Argentiniens Senat stimmt gegen Abtreibung

Lebensschützer feiern die Entscheidung in Argentinien am 9. August 2018
Foto: Alberto Raggio / AFP / Getty
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Nach 16-stündiger Debatte hat der argentinische Senat gegen ein Gesetz gestimmt, dass Abtreibung legalisiert hätte. Bislang ist in Argentinien diese nur in Fällen möglich, in denen das Leben oder die Gesundheit der Mutter gefährdet ist, oder Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist. 

Lebensschützer begrüßten die Entscheidung.

"Argentinien hat sich trotz massiven internationalen Drucks, bisherige Gesetzgebung zu ändern für das Leben entschieden", so Neydy Casillas, Anwältin von ADF International. Die Entscheidung sei ein Sieg für den Schutz menschlichen Lebens und die Gewissensfreiheit.

Die Abstimmung verlief knapp: 38 Senatoren stimmten gegen die Einführung der Abtreibung, 31 dafür. Es gab zwei Enthaltungen, und ein Senator war abwesend.

Im Juni hatte - mit einer knappen Mehrheit - das Repräsentantenhaus für den Gesetzesentwurf gestimmt, der Abtreibungen im ersten Trimester legalisiert hätte - also bis zur 14. Schwangerschaftswoche. Außerdem wäre bei Schwangerschaften durch Vergewaltigungen sowie in medizinische Notfällen bis zum neunten Monat möglich gewesen. 

Heilige Messe während der Abstimmung

Während Argentiniens Senatoren über den Entwurf diskutierten, feierte Kardinal Mario Aurelio Poli in der Kathedrale von Buenos Aires eine heilige Messe für das Leben. 

Das Gotteshaus war so überfüllt, dass die Gläubigen vor den Türen standen und auf der Straße mitfeierten.

In seiner Predigt wiederholte der Kardinal, dass "Abtreibung immer eine Tragödie sein wird" und "weit davon entfernt ist, eine Lösung zu sein". Er betete dafür, dass die Senatoren "für das Gemeinwohl Gesetze erlassen (...) um das Recht auf Leben aller zu schützen, besonders der Schwächsten und Wehrlosesten".

Zwischen 70 und 90 Prozent der Argentinier sind  katholisch. Ein Pro-Life-Marsch in diesem Jahr zog rund 150.000 Besucher an.

Trotz Wind und Regens verbrachten Tausende von Argentiniern den Abend vor dem Gebäude des Nationalkongresses, um das Ergebnis der Abstimmung abzuwarten.

Als dieses bekannt gegeben wurde, feierten die Pro-Life-Demonstranten mit Jubel und Feuerwerkskörpern.

Einige Abtreibungsbefürworter entzündeten Brandsätze und warfen Steine auf Polizeibeamte, berichteten lokale Medien. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserkanonen, und die meisten Zusammenstöße wurden schnell beendet, so der Nachrichtensender "CNN".

Amnesty International Argentinien, das die Abtreibung unterstützt, bedauerte das Abstimmungsergebnis und sagte, dass die Senatoren "eine historische Chance verpasst haben, in Sachen Menschenrechte führend zu sein". Amnesty kündigte an, man werde nicht ruhen, "bis es eine legale Abtreibung gibt".

Paul Coleman, Geschäftsführer von ADF International, konterte jedoch: "Es gibt kein Recht auf Abtreibung nach internationalem Recht".

"Wir applaudieren dem argentinischen Senat für die Wahrung der Grundrechte auf Leben und Gewissen", sagte der Anwalt für Menschenrechte. "Das argentinische Volk kann nun weiter in einem Land leben, in dem beides zählt: das Leben der Mutter und das Leben des Kindes."

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