Der Oberst und die Putzfrau – Eine Geschichte über Hoffnung in der Coronavirus-Pandemie

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Foto: unsplash (CC0)

Diese Geschichte eines Patienten und einer Reinigungsfrau zeigt, wie wichtig diese "stillen Arbeiter" auf dem Weg der Genesung und für die emotionale Unterstützung der COVID-19 Patienten in den Krankenhäusern waren.

Im Verlauf der Pandemie wurden die Besuche von Angehörigen und Priestern in den Krankenhäusern immer mehr eingeschränkt; das führte dazu, dass die Patienten, die mit dem Coronavirus kämpften, sehr viele Stunden alleine waren.

In dieser Situation wurden Reinigungskräfte – selber oft ignoriert – zu einer echten emotionalen Unterstützung für die Kranken, die inmitten ihrer Einsamkeit in diesen kurzen Momenten jemanden fanden, der ihnen oft Mut machte, ihre Probleme anhörte und ihnen half, die Hoffnung nicht zu verlieren.

So war es auch bei dem pensionierten Oberst der amerikanischen Luftwaffe, Jason Denney, wie ACI Prensa, die spanische Schwesteragentur von CNA Deutsch berichtet.

Denney wurde ins Dr. P. Phillips-Krankenhaus in Orlando (USA) eingeliefert und Rosaura Quinteros, eine 33-jährige Frau aus Guatemala, war für die Reinigung seines Zimmers zuständig.

Denney befand sich in einem kritischen Gesundheitszustand und hatte die Hoffnung auf Heilung aufgegeben. Frau Quinteros aber ermutigte ihn, weiter zu kämpfen, und erinnerte ihn daran, dass sein Leben nicht nur in den Händen der Ärzte, sondern auch in den Händen Gottes stehe.

Der Oberst wollte nicht intubiert werden und auch keine schmerzstillenden Medikamente, deshalb hatte er unbeschreibliche Schmerzen. Obwohl er wusste, dass es wichtig war, über seinen Gesundheitszustand Beschied zu wissen, wollte er nicht mehr darüber reden und sehnte sich nach den kurzen Besuchen Quinteros.

"Es war wirklich schön, über etwas anderes als meine Krankheit zu sprechen", so Denney in einem Interview mit CNN. "Ich war es leid zu hören, wie schlecht es mir gehe."

Die Verantwortliche für die Krankenhausseelsorge, Melinda Plumley, erklärte, wegen der Angst vor Ansteckung seinen Gespräche von Angesicht zu Angesicht unmöglich gewesen. Die Reinigungskräfte und andere Mitarbeiter wurden so zu den geeigneten Ansprechpartner für die Kranken.

"Wir haben einfache und offene Fragen zusammengestellt, mithilfe derer das Personal mit den Patienten sprechen konnte" so die Krankenhausseelsorgerin. "Und jetzt gibt es Patienten, die erklären: ´Ich bin mir sicher, wenn die Reinigungsfrau, die mein Zimmer saubergemacht hat, nicht gewesen wäre, hätte ich es nicht geschafft´."

Denney hat versichert, dass diese kurzen Augenblicke der Gespräche mit Quinteros ihm das Leben gerettet haben.

"Ich glaube nicht, dass sie sich in diesem Moment bewusst war, was sie für mich tat. Sie hat mir das Leben gerettet", so der Amerikaner.

Quinteros sagte gegenüber dem TV-Sender "CNN", sie hätte die Angst und die Schuldgefühle Denneys sofort bemerkt. Und auch wenn Englisch nicht ihre Muttersprache ist, zögert sie nicht, mit den Oberst zu sprechen. Bald entstand eine Beziehung, die für Denney ein Lichtstrahl inmitten seines Schmerzes war.

"Er tat mir sehr leid und ich wollte sichergehen, dass er wusste, dass er nicht allein war" fügte sie hinzu.

Die Reinigungskräfte in den Krankenhäusern befinden sich in einer schwierigen Situation - finanzielle Nöte und die Möglichkeit, sich bei der Arbeit mit der Krankheit anzustecken.

Quinteros erklärte, sie sei der Überzeugung, dass sie – zusammen mit der Schutzausrüstung - auch ihr Glaube schützen würde und dass sie alles in die Hände Gottes gelegt habe.

"Ich vertraue auf die Schulungen, die ich im Krankenhaus erhalten habe und ich vertraue auf Gott", fügte sie hinzu.

Auch die Forscherin Jane Dutton von der Universität in Michigan betonte, dass in diesen Momenten die Reinigungskräfte der Krankenhäuser und andere "unsichtbaren Arbeiter" Leben retten können.

"Es reichen 40 Sekunden liebevoller Interaktion, um die Stimmung eines Patienten derart zu verändern, dass sich das auf den gesamten gesundheitlichen Zustand auswirkt", so Dutton.

Denney wurde wieder gesund. Und er bat um die Telefonnummer von Frau Quinteros, um ihr für ihre Arbeit und für die Unterstützung zu danken, die sie ihm in der ganzen Zeit des Kampfes gegen das Coronavirus gegeben hatte.

"Es würde mich freuen, sie einmal wiederzusehen und ihr zu danken" so Denney. "Die Leute merken nicht, dass - in den kurzen Begegnungen mit anderen Menschen - die Worte, die du sagst, von Bedeutung sind", endete er. 

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