Das Jahr Johannes Pauls II. – Kardinal Ruini erinnert seine Freundschaft mit dem Papst

Eine neue Reihe, um den Papst anlässlich seines 100. Geburtstags besser kennenzulernen

Der heilie Papst Johannes Paul II. mit Kardinal Camillo Ruini
Foto: Korazym.org

2020 ist das Jahr des heiligen Johannes Pauls II.: Katholiken und Kirche feiern den 100. Geburtstag eines Papstes, der den Lauf der Geschichte verändert und das Leben der Katholischen Kirche auf äußerst bedeutsame Weise geprägt hat.

Deshalb startet ACI Stampa, die italienische Schwestenagentur von CNA Deutsch, eine Reihe von wöchentlichen "Begegnungen", die dem heiligen Papst Johannes Paul II. gewidmet sind, um seine Geschichte und seinen Beitrag zum Lehramt zu vertiefen.

Zu deren Beginn interviewte Angela Ambrogetti, Chefredakteurin von ACI Stampa, einen außergewöhnlichen Zeugen und langjährigen Mitarbeiter Johannes Pauls II. für die Kirche in Rom und in Italien: Kardinal Camillo Ruini.

Eminenz, Johannes Paul II hat sie ausgewählt, Vikar für die Diözese Rom zu sein. Wie kam es zu dieser Entscheidung, wie haben Sie sich kennengelernt?

Ich habe Johannes Paul II. im Herbst 1984 kennengelernt, als ich Weihbischof von Reggio Emilia-Guastalla und Vizepräsident Norditaliens für das Vorbereitungskomitee des Kirchentags von Loreto war. Der Papst lud mich - zu meiner großen Überraschung - zum Abendessen ein und fragte mich nach den Vorbereitungen für diese Treffen. Ich antwortete mit Offenheit und der Papst schätzte das. Von diesem Moment an wurde mir das Geschenk zuteil, ständig mit ihm zusammenzuarbeiten, vor allem ab 1986 als Sekretär der italienischen Bischofskonferenz (CEI). Wahrscheinlich wollte mich Johannes Paul II. aufgrund dieser Zusammenarbeit ab Anfang 1991 als seinen Stellvertreter für Rom.

Vikar der Diözese Rom und gleichzeitig Vorsitzender der CEI -  das scheint eine zu große Aufgabe zu sein; eine so große, dass es nach Ihnen nicht mehr so war. War es die Entscheidung des Papstes, dass Sie beide Ämter innehaben sollten?

Natürlich war es eine Entscheidung des Papstes. Vor mir hatte Kardinal Ugo Poletti auch diese beiden Ämter bekleidet. Des weiteren ist der Vorsitzende der CEI, den Statuten gemäß, immer auch Leiter einer Diözese. Kardinalvikar zu sein und in Rom zu wohnen erleichtert in gewisser Weise eine der Aufgaben - jene als Vorsitzender der CEI - aber es ist auf jeden Fall anspruchsvoll.

Als Sie zusammengearbeitet haben, gab es da eine gewisse Routine, feste Gewohnheiten?

Es gab viele feste Termine. So lud der Papst beispielsweise jedes Mal, wenn er eine römische Gemeinde besuchte (und er besuchte 15 im Jahr), den Kardinalvikar, den Weihbischof für dieses Sektor Roms, den Pfarrer und eventuelle stellvertretende Pfarrer zum Mittagessen ein. Ähnlich war es bei den Besuchen des Papstes in den römischen Krankenhäusern, bei seinen jährlichen Treffen mit den Priestern von Rom, bei den Heiligen Messe mit den Studenten im Petersdom und bei vielen anderen Gelegenheiten.

Es gab dann natürlich auch die Audienzen, die Johannes Paul II. mir persönlich gewährte, und öfter noch die Arbeitstreffen, denen er vorstand und an denen ich – zusammen mit anderen Mitarbeitern – teilnahm.

In den vielen Jahren der Zusammenarbeit mit Johannes Paul II. gab es auch viele "schwierige" Themen, mit denen Sie sich beschäftigt haben. Welche waren Ihrer Meinung nach die schwierigsten, die nicht gelöst wurden, und welche sollten noch einmal angegangen werden?

Das grundlegende Thema, das im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und des Einsatzes Johannes Pauls II. stand, war jenes der Neuevangelisierung: Ein Thema, das immer aktuell ist und nie ein für alle mal gelöst werden kann. In Rom war die wichtigste Initiative, die wir in dieser Hinsicht gestartet hatten, die "Stadtmission", die in den Jahren vor dem Jubiläum des Jahres 2000 stattfand. Die zentrale Idee war jene des missionierenden Gottesvolkes. Der römische Klerus, 2000 Ordensschwestern und 14.000 Laien aus den römischen Pfarreien und aus den kirchlichen Bewegungen haben sich tatsächlich aktiv daran beteiligt. Wir haben über 70 Prozent der römischen Familien und etwa 50 Prozent der Arbeitsstätten besucht. Die Mission sollte eine permanente Mission bleiben, aber das haben wir leider nicht geschafft. Ich denke, dass auch heute etwas Analoges zur Stadtmission vorgeschlagen werden könnte.

Eines des Themen, das regelmäßig im Rampenlicht steht, ist jenes des Zölibats. Was würde Johannes Paul II. zu den Forderungen der amazonischen Bischöfe sagen?

Paul VI. hat die Gründe, warum der priesterliche Zölibat in der lateinischen Kirche beizubehalten ist, betont und vertieft. Johannes Paul II. war völlig im Einklang mit seinem Vorgänger. Für ihn war es wirklich unvorstellbar, auf den Zölibat zu verzichten.

Wie sah Papst Johannes Paul II. Rom? Fühlte er sich "römisch"?

Johannes Paul II. liebte Rom und fühlte sich zutiefst römisch. Er widmete dieser Stadt und dieser Diözese viele seiner Kräfte und vor allem seiner Gebete. In dem Brief, der meiner Ernennung zum Vikar beigelegt war, schrieb er, dass er mir sein Liebstes und etwas zutiefst seines anvertraute. Für ihn war Rom das Herz der Kirche und es sollte für die ganze Kirche "ein Vorbild" sein.

Und welchen Platz hatte Italien im Herzen von Johannes Paul II?

Einen großen Platz. Er betrachtete es als seine "zweite Heimat". Erinnern wir uns nur an sein "großes Gebet für Italien" zu Beginn des Jahres 1994, in einem schwierigen Moment für Italien. Und an den Brief an die italienischen Bischöfe, in dem er schrieb: "Italien ist, gemäß seiner Geschichte, die besondere Aufgabe anvertraut, für ganz Europa das religiöse und kulturelle Erbe zu verteidigen, das von den Aposteln Petrus und Paulus in Rom eingepflanzt wurde."

Welche persönliche Erinnerung haben Sie an den Papst - und welche "berufliche", wenn man so sagen kann?

Wenn es um Johannes Paul II. geht, ist es schwierig, zwischen diesen beiden Arten von Erinnerungen zu unterscheiden, da dieser Papst sich selbst ganz in die Erfüllung seiner verschiedenen Aufgaben gelegt hat. Konkret ist meine "berufliche" Erinnerung an den Papst jene, als er weiter die römischen Pfarreien besuchte, obwohl er schon stark unter Parkinson litt. Die Gläubigen waren tief bewegt. Die persönliche Erinnerung ist, dass der Papst immer im Gebet versunken war, auch wenn um ihn herum viel Trubel und Lärm war.

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