Als Johannes Paul II. Rumänien vor den Gefahren des Postkommunismus warnte

Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996
Foto: Vatican Media
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"Ihr, die ihr euch vom Druck der kommunistischen Diktatur befreit habt, laßt euch nicht von den trügerischen und gefährlichen Träumen des Konsumdenkens täuschen. Auch sie töten die Zukunft. Jesus läßt euch ein neues Rumänien erträumen, ein Land, in welchem sich der Orient und der Okzident brüderlich begegnen können. Dieses Rumänien ist euren Händen anvertraut. Baut es mit Kühnheit zusammen auf!"

Das war der Auftrag von Johannes Paul II. vor genau 20 Jahren, als er Rumänien am 9. Mai am Ende einer historischen Reise, der ersten eines Papstes, verließ, die dank des Endes des kommunistischen Regimes stattfand.

Aber Johannes Paul II. hatte die Risiken, die das Land mit sich brachte, gut verstanden.

In seiner Rede vor dem Präsidenten Rumäniens erklärte Johannes Paul II:

" Vierzig Jahre atheistischer Kommunismus haben ihre Spuren und Narben im Fleisch und in der Erinnerung eures Volkes hinterlassen und eine Atmosphäre des Mißtrauens geschaffen. All das kann nicht verschwinden ohne ein echtes Bemühen zur Umkehr seitens der Bürger sowohl in ihrem persönlichen Leben als auch in den Beziehungen zur Gesamtheit der nationalen Gemeinschaft. Jeder muß seinen Brüdern die Hände reichen, damit Fortschritt und Entwicklung allen zugute kommen – besonders jenen, die die unseligen Auswirkungen der verschiedenen Krisen der Vergangenheit erdulden mußten."

Selbstvertrauen und Solidarität 

"Euer Volk ist reich an ungeahnten Ressourcen, an Selbstvertrauen und Solidarität. Aufgrund dieser Werte ist es dazu berufen, eine Kunst des Zusammenlebens zu entwickeln, die ein Mehr an Seele und Menschlichkeit ist. Solidarität und Vertrauen erfordern von allen Verantwortlichen des sozialen Lebens Absprache und Achtung der unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche sowie fortdauerndes Engagement und ein aufrichtiges Verhalten all derer, die mit den Angelegenheiten der Gesellschaft betraut sind. Auf dieser Grundlage kann dann wirklich eine Schicksalsgemeinschaft entstehen. Ich ermutige die Einwohner Rumäniens, sich um den Aufbau einer Gesellschaft, die allen dient, zu bemühen und sich von der Botschaft Christi erreichen zu lassen, so wie es ihre Vorfahren seit den apostolischen Zeiten getan und damit gezeigt haben, wie wichtig die Stellung der christlichen, spirituellen, sittlichen und menschlichen Werte im Leben der Nation ist."

In Bukarest feierte der Papst die Göttliche Liturgie im griechisch-katholischen Ritus und dankte dem verfolgten Klerus.

Eines der zentralen Themen der Reise war offensichtlich auch die Ökumene, wie auch das Treffen mit dem Patriarchen Teoctist betonte.

Johannes Paul II. sagte bei seiner Ankunft: "Mit den geschichtsträchtigen Ereignissen im Jahr 1989 hat auch Rumänien einen Prozeß der Wiederherstellung des Rechtsstaates mit Achtung der Freiheiten – darunter auch die Religionsfreiheit – in Gang gesetzt. Natürlich ist dieser Prozeß nicht ohne Hindernisse. Es gilt, ihn Tag für Tag fortzusetzen, dabei die Legalität zu wahren und die demokratischen Institutionen zu festigen. Ich hoffe, daß bei diesen Bemühungen zur gesellschaftlichen Erneuerung in eurem Land die politische und finanzielle Unterstützung der Europäischen Union, der Rumänien aufgrund seiner Geschichte und Kultur angehört, nicht fehlen wird."

Rumänien ist jetzt Mitglied der Europäischen Union, aber wurden die wirtschaftlichen und sozialen Probleme wirklich angegangen, wie vom polnischen Papst gefordert?

Dieser Bericht ist eine übersetzte und redigierte Fassung eines Artikels der italienischsprachigen Schwesteragentur ACI Stampa für CNA Deutsch.

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