3. Januar 2026
In der Katechese vom 7. Juli 1982 (veröffentlicht in L’Osservatore Romano 82/29) denkt Papst Johannes Paul II. über die göttlichen Gnadengaben nach, insbesondere über das Handeln, das dem Herrn gefällt, gemäß der paulinischen Darlegung im ersten Korintherbrief. Er führt aus, dass derjenige, der um des Himmelreiches willen ehelos lebe, sich zunächst um Gottes Dinge sorge, während ein verheirateter Mann beständig auch überlege, wie er ein erfülltes Leben mit seiner Frau führen könne.
Johannes Paul II. führt aus: „Der Mensch trachtet immer danach, dem zu gefallen, den er liebt. Das ‚Gott gefallen‘ entbehrt somit keineswegs dieses Charakters, der die interpersonale Beziehung der Eheleute kennzeichnet. Es ist einerseits ein Bemühen des Menschen, das sich auf Gott richtet und nach der Möglichkeit sucht, ihm zu gefallen, das heißt die Liebe durch die Tat zum Ausdruck zu bringen; anderseits entspricht diesem Bestreben ein Wohlgefallen Gottes, der dadurch, dass er die Mühen des Menschen annimmt, sein Werk mit der Gewährung einer neuen Gnade krönt: denn von Anfang an war dieses Bestreben sein Geschenk. ‚Sich darum sorgen, dem Herrn zu gefallen‘ ist somit ein Beitrag des Menschen zum ständigen Heilsdialog, der von Gott begonnen wurde. An ihm nimmt selbstverständlich jeder Christ teil, der aus dem Glauben lebt.“
Wer ehelich lebt, ist durch familiäre Verpflichtungen gebunden, der ehelos Lebende hingegen könne sich der „vollständigen Hingabe“ für das Himmelreich widmen: „Eine solche Haltung setzt den Verzicht auf die Ehe – ausschließlich ‚um des Himmelreiches willen‘ – und ein einzig und allein auf dieses Ziel ausgerichtetes Leben voraus. Andernfalls kann die ‚Spaltung‘ verstohlen auch in das Leben des Unverheirateten eindringen, der, wenn er einerseits das Eheleben entbehrt und anderseits ein klares Ziel vermisst, für das er auf dieses Eheleben verzichtet, unvermutet vor einer gewissen inneren Leere stehen könnte.“
Wesentlich ist es, mit dem Herrn verbunden zu sein, damit in einer tiefen Gemeinschaft mit Gott zu stehen. Der ehelos Lebende strebt ein „ständiges Verweilen“ beim Herrn an. Er möchte Gott gehören: „Das ‚Geweihtsein an Leib und Geist‘ bedeutet also auch die Heiligkeit der Jungfräulichkeit bzw. der Ehelosigkeit ‚um des Himmelreiches willen‘. Zugleich muss sich das, was Gott dargeboten wird, durch die sittliche Reinheit auszeichnen und setzt darum eine Haltung ‚ohne Flecken oder Falten‘, ‚heilig und makellos‘, voraus, ganz nach dem jungfräulichen Vorbild der Kirche, die Christus gegenüber steht (Eph 5,27).“
Johannes Paul II. hebt auch die paulinischen Bezüge zum Lob der Enthaltsamkeit hervor, die vor der Ehe bestehen soll. Die „Ermutigung zur Enthaltsamkeit vor der Ehe“ zeige ein Einverständnis mit der „gesamten Wertordnung des Evangeliums“: „Den Menschen, die in einer Umwelt lebten, wo die Ehe vor allem als eine der Weisen, ‚sich die Welt zunutze zu machen‘, betrachtet wurde, verkündet Paulus also mit den treffenden Worten über die Jungfräulichkeit oder den Zölibat (wie wir gesehen haben) als auch über die Ehe: ‚Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren‘ (1 Kor 7,8–9). Nahezu derselbe Gedanke war von Paulus bereits früher ausgesprochen worden: ‚Nun zu den Anfragen eures Briefes: ‚Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren‘ Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben, und jede soll ihren Mann haben’ (1 Kor 7,1–2).“
Auch wer die Ehe wählt, empfängt eine „Gnadengabe“ von Gott: „Also empfangen auch diejenigen, die die Ehe wählen und in ihr leben, von Gott eine ‚Gnadengabe‘, ‚ihre Gnadengabe‘, das heißt eben die Gnade dieser Entscheidung, dieser Art zu leben, dieses Standes. Die Gabe, die Menschen empfangen haben, die in der Ehe leben, unterscheidet sich von der, die Menschen empfangen haben, die im Stand der Ehelosigkeit leben und sich für die Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen entscheiden; nichtsdestoweniger ist sie eine echte ‚Gnadengabe Gottes‘, eine für konkrete Menschen bestimmte und spezifische – das heißt ihrer Lebensberufung angemessene Gnadengabe.“
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