Bekannte US-Zeitschrift bring Rosenkranzgebet mit Extremismus in Verbindung

Ein Pilger beten den Rosenkranz auf dem Petersplatz in Rom vor der Generalaudienz mit Papst Franziskus im Oktober 2014.
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Ein am Sonntag in der bekannten US-amerikanischen Zeitschrift "The Atlantic" veröffentlichter Artikel legt nahe, dass der Rosenkranz in den Vereinigten Staaten zu einem Symbol des gewalttätigen Rechtsextremismus geworden ist.

Der Artikel löste unter Katholiken eine Reihe von Reaktionen aus, die von Belustigung bis zu großer Besorgnis reichten über das, was manche als antikatholische Stimmung ansehen.

Die Zeitschrift änderte später die Überschrift des Artikels von "Wie der Rosenkranz zu einem extremistischen Symbol wurde" in "Wie die extremistische Waffenkultur versucht, den Rosenkranz zu vereinnahmen". Neben anderen Änderungen am Text wurde ein Bild von Einschusslöchern, welche die Form eines Rosenkranzes bilden, durch das Bild eines Rosenkranzes ersetzt.

Diese redaktionellen Änderungen ließen jedoch die These des Artikels, dass es eine Verbindung zwischen Rosenkranz und Extremismus gibt, unangetastet. Die Behauptung des Autors beruhte zum Teil auf seinen Beobachtungen über die Verwendung des Rosenkranzes in den sozialen Medien und über online verkaufte Rosenkränze.

"Der Rosenkranz hat für radikal-traditionelle (oder 'rad-trad') Katholiken eine militaristische Bedeutung erlangt", schreibt Daniel Panneton über die Gebetsschnur, die von Katholiken seit Jahrhunderten verwendet wird.

"Milizkultur, ein Fetischismus der westlichen Zivilisation und maskulinistische Ängste sind zu Hauptpfeilern der extremen Rechten in den USA geworden – und rad-trad-Katholiken haben sich nun in dieser Gesellschaft niedergelassen", schreibt Panneton.

Er beschreibt Fotos von Rosenkränzen, die "aus Patronenhülsen hergestellt und mit Kruzifixen aus Gewehrmetall versehen sind", sowie Memes mit Kriegsthemen und Inhalte, die sich an Überlebenskünstler richten.

Die katholische Reaktion

Robert P. George, Professor für politische Theorie an der Universität Princeton und ehemaliger Vorsitzender der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF), sagte gegenüber der Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch:

Für mich sieht es so aus, als ob derjenige, der den Rosenkranz politisiert und ihn als Waffe im Kulturkampf einsetzt, ... Daniel Panneton ist. Ich weiß nichts über den Mann, außer dem, was er in dem Artikel sagt. Ich hatte vorher noch nie von ihm gehört. Obwohl es schwer ist, die klassischen antikatholischen Tropen in dem Artikel zu übersehen, ist er vielleicht nicht wirklich ein Fanatiker. Vielleicht ist er nur überreizt und muss ein oder zwei Aspirin nehmen und sich eine Weile hinlegen.

Chad Pecknold, Theologieprofessor an der Catholic University of America, erklärte gegenüber CNA, dass die Veröffentlichung des Artikels auf einen "theo-politischen" Konflikt in der Kultur hinweise.

Der politische Elitekern in den linksliberalen Medien hasst die abendländische Zivilisation und will jedes natürliche und übernatürliche Zeichen dieser Zivilisation zu Fall bringen. Deshalb reicht es nicht aus, einfach einen Beitrag über rechte Waffenkulturen zu bringen, sondern sie müssen ihn mit etwas verbinden, das theologisch zentral für die Zivilisation ist, von der sie glauben, dass sie ihre progressive Zikkurat am meisten bedroht. Das ist ein Zeichen für den theopolitischen Konflikt, der uns heute beherrscht; trotzdem unterschätzen sie die Macht der Muttergottes, über das Böse zu herrschen, erheblich.

