Leo XIII.

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