Gebete für Versöhnung und Hoffnung auf einen eigenen, palästinensichen Staat

Die religiöse Dimension des "Internationalen Tags der Solidarität mit dem palästinensischen Volk" bei den Vereinten Nationen in Genf

Veronique Nebel von der "Vereinigung zur Förderung des ausserordentlichen Gebets aller Kirchen für Versöhnung, Einheit und Frieden, ausgehend von Jerusalem"
Foto: (C) 2015 Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Im Zuge des "Internationalen Tages der Solidarität mit dem palästinensischen Volk" wurde bei den Vereinten Nationen in Genf der Dokumentarfilm "Land of the Story" gezeigt, ein Film, der beschreibt, wie Palästinenser unter der Besatzung in Jerusalem leben. Neben allen politischen Aspekten hat der Tag jedoch auch einen übernatürlichen Aspekt für einige christliche Beobachter.

Der Tag der Solidarität wurde am 30. November im Rahmen eines besonderen Treffens bei den Vereinten Nationen in Genf begangen. Für den alljährlichen Gedenktag wurde dieses Datum gewählt, weil am 29. November 1947 die Generalversammlung die Teilungsresolution zur Errichtung eines Jüdischen und eines Arabischen Staates in Palästina verabschiedet hatte, und Jerusalem einer internationalen Verwaltung unterstellt worden war. Von den beiden laut dieser Resolution zu gründenden Staaten existiert bisher nur einer, Israel.

Der Tag ist ein "Welttag" der Vereinten Nationen.

Der Regisseur von "Land of the Story", Rashid Masharawi, ist im Gazastreifen, im Al-Shati Flüchtlingslager, aufgewachsen. Da er als palästinensischer Bürger aus Gaza die Stadt Jerusalem nicht offiziell betreten darf, wurde die Dokumentation von Palästinensern, die in Jerusalem leben, verdeckt gefilmt.

Der Generaldirektor der Vereinten Nationen in Genf, Michael Möller, zitierte den UN Generalsekretär Ban Ki-moon: "Spannungen an den Heiligen Stätten in der Jerusalemer Altstadt hätten in diesem Konflikt eine beunruhigende und gefährliche religiöse Dimension erreicht."

Eine christliche Perspektive

Hier ging es jedoch von Anfang nicht nur um weltliche Dinge wie Gebietsansprüche, Ungerechtigkeit und Identität, sondern um einen "geistlichen Kampf" – so zumindest Véronique Nebel, Initiatorin der "Vereinigung zur Förderung des ausserordentlichen Gebets aller Kirche für Versöhnung, Einheit und Frieden, ausgehend von Jerusalem", sagte, auch Sie denke, dass all dem ganz bestimmt ein geistlicher Kampf zugrunde liegt. Sie sagte: "Natürlich gibt es überall auf der Welt geistlichen Kampf, dort aber ist er besonders heftig und tobt voller Wut, weil dort natürlich der Feind, der große Feind des Menschen, ein für allemal besiegt wurde. Deshalb drückt er seinen Hass und seine Wut aus. Seine Zeit ist jetzt begrenzt. Er ist ein für allemal besiegt worden – und zwar genau dort."

Mitri Nasrawi, ein in Jerusalem geborener Katholik, lebt jetzt inmitten einer besetzten Stadt, Ost-Jerusalem, umgeben von Siedlern. Die Israelis haben ihm in der Vergangenheit oft  größere Geldsummen angeboten, wenn er sein Haus verkaufen und wegziehen würde, aber Mitri hat abgelehnt.

Voller Begeisterung sagt er: "Aber Jerusalem ist immer noch schön und hat großartige Riten... Liebst du es? Jerusalem ist die Schönste von allen. Jerusalem ist mein Leben. Niemals würde ich daran denken, von hier wegzugehen oder auszuwandern...Gott bewahre! Hören Sie, Jerusalem ist in meinen Adern, in meinem Blut. Es ist absolut unmöglich, dass ich die Stadt verlasse. Für wen sollte ich sie verlassen?"

Beim "Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk" bei den Vereinten Nationen würdigten die Anwesenden all jene, die für die palästinensische Unabhängigkeit gekämpft haben und alle, die in Kriegen, unter der Besatzung, als Flüchtlinge oder im Exil lebten und gestorben sind. Es gibt derzeit acht Millionen Palästinenser.

Ziel vom eigenen, unabhängigen Staat

Botschafter Dr. Ibrahim Kraishi, Ständiger Beobachter des Staates Palästina bei den Vereinten Nationen in Genf, sagte: "Ich hoffe, dass diese Zusammenkunft dazu beiträgt, letzten Endes unseren Traum, unser Ziel zu verwirklichen: unser Recht auf Selbstbestimmung und unseren eigenen, unabhängigen Staat – durch ein Ende der Besatzung und ein Abkommen mit den Israelis,  Seite an Seite in Frieden und Sicherheit zu leben."

Auf ihren vielen Reisen ins Heilige Land hat Véronique Nebel selbst erfahren, wie schwer es ist, sich auf Dauer den  inneren Frieden und eine innere Unvoreingenommenheit  zu bewahren. Sie sagte, dass Sie täglich bis zu vier Stunden betet, wenn sie dort ist, und fügte hinzu: „Besonders, wenn man mit den Menschen und ihrer Situation hier zu tun hat."

Regisseur Rashid Mashrawi hob hervor, in der Stadt herrsche eine bunte Vielfalt von Religionen und Kulturen. Es gebe aber israelische Bestrebungen, alle diese Farben zu einer einzigen zu machen.

Der Staat Palästina wird von 136 Ländern anerkannt und seine Flagge weht bei den Vereinten Nationen neben denen aller Mitgliedsstaaten. Kinder im Gazastreifen werden von diesen Fortschritten aber ebenso wenig spüren, wie die Bewohner von Nablus, Hebron und Ost- Jerusalem. UN Generalsekretär Ban Ki-moon rief dazu auf, alle Kräfte einzusetzen, um den gerechten Frieden herbeizuführen, den die Völker von Israel und Palästina verdienen.

Véronique Nebel sagte, sie glaube, dass  jeder Christ irgendwie fühle, dass er dort geboren sei: „Er ist im Glauben hier geboren. Hier wurde er erlöst – das ist das Erste, das Wichtigste. Wir sollten ewig diesen Ort unserer Erlösung respektieren und ehren, denn hier wurden wir gewürdigt, Söhne und Töchter Gottes zu sein."

- Dieser Bericht wurde von unserem U.N.-Korrespondenten Christian Peschken verfasst, von Pax Press Agency in Genf. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency unter  www.paxpressagency.com  -