Ist Religion intolerant oder ist man intolerant gegenüber Religion?

Weltwoche der Interreligiösen Harmonie bei den Vereinten Nationen in Genf – Dialog zu Glaube, Friedensarbeit und Entwicklung

Der Schauplatz der Veranstaltung in Genf
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Bei den Vereinten Nationen in Genf drehte sich die erste Februarwoche um die "World Interfaith Harmony Week", der Weltwoche der Interreligiösen Harmonie. Mitveranstalter der "Gespräche in der Bibliothek" war das Königreich Jordanien.

Dialog zu Glaube, Friedensarbeit und Entwicklung

"Es ist wirklich eine willkommene Gelegenheit, hier – sozusagen im Tempel des Wissens – zu sein und darüber zu sprechen, wie man gemeinsam daran arbeiten kann, dass Koexistenz und Toleranz gelingen und die Welt etwas besser wird." sagte Botschafterin Saja Majali, ständige Vertreterin des haschemitischen Königreichs Jordanien bei den Vereinten Nationen in Genf, zur Eröffnung der Gesprächsrunde.

Die Veranstaltung stand dieses Jahr unter dem Motto: "Dialog zu Glaube, Friedensarbeit und Entwicklung". In zwei Gesprächsrunden diskutierte man in der UN-Bibliothek die Rolle des Glaubens in der Friedensarbeit sowie für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.

Die Sprecher, Vertreter von Mitgliedsstaaten, glaubensbasierten Organisationen und UN Körperschaften, boten einen Einblick in die christliche und die muslimische Sichtweise auf diese beiden wichtigen Sachgebiete.

"Auf humanitärem Gebiet ist der interreligiöse Dialog sehr wichtig,“ sagte Botschafterin Marie-Thérèse Pictet-Althann, ständige Beobachterin des Souveränen Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf. “Wir müssen ihn ausbauen und daran arbeiten“, fuhr sie fort. „Ich hoffe, dass sich auch der Welt-Humanitätsgipfel hiermit befassen wird."

Wichtigkeit der Nächstenliebe

Beris Gwynne, die ehemalige Direktorin von World Vision International Genf meinte: “Wenn man einen Blick auf Gemeinschaften wirft, die weniger gut versorgt sind, findet man ein weitaus größeres Bewusstsein für die Notwendigkeit, großzügig zu sein, und sich um seinen Nachbarn zu kümmern. Das ist etwas, was der sogenannten wohlhabenden Gesellschaft und den führenden Entwicklungsländern verloren gegangen ist."

In ihrer Stellungnahme, dem Interfaith-Statement unterstreichen die Vereinten Nationen: Alle Völker der Welt seien durch ihre gemeinsame Humanität und ihren gemeinsamen Planeten Erde verbunden, wie auch durch die Liebe zu Gott oder dem Guten und die Liebe zum Nächsten.

Erzbischof Silvano M. Tomasi, bis Januar 2016 apostolischer Nuntius bei den Vereinten Nationen in Genf, brachte: "Vor der widersprüchlichen Entwicklung der zunehmenden Bedeutung der Religion in der Gesellschaft einerseits und der wachsenden Diskrimination und Verfolgung Gläubiger andererseits stellt sich die Frage: Ist Religion intolerant oder ist man intolerant gegenüber Religion?"

Gegenseitige Bereicherung zwischen Islam und Christentum

Botschafter Slimane Chikh, ständiger Beobachter der Organisation für Islamische Zusammenarbeit bei den Vereinten Nationen in Genf, wies auf die gute Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl hin: "Ich habe viel gearbeitet, viel mit anderen zusammen gearbeitet, wir haben gemeinsame Aktionen gestartet ...zum Beispiel mit dem Vertreter des Heiligen Stuhls. Wir bereichern uns gegenseitig, wir versuchen – solange wir alle noch daran interessiert sind, den Dialog zu fördern – eine Botschaft der Brüderlichkeit unter allen Menschen zu formulieren und zu überbringen. Das ist meiner Meinung nach die Aufgabe der Religionen."

"Wer Gott für tot erklärte, war im Irrtum"

"Und ich glaube, dass viele, die vor vierzig Jahren Gott für tot erklärt und das zu ihrer Religion gemacht haben, sehr im Irrtum waren,“ sagte Botschafter Luis Gallegos, früherer ständiger Vertreter Ecuadors bei den Vereinten Nationen, "weil sie den tiefen Sinn des Glaubens im Leben Einzelner und ganzer Gesellschaften nicht richtig verstanden und eingeschätzt haben."

Wie Erzbischof Tomasi ergänzte, sei der Wille der meisten Christen, Juden, Muslime und anderer Religionen zu Dialog und Frieden ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes.

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency, verfasst.  Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins 'Vatikano'. Weitere Informationen zu Pax Press Agency, Genf unter www.paxpressagency.com