Das Verständnis der Ehe, wie es der Apostel Paulus im Brief an die Epheser darlegt, ist Gegenstand der Katechese vom 28. Juli 1982 (veröffentlicht in L’Osservatore Romano 82/33–34). Der Epheserbrief ist oft kritisch bedacht worden, Johannes Paul II. bemüht sich darum ein genaues Verständnis.

In dem Brief führt der Apostel aus: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Braut, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehaßt, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst, die Frau aber ehre den Mann“ (Eph 5,22–33).

Der Epheserbrief müsse im Licht dessen gelesen werden, was Christus verkündet, auch über den menschlichen Leib. Damit befasst sich Johannes Paul II. in den folgenden Katechesen und legt dar: „Der zitierte Abschnitt aus dem Epheserbrief ist sozusagen die Krönung der anderen Schlüsselaussagen. Wenn sich aus ihnen die Theologie des Leibes in ihren evangelischen, einfachen und zugleich grundlegenden Umrissen ergibt, muss diese Theologie in gewissem Sinn der Deutung des zitierten Abschnittes aus dem Epheserbrief zugrunde gelegt werden. Man muss also, wenn man diesen Abschnitt interpretieren will, das im Licht dessen tun, was Christus uns über den menschlichen Leib sagt. Er spricht nicht nur vom geschichtlichen Menschen, vom Menschen, der immer ‚in seiner Zeit‘ lebt, von der Begierde seines Herzens, sondern enthüllt auch einerseits die Perspektiven des ‚Anfangs‘ oder der Ur-Unschuld und der Gerechtigkeit und anderseits die eschatologischen Perspektiven der Auferstehung der Leiber, ‚wenn wir nicht mehr heiraten‘ (vgl. Lk 20,35). All das gehört zur theologischen Optik der ‚Erlösung unseres Leibes‘ (Röm 8,23).“

Der Epheserbrief müsse in einem breiten biblischen Zusammenhang gelesen und verstanden werden, der zitierte Text sei ein „Schlüsseltext“ der Liturgie in Verbindung mit dem Sakrament der Ehe: „In der Tat, dieser Abschnitt des Epheserbriefes kann nur richtig verstanden werden im breiten biblischen Zusammenhang, weil er als Krönung der Themen und Wahrheiten zu verstehen ist, die durch das geoffenbarte Wort Gottes in der Heiligen Schrift wie breite Wellen heranströmen und abfließen. Es sind zentrale Themen und wesentliche Wahrheiten. Und deshalb ist der zitierte Text aus dem Epheserbrief auch ein Schlüsseltext, ein ‚klassischer‘ Text.“

Johannes Paul II. legt dar: „Das Sakrament oder die Sakramentalität – im weitesten Sinn des Wortes – steht in Beziehung zum Leib und setzt die Theologie des Leibes voraus. In der Tat ist das Sakrament in seiner allgemein anerkannten Bedeutung ein ‚sichtbares Zeichen‘. Der ‚Leib‘ bedeutet auch das, was sichtbar ist, bedeutet die Sichtbarkeit der Welt und des Menschen. So gehört in gewisser Weise – wenn auch in sehr allgemeiner – der Leib in die Begriffsbestimmung des Sakraments, indem dieses –sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit– ist, d. h. der geistigen, trandzendenten, göttlichen Wirklichkeit. In diesem Zeichen – oder durch dieses Zeichen – schenkt sich Gott dem Menschen in seiner transzendenten Wahrheit und in seiner Liebe. Das Sakrament ist Zeichen der Gnade und ein wirksames Zeichen.“

Hier dürfen und müssen wir innehalten. Verstehen wir das Sakrament heute noch als „Zeichen der Gnade“, insbesondere auch das Sakrament der Ehe? Es ist ja eben kein Zweckbündnis, es bedarf der Voraussetzungen, und wenn diese zum Zeitpunkt der Trauung nicht gegeben waren, so greift notwendigerweise das Ehenichtigkeitsverfahren nach kanonischem Recht und stellt fest, dass diese „Ehe“ kirchlich und damit sakramental nie bestanden hat.

Mit dem Sakrament darf man also nicht spielen, es ist ein Geschenk Gottes, es ist ein „Zeichen der Gnade“: „Es zeigt diese nicht nur an und drückt sie in sichtbarer Weise aus, in Form des Zeichens, sondern bringt sie hervor und trägt wirksam dazu bei, dass der Mensch der Gnade teilhaftig wird, und dass sich in ihm das Heilswerk verwirklicht und erfüllt, das von Gott seit Ewigkeit vorherbestimmt und in Jesus Christus voll geoffenbart wurde.“

Johannes Paul II. möchte die Ehe als „Dimension des Bundes und der Gnade“ erörtern und in den folgenden Katechesen die „Dimension des sakramentalen Zeichens“ betrachten und bedenken. Genau das fällt heute zunehmend schwer, weil die Ehe verkannt, idealisiert oder das Sakrament nur noch als prächtige Kulisse für ein rauschendes säkulares Fest genommen wird. Man darf insoweit sagen, dass Johannes Paul II. sich auch hier gegen jede Instrumentalisierung der Sakramente positioniert und die Heiligkeit der Ehe in den Blick nimmt, die von der Voraussetzung lebt, dass Mann und Frau in rechter Weise sakramentsfähig, also für die Ehe disponiert sind.

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