Videoblog: Flüchtlingshilfe als "Pflicht und Akt der Nächstenliebe"

Christian Peschken im Gespräch mit dem syrischen Flüchtling Abdallh Karem

Christian Peschken (links) im Gespräch mit dem syrischen Flüchtling Abdallh Karem
Foto: Screenshot
08 March, 2022 / 5:11 PM

Die derzeitige Situation in der Ukraine hat dieses Thema noch stärker in den Mittelpunkt gerückt: Migration & Flüchtlinge.

Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen sagte: “Die Verpflichtung der Mitgliedstaaten durch den Globalen Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration hat drei Kernaussagen belegt. Erstens, dass Migration eine Tatsache des Lebens ist, ein bestimmendes Merkmal der Menschheit und unserer Welt, und vor allem ein positives Phänomen, das Gesellschaften und Volkswirtschaften bereichern kann.”

Der UN-Generalsekretär fuhr fort das Zweitens, Migration, wenn sie schlecht gesteuert würde vom tragischen Verlust von Menschenleben bis hin zu Rechtsverletzungen und sozialen Spannungen brächte. und das drittens, eine wirksame Steuerung der Migration und der Schutz der Rechte aller Zuwanderer eine verstärkte internationale Zusammenarbeit erfordere.

Flüchtlinge, Asylanten, Migranten … diese 3 Kategorien, die so oft vermischt werden, teils durch Unkenntnis, aber auch weil viele der betroffenen Menschen, bedingt durch die jeweiligen, individuellen Umstände, von einem Status in einen anderen überwechseln.

Durch die Aktualität des Ukraine Konflikts sind Flüchtlinge aus anderen Ländern der Welt zum Großteil aus den Schlagzeilen verschwunden.

In unseren wöchentlichen Beiträgen sprechen wir stets mit Fachleuten, mit anerkannten Experten von der UNO, von religiösen Organisationen und dem Heiligen Stuhl.
In diesem Beitrag sprechen wir allerdings nicht mit einem Experten zu dem Thema, sondern mit jemandem der das lebt worüber Experten reden. Einem Betroffenen, dem jungen Syrer Abdallh Karem.

Abdallh ist Kriegsflüchtling aus Syrien. Nachdem er aus seinem Heimatland nach Deutschland geflüchtet war, hat ihn, mit Hilfe der Vermittlung durch den Malteserorden, die ASV Mainz 88 – ein deutscher Ringerverein – mit offenen Armen aufgenommen.

Der Krieg war Grund warum Abdallh sein Heimatland verlassen hatte und nach Deutschland geflüchtet war.

Abdallh Karem: “Der Grund, der mich dazu bewegt hat, mein Land zu verlassen, ist der Krieg, der in Syrien ausgebrochen ist. Ich bin nicht wegen Hunger oder Armut und wegen der Suche nach Wohlstand geflohen. Der Krieg lässt niemanden aus, ob alt oder jung, oder reich oder arm. Wir sind geflohen, weil wir die Sicherheit suchten, die wir in unserem Land verloren haben. Die Entscheidung, auszuwandern, war keine schwere, sondern eine sehr leichte Entscheidung. Wir wussten, dass wir möglicherweise nicht mehr in unser Land zurückkehren und unsere Familie nie mehr sehen können. Trotzdem fiel es mir leicht.”

Bist Du selbst schon mal Ziel von Rassismus oder Freundlichkeiten gewesen?

Abdallh: “Mit Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus musste ich mich selbst noch nicht beschäftigen. Vielleicht, weil ich mit meiner Größe und Stärke, dazu als Kampfsportler, den Menschen optisch schon Respekt einflöße. Vielleicht trauen sich viele nicht, etwas offen zu sagen. Manchmal sehe ich schon, dass mich die Menschen anders ansehen. Oder beobachten. Aber ich wurde persönlich noch nie wegen meiner Heimat oder meines Aussehens angegriffen oder beleidigt.”

Deiner Meinung nach … was für genaue Gründe haben Menschen sich ablehnend und rassistisch gegenüber Migranten zu verhalten?

Abdallh: “Ich denke, hierfür gibt es sehr viele, individuelle Gründe.
Eine große Rolle spielt sicherlich die unterschiedliche Gewichtung und Auslebung der Religion. Deutschland und die arabischen Länder unterscheiden sich hier in vieler Hinsicht.
Dazu gibt es viele Differenzen in der kompletten Lebensweise, Kultur und Lebenseinstellungen. Ich denke, dass diese Unterschiede viele Gefühle auf beiden Seiten wecken. Viele haben Angst vor dem Unbekannten, oder Abneigung gegen Fremdes.
Manchmal ist es vielleicht auch einfach Desinteresse.”

Du erwähntest gerade Religion. Du bist Muslim. Kann man Deiner Meinung nach zu Recht sagen: Der Islam gehört zu Deutschland? Wie siehst Du das?

Abdallh: “Meiner Meinung nach kann man den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ so sagen. Viele Deutsche, die ich kennengelernt habe, legen keinen großen Wert auf ihre Religion, auch nicht auf das Christentum. Sie haben ihre eigenen Regeln oder ihren eigenen Bezug zu Gott, wenn sie überhaupt an ihn glauben. Jede Religion muss von allen Seiten akzeptiert und toleriert werden. Der Islam wird hier sehr toleriert, damit habe ich keine Probleme. Aber ich würde meine Religion als Teil dieses Landes sehen. “

Es hängt doch sicher auch von vielen Faktoren ab wie man Migranten zu ihrem Vorteil integrieren kann, damit sie von der Gesellschaft als gleichberechtigt anerkannt werden.

