"Menschen, vor allem Missbrauchsopfer fühlen sich von mir vor den Kopf gestoßen, verletzt, sind empört. Das macht mich traurig und lässt mich beinahe verzweifeln. Ich bitte um Verzeihung. Mein Anliegen ist ja gerade: echter Einsatz für die Opfer, unmissverständlicher Kampf gegen die Täter und stetes Bemühen um Aufarbeitung, Aufklärung und vor allem Prävention.   

Ich habe mich gestern in einer Debatte über das Münchener Missbrauchsgutachten geäußert. Dabei ging es mir darum, das Gutachten ernst zu nehmen. Da haben viele Anwälte ein fast 2000‐seitiges Werk verfasst, und in der öffentlichen Aussprache und Behandlung des Gutachtens spricht man fast nur über eine Zeile aus der Stellungnahme von Benedikt XVI. / Joseph Ratzinger. Das wird meiner Ansicht diesem Gutachten nicht gerecht. Ich erwarte mir echte Erkenntnisse von einem solchen Werk, weil ich davon lernen will. Und in einem speziellen, aber sehr entscheidenden Punkt habe ich mir das Gutachten unter sozialgeschichtlicher Hinsicht schon genauer angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Gutachter aus meiner Sicht einen Sachverhalt nicht in seiner historisch greifbaren richtigen Form darstellen. Daraufhin habe ich eine Kritik geäußert, die als sachlich‐kritischer Beitrag gemeint war.   

Meine Kritik hätte ich nicht in dieser kurzen Form in der Synodalversammlung äußern dürfen, sondern hätte sie in Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes o.ä. darlegen müssen, da sich der Gedankengang nicht in wenigen Zeilen oder drei Minuten erklären lässt. Das tut mir außerordentlich leid, vor allem wegen der Opfer, die sich nun in den Bauch getreten fühlen. Sehr geehrte Betroffene, vor allem im Bistum Regensburg, Sie wissen, dass ich an Ihrer Seite stehe und mich nach Kräften dafür einsetze, dass Ihnen größtmögliche Gerechtigkeit wiederfährt. Die Verharmlosung von Pädophilie und Päderastie, die Verharmlosung von Sex mit Kindern, den wir heute zum Glück alle als fundamentales Verbrechen einstufen war ein Skandal der 1970er Jahre. 

Ich stehe an der Seite der Opfer und trete dafür ein, das Übel des sexuellen Missbrauchs klar zu benennen und alles Menschenmögliche dafür zu tun, dass es effektiv bekämpft wird."    (Bischof Rudolf Voderholzer, 4. Februar 2022)

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