„Mehr Gebet!“ Oder: Wieso ist auf dem Kirchturm ein Hahn?

Wetterhahn
Foto: Helge Klaus Rieder / Wikimedia Commons (CC0 1.0)
27 November, 2022 / 7:30 AM

Wenn heute über die Neuevangelisierung gesprochen wird, sollte man Franz Spirago (1862-1942) nicht vergessen. Denn dieser Priester aus dem Sudetenland kann dazu einen Beitrag leisten. Seine Schriften sind geprägt von großem missionarischem Eifer. Sein Volkskatechismus und seine anderen katechetischen und religionspädagogischen Werke waren einmal weit verbreitet. Der mitteldeutsche Renovamen-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schriften Spiragos neu herauszugeben.

Franz Spirago wurde am 13. März 1862 im ostböhmischen Landskron geboren. 1880 trat er in das Priesterseminar in Königgrätz ein und wurde 1884 zum Priester geweiht. Er war Kaplan, Katechet und „Religionsprofessor“. Spirago starb am 8. Februar 1942 in Prag.

Mit Erlaubnis des Renovamen-Verlags veröffentlicht CNA Deutsch die nachstehende Leseprobe aus dem Buch Mehr Gebet!“ von Franz Spirago.

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Beim Erwachen soll man auf Gott nicht vergessen

Auf dem Dach der Kirche oder auf der Spitze eines Kirchturmes ist nicht selten die Figur eines Hahnes angebracht. Der Hahn erwacht nämlich schon zeitig früh und weckt durch sein Krähen die Leute auf, als ob er sie zum Gebet und zur Arbeit rufen wollte. Der Hahn auf der Kirche mahnt also die Christen, des morgens auf Gott und das Gebet nicht zu vergessen.

Die Kirche ermahnt täglich vor Sonnenaufgang mit der Turmglocke zum Morgengebet. Morgens sollen wir Gott danken, daß er uns in der Nacht beschützt hat, und ihn bitten, er möge uns während des Tages vor Unglück und Sünde bewahren und uns alles zum Lebensunterhalt Notwendige spenden. Glücklich, wer wie David sprechen kann: »Gott, mein Gott, in der Frühe wache ich auf zu dir. Nach dir dürstet meine Seele.« (Ps. 62, 2) Das Morgengebet soll man womöglich kniend verrichten; Auch soll man nicht früher Speise zu sich nehmen, als bis man gebetet hat. (hl. Hieronymus) Wer das Morgengebet unterläßt, gleicht den unvernünftigen Tieren. Ja sogar die kleinen Vögel feiern mit ihrem süßen Gesang den Anfang des Tages. (hl. Ambrosius) Die Lerche erhebt sich, sobald sie erwacht, sogleich himmelwärts und jubelt ihr Morgenlied; dann erst sucht sie auf der Erde Futter. Auf dem Morgengebet ruht ein besonderer Segen. (Sir. 32, 18)

Heilige Personen haben behauptet, es sei ihnen während des Tages alles besser von statten gegangen, wenn sie ihr Morgengebet mit Andacht verrichtet hatten. Sowie die Israeliten nur vor Tagesanbruch das Manna finden konnten, so können auch wir den Segen Gottes nur dadurch erlangen, daß wir schon bei Tagesanbruch Gott anbeten. (Weish. 16, 28) Wenn jemand die Jugend gut zubringt, so hat das entscheidenden Einfluß auf das ganze spätere Leben. Was von der Jugend gilt, gilt vom Morgen eines jeden Tages. (Overberg) Und sind nicht auch die ersten Eindrücke, die man von einem Menschen bekommt, oft ausschlaggebend für unser Verhalten ihm gegenüber? Auch Gott beachtet unser Verhalten am Morgen. Morgens kann man am leichtesten Gott finden. (Spr. 8, 17)

Die ersten Christen kamen deshalb schon vor Tagesanbruch zum Gebet zusammen. Wer morgens nicht betet und sich sogleich den weltlichen Sorgen überläßt, gleicht einem Menschen, der bei Beginn der Fahrt in einen falschen Eisenbahnzug einsteigt und dann in einer ganz anderen Richtung fährt. Wenn man bei einer Rechnung gleich in den ersten Zahlen schlecht rechnet, so ist auch die übrige Mühe umsonst. Wenn ein Student gleich im ersten Semester schlecht studiert, so fehlt ihm die Grundlage, und er wird nicht vorwärtskommen. Ganz so verhält es sich mit dem, der das Morgengebet vernachlässigt; auf seiner Arbeit ruht kein Segen. Ist der Grund des Hauses nicht fest, so stürzt das Haus ein. Und die Tagesarbeit steht für nichts, wenn das Morgengebet unterlassen wurde. »Ohne Gebet den Tag beginnen, hilft dem Teufel den Sieg gewinnen!«

Sollte jemand nur wenig Zeit zum Gebet haben, so bete er kurz und kräftig. Gott sieht nicht so sehr auf die Länge des Gebetes als vielmehr auf die Aufrichtigkeit unserer Gesinnung. Der Schächer am Kreuz und der Zöllner im Tempel haben nur wenig Worte zu Gott gesprochen und haben sogleich bei Gott Gnade gefunden.

Ein Feldbischof besuchte einst die kranken Soldaten in einem Spital. Einen Soldaten ermahnte er, nur ja nicht früh und abends das Gebet zu vergessen. Der Soldat antwortete: »Hochwürdigster Herr Bischof, ich bete alle Tage früh und abends, aber nur kurz, nach militärischer Art.« Da der Bischof wissen wollte, wie er bete, sprach der Soldat: »Morgens beim Erwachen spreche ich: ›Mein Gott! Dein Diener steht auf; erbarme dich seiner!‹ Abends beim Schlafengehen sage ich: ›Mein Gott! Dein Diener geht schlafen; erbarme dich seiner!‹«

Empfohlen sei folgendes Gebet, das der hl. Klemens Hofbauer gern gebetet hat, und das man morgens und zu jeder anderen Zeit des Tages verrichten kann:

Alles meinem Gott zu Ehren,
Gottes Lob’ und Ehr’ zu mehren;
In der Arbeit, in der Ruh’,
Ganz will meinem Gott ich geben
Leib und Seel’ und all mein Leben;
Gib, o Jesus, Gnad’ dazu.
Deinen Segen uns erteile,
Uns zu helfen nicht verweile.
O Maria, steh uns bei,
Daß uns Gott barmherzig sei.

Franz Spirago: Mehr Gebet! Renovamen-Verlag 2022; ISBN: 978-3956211621; 68 Seiten; 9,99 Euro

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln allein die Ansichten der jeweiligen Gastautoren wider, nicht die der Redaktion von CNA Deutsch.

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