Pater Pius Pietrzyk OP, ein Dominikaner der Provinz St. Joseph, sagte gegenüber CNA: "Der Artikel ist ein langer Strom von Ungenauigkeiten, logischen Fehlern und Verzerrungen."

Der Autor verkenne, dass "der Begriff des 'geistlichen Kampfes' die Kirche seit jeher begleitet. Erinnern Sie sich daran, dass eine traditionelle Sichtweise der Firmung darin besteht, dass sie einen zum 'Soldaten für Christus' macht."

"Das Problem ist, dass The Atlantic nicht zu verstehen scheint, was eine Metapher bedeutet. Die Vorstellung vom Rosenkranz als 'Kampf' impliziert in keiner Weise physische Gewalt", fügte Pietrzyk hinzu.

Auf Twitter reagierte Pater Aquinas Guilbeau OP, auf den Artikel mit einem Foto von zwei Dominikanern in weißen Gewändern, die ihre traditionellen Rosenkranzperlen um die Hüften tragen. "WARNUNG: Das Bild unten enthält Rosenkränze", hieß es in der Bildunterschrift.

Katholische Glaubensinhalte werden als extrem angesehen

Panneton macht in seinem Artikel deutlich, dass es nicht nur um den Rosenkranz geht. Im Laufe seiner Argumentation verweist er auf katholische Glaubensvorstellungen als Beweis für "Extremismus".

Er sieht extreme Ansichten über Männlichkeit im katholischen Glauben. Er schreibt: "Der Militarismus verherrlicht auch eine Kriegermentalität und Vorstellungen von Männlichkeit und männlicher Stärke. Diese Verquickung des Männlichen mit dem Militär wurzelt in umfassenderen Ängsten über die katholische Männlichkeit".

"Aber unter radikal-traditionellen katholischen Männern nehmen solche Sorgen eine extremistische Wendung, die in der Fantasie wurzelt, die eigene Familie und Kirche gewaltsam gegen Marodeure zu verteidigen", fährt er fort.

Das Eintreten der Kirche für das Lebensrecht des ungeborenen Lebens zeuge laut Panneton auch von Verbindungen zu Rechtsextremisten.

"Die Konvergenz innerhalb des christlichen Nationalismus wird durch gemeinsame Ursachen wie die Feindseligkeit gegenüber den Befürwortern der Abtreibungsrechte zementiert", schreibt er.

Pietrzyk, der von CNA interviewte Dominikaner, sagte: "Der Autor nimmt grundlegende katholische Positionen über das Wesen der Kirche, die christliche Moral und dergleichen und behauptet, dass sie irgendwie 'extremistisch' sind. Das ist eine klassische Irreführung."

Der Rosenkranz, seit Jahrhunderten eine "Waffe"

Der Rosenkranz ist eine jahrhundertealte Form des Gebets, die auf Meditationen über das Leben Christi basiert. Die Perlen sind ein Hilfsmittel, um den Überblick über die Gebete zu behalten, die vor und während der Meditationen gesprochen werden.

Seit 1571 haben die Päpste die Katholiken aufgefordert, den Rosenkranz zu beten. Dabei haben sie oft militärische Begriffe für diese Gebets-"Waffen" verwendet. 1893 sah Papst Leo XIII. im Rosenkranz ein Mittel gegen die Übel der Ungleichheit, die durch die industrielle Revolution entstanden waren, und während des Zweiten Weltkriegs forderte Pius XI. die Gläubigen auf, ihn zu beten, in der Hoffnung, dass "die Feinde des göttlichen Namens ... endlich gebeugt und zur Buße geführt werden und auf den geraden Weg zurückkehren, im Vertrauen auf die Fürsorge und den Schutz Marias".

In jüngerer Zeit haben Papst Johannes Paul II., Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus den Rosenkranz als ein mächtiges geistliches Werkzeug empfohlen.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency, der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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