Wovon die Kirche lebt

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken des hl. Johannes Pauls II. – Folge 33

Eucharistie-Feier
Foto: Ramses Sudland / Unsplash (CC0)
11 September, 2021 / 7:00 AM

Am 17. April 2003 publizierte Johannes Paul II. mit „Ecclesia de eucharistia“ seine letzte Enzyklika, die auf gewisse Weise auch ein großes Resümee seines Pontifikates ist. Die Kirche, damit jeder Gläubige, lebt aus der Eucharistie und aus der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments. Nicht Diskussionen erfrischen und beleben das Haus Gottes, sondern die Nähe zum Herrn, der leibhaftig gegenwärtig ist im Tabernakel und in der heiligen Eucharistie, die die Kirche feiert, bis er wiederkommt in Herrlichkeit: „Die Kirche lebt von der Eucharistie. Diese Wahrheit drückt nicht nur eine alltägliche Glaubenserfahrung aus, sondern enthält zusammenfassend den Kern des Mysteriums der Kirche. Mit Freude erfährt sie unaufhörlich, daß sich auf vielfältige Weise die Verheißung erfüllt: »Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28, 20). In einzigartiger Intensität erfreut sie sich dieser Gegenwart jedoch in der heiligen Eucharistie, bei der Brot und Wein in Christi Leib und Blut verwandelt werden. Seitdem die Kirche, das Volk des Neuen Bundes, am Pfingsttag ihren Pilgerweg zur himmlischen Heimat begonnen hat, prägt dieses göttliche Sakrament unaufhörlich ihre Tage und erfüllt sie mit vertrauensvoller Hoffnung.“ Die Eucharistie schenkt Hoffnung. Wäre der Herr in ihr nicht leibhaft gegenwärtig, so wäre die Messfeier nicht mehr als eine fromme Erbauungsstunde oder ein ehrenwertes Gedenken. Aber Christus „gegenwärtig im Sakrament des Altares, in dem die Kirche den vollkommenen Ausdruck seiner unendlichen Liebe entdeckt“. Aus dem Ostermysterium gehe die Kirche hervor. Jeder Katholik wächst sein ganzes Leben hindurch immer mehr in das Geheimnis des Glaubens hinein, dem er sich staunend annähert, an dem er dankbar teilhaben darf. Die Konsekration der Gaben, die unverfälschten Einsetzungsworte, sind der Höhepunkt der heiligen Messe: „Die Einsetzung der Eucharistie nahm in der Tat auf sakramentale Weise die Ereignisse vorweg, die sich, beginnend mit der Todesangst in Getsemani, kurz darauf zutragen sollten.“ Der heilige Papst spricht von einem „großen und dankbaren Staunen“: „Die Eucharistie verbindet Himmel und Erde. Sie umfaßt und erfüllt alles Geschaffene. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um alles Geschaffene in einem höchsten Akt des Lobes dem zurückzuerstatten, der es aus dem Nichts geschaffen hat. Indem der ewige Hohepriester durch das Blut seines Kreuzes in das ewige Heiligtum eintritt, erstattet er dem Schöpfer und Vater die ganze erlöste Schöpfung zurück. Das tut er durch das priesterliche Dienstamt der Kirche zur Ehre der heiligsten Dreifaltigkeit. Dies ist das mysterium fidei, das in der Eucharistie gegenwärtig wird: die Welt, die aus den Händen des Schöpfergottes hervorgegangen ist, kehrt als von Christus erlöste Welt zu Gott zurück.“

Wissen wir als einfach gläubige Katholiken heute die Schönheit der heiligen Messe wertzuschätzen? Sind wir dankbar, dass wir eingeladen sind, Eucharistie zu feiern? Ist uns das Kreuzesopfer gegenwärtig, wenn wir kniend vor Gott kauern und die Feier der heiligen Geheimnisse folgen? Johannes Paul II. erklärt: „Die Eucharistie ist die heilbringende Gegenwart Jesu in der Gemeinschaft der Gläubigen und ihre geistliche Nahrung, sie ist das wertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte haben kann.“

Dankbar ist der heilige Papst auch für die Liturgiereform, wenngleich er nicht Missbräuche verschweigt. Das eucharistische Mysterium werde auch „seines Opfercharakters beraubt und in einer Weise vollzogen, als ob es den Sinn und den Wert einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde“. Wir alle kennen wohl selbstgebastelte Hochgebete und Gottesdienste, die mehr an weltliche Theaterdarbietungen erinnern. Johannes Paul II. bekundet seinen „tiefen Schmerz“ darüber: „Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Verkürzungen zu dulden.“ Deutlich stellt er darum klar: „Die Kirche hat die Eucharistie von Christus, ihrem Herrn, nicht als eine kostbare Gabe unter vielen anderen erhalten, sondern als die Gabe schlechthin, da es die Gabe seiner selbst ist, seiner Person in seiner heiligen Menschheit wie auch seines Erlösungswerkes. … Was hätte Jesus noch mehr für uns tun können? In der Eucharistie zeigt er uns wirklich eine Liebe, die »bis zur Vollendung« (Joh 13, 1) geht, eine Liebe, die kein Maß kennt.“ Von diesem Erlösungsopfer lebe die Kirche. Mit klaren Worten wendet sich Johannes Paul II. gegen jede modernistische Verkleinerung, in der das Opfer des Herrn als eine bloße Mahlfeier vorgestellt wird. Wer das Opfer auf ein Mahl reduziert, leugnet die Verbindung der Eucharistie mit dem Kreuz: „Kraft ihrer innigen Beziehung mit dem Opfer von Golgota ist die Eucharistie Opfer im eigentlichen Sinn, und nicht nur in einem allgemeinen Sinn, als ob es sich um eine bloße Hingabe Christi als geistliche Speise an die Gläubigen handelte.“ Ist uns das bewusst, wenn wir den Leib Christi empfangen? „In Fülle verwirklicht sich die heilbringende Wirkung des Opfers, wenn wir in der Kommunion den Leib und das Blut des Herrn empfangen. Das eucharistische Opfer ist in sich auf die innige Gemeinschaft von uns Gläubigen mit Christus in der Kommunion ausgerichtet: Wir empfangen ihn selbst, der sich für uns hingegeben hat, seinen Leib, den er für uns am Kreuz dargebracht hat, sein Blut, das er »für viele« vergossen hat »zur Vergebung der Sünden« (Mt 26, 28).“ Die Feier der heiligen Eucharistie verbindet Himmel und Erde: „Die Eucharistie ist wirklich ein Aufbrechen des Himmels, der sich über der Erde öffnet. Sie ist ein Strahl der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalem, der die Wolken unserer Geschichte durchdringt und Licht auf unseren Weg wirft.“ Auch darum feiern wir Eucharistie, hergeleitet vom griechischen Begriff „Eucharistomen“, d. h.: „Wir sagen Dank.“

Die bisher bei CNA Deutsch veröffentlichten Geistlichen Betrachtungen zu den Enzykliken von Johannes Paul II. im Überblick.

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