Was ist der menschliche Leib? Johannes Paul II. bestimmt ihn in der Generalaudienz am 14. Juli 1982 (veröffentlicht in L’Osservatore Romano 82/30) als „Tempel des Heiligen Geistes“. Er betrachtet weiterhin die paulinische Lehre, die im ersten Korintherbrief entfaltet wird, die er auch als „große Theologie der Erwartung“ bezeichnet: „Nicht die ‚Welt‘ ist die ewige Bestimmung des Menschen, sondern das Reich Gottes. Der Mensch darf nicht zu sehr an den Gütern hängen, deren Größenordnung die der vergänglichen Welt ist.“

Die Ehe gehört zu dieser Welt. Der Mensch müsse von seiner „endgültigen Berufung“ her leben: „Während die Ehe mit der vergänglichen Szene dieser Welt verbunden ist und es darum in gewisser Hinsicht erforderlich ist, sich in dieser Vergänglichkeit einzukapseln, könnte man sagen, der Verzicht der Ehe befreit hingegen von einer solchen Notwendigkeit.“

Paulus spreche mit „Realismus“ über den Leib des Menschen, den er einerseits als „Tempel des Heiligen Geistes“, andererseits aufgrund der fleischlichen Begierde als Stätte der „Schwachheit und Sündhaftigkeit“ des Menschen kennzeichnet: „Doch dieses Bewusstsein trübt ihm in keiner Weise das Wissen um die Gnadengabe Gottes, an der sowohl diejenigen teilhaben, die auf die Ehe verzichten, als auch die, die heiraten. Im 7. Kapitel des ersten Korintherbriefes finden wir eine klare Ermutigung zur Ehelosigkeit, die Überzeugung, dass, wer sich dafür entscheidet, ‚besser handelt‘; wir finden jedoch keinerlei Grundlage dafür, diejenigen, die in der Ehe leben, als ‚fleischlich‘ zu betrachten und jene hingegen, die aus religiösen Motiven die Ehelosigkeit wählen, als ‚geistlich‘.“

In jeder Berufung sei eine Gnadengabe wirksam: „Der heilige Paulus sagt mit aller Klarheit, dass sowohl das eheliche Zusammenleben wie die freiwillige und zeitweilige Enthaltsamkeit der Ehegatten Frucht der Gnadengabe Gottes sein muss, die jeder von ihnen als die seinige empfangen hat, und dass im bewussten Zusammenwirken mit ihr die Eheleute selbst jene persönliche Bindung und zugleich jene Würde erhalten und festigen können, die der Umstand, dass sie ‚Tempel des Heiligen Geistes, der in ihnen wohnt‘, sind (vgl. 1 Kor 6,19), ihrem Leib verleiht.“

Grundlegend bleibt, dass Paulus zwei einander ergänzende Berufungen sieht, die zur Ehelosigkeit und die zur Ehe: „Beide geben eine vollständige Antwort auf eine der wesentlichsten Fragen des Menschen: auf die Frage nach der Bedeutung des Leibseins, das heißt nach der Bedeutung des Mann- bzw. des Frauseins, dass man im Leib Mann oder Frau ist.“

Weiterhin legt der Papst über Ehe und Ehelosigkeit dar: „In jedem dieser Bereiche gilt es, nicht nur auf die Worte Christi aufmerksam zu hören, in denen er sich auf den ‚Anfang‘ (Mt 19,4) oder auf das Herz als inneren und zugleich geschichtlichen (vgl. Mt 5,28) Ort der Begegnung mit der fleischlichen Begierde beruft, sondern wir müssen auch auf die Worte aufmerksam hören, mit welchen Christus an die Auferstehung erinnert hat, um in das ruhelose Herz des Menschen selbst die ersten Keime der Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Leibseins im Hinblick auf die ‚andere Welt‘ einzupflanzen.“

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht notwendigerweise jene der Redaktion von CNA Deutsch.

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