Abdallh: “Meiner Meinung nach kommt es darauf an, aus welchem Grund die Migranten nach Deutschland gekommen sind. Es gibt Kriegsflüchtlinge, es gibt aber auch wirtschaftlich Interessierte oder Menschen, die einfach Wut rauslassen wollen.
Uns als Migranten ist es sehr wichtig, unsere Kultur und Religion in einem guten Licht dastehen zu lassen und die gute Seite zu zeigen.
Hierfür ist die Basis Respekt. Leider gibt es auch Menschen, die unsere Kultur sehr schlecht und aggressiv zeigen. Und sich sehr respektlos zeigen.
Aber ich denke, die gibt es überall. Ich denke, wer sich wirklich integrieren will, findet viele Möglichkeiten, das zu schaffen. Wer das nicht möchte, wird immer einen Grund finden, sich nicht zu integrieren. Das gleiche gilt auch für die Deutschen. Wer keine Migranten im Leben haben will, wird sich um Hilfe oder Unterstützung auch nicht bemühen.
Es beruht auf Gegenseitigkeit. “

Die meisten Menschen haben meist nie persönlich Kontakt zu Migranten gehabt. und trotzdem beurteilen sie und verurteilen sie diese. Sollte man nicht daher den Dialog, den Kontakt suchen, weil das am Ende beiden hilft, den Migranten und den Einheimischen?

Abdallh: “Auf jeden Fall. Als ich neu nach Deutschland kam, habe ich sehr schnell viele neue Kontakte knüpfen können. Viele Menschen suchten das Gespräch mit mir.
Viele waren sehr neugierig und interessiert. Das hat mir sehr gutgetan und mir geholfen, über die Zeit selbstbewusster und kontaktfreudiger zu werden. Dazu lernte ich die Sprache besser.”

Du bist Sportler. Inwieweit können die Werte und Normen des Sports gegen Fremdenfeindlichkeit eingesetzt werden und wie wichtig ist Sport generell zur Völkerverständigung?

Abdallh: “Sport ist meiner Meinung nach ein sehr großer Faktor zur Völkerverständigung.
Im Sport spielt es keine Rolle, wer auf dem Spielfeld oder im Kampfring steht.
Es ist egal, wie sie Person aussieht, wie sie spricht oder welcher Religion sie angehört.
Es zählt der Sport, und nur der Sport.
Diese Einstellung sagt sehr viel über den Menschen selbst aus.
Sport verbindet Menschen aus allen Ländern und Kulturen.
Rassismus hat hier keinen Platz und keine Bedeutung. “

Seinen Lebensunterhalt verdient Abdallh zurzeit als Fahrausweis Prüfer, Kontrolleur, für die Mainzer Mobilität ein Unternehmen der Mainzer Stadtwerke.

Wir danken Abdallh für die Zeit, die er sich genommen hat, meine Fragen zu studieren und zu beantworten. Und was die Fans vom Sportringen vielleicht interessiert – Abdallh berichtete uns, dass er bereits einen Vertrag beim ASV Mainz 88 für die neue Saison unterschrieben hat. Wir wünschen ihm viel Erfolg bei den kommenden Turnieren.

An dieser Stelle noch ein Hinweis: Ab nächste Woche, vom 14. bis 27. März, finden die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Das Motto “Haltung zeigen” Die Stiftung gegen Rassismus veranstaltet diese Aktion in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie Beauftragten der Bundesregierung für Antirassismus, Staatsministerin beim Bundeskanzler und MdB Reem Alabali-Radovan. In der Presseverlautbarung der Stiftung gegen Rassismus heißt es: “Machen wir uns gemeinsam stark für eine weltoffene, vielfältige und lebendige Gesellschaft und zeigen Haltung gegen Rassismus. “

Wir beten und hoffen, dass der Antirassismus, gerade in diesen Tagen, sich auf alle Menschen bezieht, egal welche Abstammung, Herkunft, Sippe.

“Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen, ihre Geschichten anhören und versuchen, so gut wir können, auf ihre Situation zu reagieren." Auszug aus der Ansprache von Papst Franziskus vor dem US-Kongress im September 2015.

Zum Abschluss ein, so glaube ich, gerade in der Fastenzeit, aber auch eigentlich immer, wichtiger Hinweis von Papst Franziskus während seines Angelus Gebetes am 27. Februar dieses Jahres:
Papst Franziskus: “Im Evangelium der heutigen Liturgie, lädt uns Jesus ein, darüber nachzudenken, wie wir die anderen sehen und über sie sprechen. Blick und Worte. Zunächst einmal unser Blick. Die Gefahr besteht darin, sagt der Herr, dass wir uns darauf konzentrieren, den Splitter im Auge unseres Bruders zu sehen, den Balken in unserem eigenen Auge aber nicht bemerken. Mit anderen Worten, wir achten sehr genau auf die Fehler der anderen. Auch die kleinsten. Unsere eigenen Fehler aber übersehen wir gern, messen ihnen wenig Bedeutung bei. Jesus hat recht, wenn er sagt Wir finden immer Gründe, die anderen zu beschuldigen und uns selbst zu rechtfertigen.

Original-Interview aufgenommen von Patricia Peschken | Sprecher Matthias Ubert | Redaktion, Moderation und Schnitt: Christian Peschken für EWTN.TV

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