Ein weiteres Mal bezieht sich Johannes Paul II. in den Darlegungen zur „Theologie des Leibes“ auf die paulinischen Briefe. Am 21. Juli 1982 spricht er in der Katechese (veröffentlicht in L’Osservatore Romano 82/31–32) über die kosmische Dimension der Erlösung des Leibes. Die Schöpfung, der ganze Kosmos zeige Folgen der Sünde des Menschen.

Der Papst führt aus: „Die Erlösung des Leibes ist nach Paulus Gegenstand der Hoffnung. Diese Hoffnung ist im Herzen des Menschen gewissermaßen gleich nach der Erbsünde eingepflanzt.“

Die Hoffnung reiche bis zu den Anfängen des Menschen zurück und erhalte in der Erlösung des Leibes ihre anthropologische Dimension: „Die Erlösung des Leibes ist also die Erlösung der Welt: sie hat eine kosmische Dimension.“

Er fährt fort: „Christus erfüllt diese Hoffnung nicht nur durch die Worte seiner Lehre, sondern vor allem durch das Zeugnis seines Todes und seiner Auferstehung. So hat sich also die Erlösung des Leibes in Christus bereits erfüllt. In ihm hat sich jene Hoffnung bestätigt, in der ‚wir gerettet sind‘. Und zugleich hat sich jene Hoffnung wieder neu auf ihre endgültige eschatologische Erfüllung hin geöffnet. ‚Das Offenbarwerden der Söhne Gottes‘ in Christus ist endgültig auf jene ‚Freiheit und Herrlichkeit‘ ausgerichtet, deren die ‚Kinder Gottes‘ endgültig teilhaftig werden sollen.“

Diese Freiheit ist nicht ein säkulares, relativistisches Verständnis der Autonomie des Menschen – wie man dies etwa an Thesen und Äußerungen prominenter zeitgenössischer Theologen wie Magnus Striet über den Begriff der Autonomie in Deutschland sieht –, sondern die liebende Annahme der Gotteskindschaft, die Treue zum barmherzigen Gott und damit auch seiner Kirche.

Dazu gehört, wie Johannes Paul II. ausführt, die biblische Anthropologie, die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau: „Christus spricht vom Menschen: vom Menschen, der ‚Leib‘ ist und der als Mann und Frau als Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde; er spricht von dem Menschen, dessen Herz der Begierde ausgesetzt ist, und schließlich von dem Menschen, vor dem sich der eschatologische Ausblick auf die Auferstehung des Leibes auftut.“

Johannes Paul II. wiederholt, dass der Aufruf zur Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen stets im Horizont der Eschatologie gelesen werden müsse. Zugleich stellt er fest: „Doch die ‚Erlösung des Leibes‘ findet ihren Ausdruck nicht nur in der Auferstehung als Sieg über den Tod. Sie ist auch in den Worten Christi gegenwärtig, die er an den ‚geschichtlichen‘ Menschen richtet, ob diese Worte nun das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe als vom Schöpfer selbst stammenden Grundsatz bekräftigen, oder ob – in der Bergpredigt – Christus zur Überwindung der Begierde auffordert, und das bis in die Regungen des menschlichen Herzens hinein. Von der einen und der anderen dieser Schlüsselaussagen muss man sagen, dass sie sich auf die menschliche Sittlichkeit beziehen, dass sie einen ethischen Sinn haben. Hier handelt es sich nicht um die endzeitliche Hoffnung auf die Auferstehung, sondern um die Hoffnung auf den Sieg über die Sünde, die man die tägliche Hoffnung nennen kann.“

Die „Kraft für die Überwindung des Bösen“ schöpft der Mensch aus dem „Geheimnis der Erlösung des Leibes“ und weiß sich erinnert an die gültig geschlossene eheliche Gemeinschaft ebenso wie an das Gelübde der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen: „Wenn die Erlösung des Leibes das Alltagsleben mit der Dimension der menschlichen Moral durchdringt, trägt sie vor allem zur Entdeckung all des Guten bei, in dem der Mensch den Sieg über die Sünde und über die Begierde erringt. Die Worte Christi, die aus der göttlichen Tiefe des Erlösungsmysteriums stammen, erlauben die Entdeckung und Stärkung jenes Bandes, das zwischen der Würde des Menschen (des Mannes oder der Frau) und der bräutlichen Bedeutung ihres Leibes besteht. Sie ermöglichen aufgrund jener Bedeutung das Verständnis und die Verwirklichung der zur Hingabe reifen Freiheit, die einerseits in der unauflöslichen Ehe und anderseits in der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ihren Ausdruck findet. Auf diese verschiedenen Weisen enthüllt Christus der Menschen voll dem Menschen, indem er ihm ‚seine höchste Berufung‘ zeigt. Diese Berufung ist dem Menschen entsprechend seiner psychisch-physischen Gesamtstruktur gerade durch das Geheimnis der Erlösung des Leibes eingeschrieben.“

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht notwendigerweise jene der Redaktion von CNA Deutsch.

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