Der Fall der Ermordung des Seligen Oscar Romero ist neu eröffnet worden

Erzbischof Oscar Romero in einer nicht datierten Aufnahme.
Foto: Erzbistum San Salvador
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Es ist der vermeintliche "Cold Case", hinter dem ein das Martyrium eines Seligen der Kirche steckt, und ein in mehrfacher Hinsicht glühendes Heiligsprechungsverfahren: Der bis heute ohne Urteil gebliebene Fall der Ermordung von Erzbischof Oscar Romero.

Sein mutmaßlicher Mörder wurde nie verurteilt wegen des Amnestie-Gesetzes, das Verbrechen aus der Zeit des Bürgerkriegs in El Salvador betrifft.

Vergangenes Jahr hob der Verfassungsgerichtshof des Landes hob das Gesetz auf. Nun können Fälle aus den Jahren 1980 bis 1992 erneut verfolgt werden.

So auch der fast vierzig Jahre alte Mordfall des Seligen Erzbischofs, in dem gegen einen Soldaten ermittelt wird. 1993 war die Anklage gegen Alvaro S. wegen des Amnestie-Gesetzes abgewiesen worden. Er soll als Mitglied eines rechts-radikalen Todesschwadrons den Priester beim Feiern der heiligen Messe in einer Krankenhauskapelle getötet haben.  

Kämpfer für Arme und gegen Ungerechtigkeit

Soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in El Salvador führten in den 1970ern zu Demonstrationen und Aufständen gegen die Regierung. Diese versuchte, mit Todesschwadronen und anderen brutalen Repressalien, die Proteste zu unterdrücken. Von 1979 bis 1992 kämpften Pro-Regierungskräfte gegen linke Guerilla-Gruppen in einem Bürgerkrieg, der rund 75.000 Menschen das Leben kostete.

Wie viele andere Priester sprach sich Erzbischof Romero gegen die unmenschlichen Vorgänge im Land aus. Zahlreiche katholische Kritiker wurden von der Regierung ins Visier genommen.

Der Selige Oscar Romero sprach sich vor allem gegen die soziale Ungerechtigkeit aus, gegen die Unterdrückung der Armen, und die brutale Vorgehensweise des Militärs. 

Als ein eng befreundeter Priester und Lehrer auf dem Weg zur Messe erschossen wurde, ließ sich Romero nicht einschüchtern. Im Gegenteil, seine Kritik gewann an Deutlichkeit.

Vor seiner Ermordung im Jahr 1980 waren bereits 30 Priester seiner Erzdiöese entweder umgebracht oder des Landes verwiesen worden; zahlreiche katholische Laien erlitten das gleiche Schicksal.

Heiligsprechungsverfahren

Nicht nur der juristische Fall seiner Ermordung, sondern auch sein Heiligsprechungsverfahren, das 1993 offiziell eröffnet wurde, war jahrelang verzögert worden: Politische Motivationen und bewußt gestreute Falschmeldungen behinderten eine geregelte Bearbeitung.

Im Januar 2015 wurde der Priester und Erzbischof schließlich von der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren offiziell als Märtyrer anerkannt; bereits einen Monat später stimmte Papst Franziskus seiner Seligsprechung zu. 

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