Wie der Glaube Folter-Opfern einen Halt gibt

Tagung an der UN unter dem Motto: "Reise der Opfers: Wiedergutmachung und Wiedereingliederung für Folteropfer in Migration"

Ein Folteropfer
Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva
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Christen sind die mit Abstand am schlimmsten verfolgte Religionsgemeinschaft; doch auch andere Gruppen - etwa die muslimische Bevölkerungsminderheit der Rohingya in Burma - leiden unter Flucht und Verfolgung – und kämpfen aber auch selber um einen eigenen Staat. Fast 70.000 Rohingya haben Zuflucht in Bangladesch gesucht; nicht wenige erlebten dort jedoch weitere Gewalt.

Papst Franziskus in der Generalaudienz vom 8. Februar 2017:

"Die Rohingya leiden seit Jahren, sie werden gefoltert und getötet, einfach nur, weil sie ihre Kultur und ihren muslimischen Glauben leben wollen. Lasst uns für sie beten. Lasst uns zu unserem Vater, der im Himmel für unsere Rohingya da ist, beten!"

Zwei Drittel der fast 50.000 Folteropfer, die jedes Jahr vom "Freiwilligen Fonds der Vereinten Nationen für Folteropfer" unterstützt werden, sind laut der Vorsitzenden des Fonds, Gaby Oré Aguilar, Migranten und Flüchtlinge.

"Diese schockierende Zahl zeigt auf, dass fachkundige und schnelle Hilfe nötig ist, um die Menschenrechte von Menschen in Bewegung zu schützen und voranzubringen".

Kürzlich hielt der Fonds eine Arbeitsgruppe ab, mit 17 Experten, bei den Vereinten Nationen in Genf; bei der daran anschließenden Diskussionsrunde ging es um die "Reise der Opfers: Wiedergutmachung und Wiedereingliederung für Folteropfer in Migration".

Ein Zeugnis, das wachrüttelt

Im Interview mit EWTN.TV erklärten Experten, warum die Geschichten der Opfer und Überlebenden von Folter an die Öffentlichkeit gebracht werden müssen.

"Es ist als vorbeugende Maßnahme sehr wichtig, denn wenn die Menschen wissen, dass das Verbrechen der Folter existiert, können sie sich zukünftig dafür einsetzen, solche Verbrechen abzuschaffen", so die jordanische Menschenrechts-Anwältin Eva Abu Halaweh, die an der Diskussion teilnahm.

Die Veranstaltung wurde von Kate Gilmore, der stellvertretenden Hohen Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen eröffnet. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten Experten – darunter ein Folteropfer, Ärzte, Psychiater und Rechtsanwälte, die für Organisationen arbeiten, die vom Fonds unterstützt werden über die Zusammenhänge zwischen Folter und Migration und darüber, wie man am effektivsten auf die Bedürfnisse von Folteropfern im Zusammenhang mit Migration eingehen kann.

Trost und Halt durch den Glauben

Ebenfalls an der Podiumsdiskussion teil nahm Kolbassia Haoussou, selbst Folteropfer. Er berichtete unter Tränen, wie ihm sein Glaube in dieser Zeit schlimmer Angst, Schmerzen und Leid half:"

"Ich fühlte mich umarmt,und spürte ein Gefühl von Wärme und Trost. So, als ob Gott mich fest an sich drücken würde. Und in diesem Moment, wusste ich, dass Gott bei mir ist. Wissen Sie, auf diese Weise sagt Gott: mach dir keine Sorgen, Ich bin da, ich werde bei dir sein und von jetzt an wird alles gut."

Durch Folter belastete Menschen geraten auf ihrer Migration oft in unglaubliche Bedrängnis. Selbst wenn sie in einem Land ankommen, das im Ruf steht, Menschenrechte zu respektieren und Asyl zu gewähren, erleben sie rechtliche und politische Unsicherheit, die ihnen schwer zusetzen kann.

Marie Salphati vertritt FIACAT, die Internationale Aktion von Christen für die Abschaffung der Folter, bei den Vereinten Nationen in Genf. "Ich denke, Glaube und Religion spielt hier eine wichtige Rolle. Nehmen wir zum Beispiel Christen: wer könnte ihnen besser durch diese wirklich schmerzhafte Erfahrung helfen als Jesus, der selbst gefoltert und gekreuzigt wurde?"

Die Veranstaltung präsentierte eine Vielfalt konkreter Projekte, die es sich zum Ziel gemacht haben, Migranten, die ehemalige Folteropfer sind, medizinische, rechtliche und psychosoziale Unterstützung zu ermöglichen.

Ein Ziel, das gänzlich übereinstimmt mit der Arbeit des UN Flüchtlingsbüros und seiner Vertreter im Ausseneinsatz, so wie die Schauspielerin Angelina Jolie, die Sonderbotschafterin des Hohen UN Flüchtlingskommissars (UNHCR) ist:

"Ich gebe nicht vor, zu wissen, was sie fühlen, weil ich es mir nicht vorstellen kann. Aber ich bin da, um ihnen zuzuhören und zu versuchen, ihnen eine Stimme zu geben. Wenn sie mir ihre Geschichten erzählen, kann ich helfen, den Dialog zu fördern, der hoffentlich die Länder dazu bringt, Entscheidungen im Interesse dieser Familien zu fällen", so die Hollywood-Schauspielerin. "Wenn ich mich mit Flüchtlingen treffe, möchte ich ihnen auch keine schnellen Lösungen oder Antworten anbieten, ihnen sagen, dass alles wieder gut wird. Denn ich weiß, dass die Wirklichkeit so aussieht, durchschnittlich 17 Jahre in einem Flüchtlingslager zu bleiben, und dass es für diese Familien nie wieder so sein wird wie vorher."

Marie Salphati von FIACAT erinnert an die Worte  des anglikanischen Geistlichen Michael Labsey: "Der sagte, dass wir Zeugenaussagen brauchen und dass die Anerkennung des Status eines Folteropfers der erste Schritt zu ihrer Heilung ist."

Zielsetzung des Podiums war es, die jeweiligen Erlebnisse und Fähigkeiten der Teilnehmer zum Nutzen aller zu bündeln und die breite Öffentlichkeit wachzurütteln.

"Ich persönlich denke, dass wir an einem Scheideweg stehen", so Kate Gilmore am Ende ihrer Rede, "einem Scheideweg in der Geschichte, nach dem allein wir sicherlich gerichtet werden, und angesichts dessen niemand von uns schweigen kann, weil fundamentale Prinzipien auf dem Spiel stehen. Heute sprechen wir von Migranten, morgen von der Kriminalisierung der Armen. Und später von der Vorstellung, dass manche Länder irgendwie wichtiger sind als andere."

Dieser Bericht wurde von unserem Genfer UN-Korrespondenten Christian Peschken von Pax Press Agency, Genf, verfasst. Der Bericht ist auch im Rahmen der EWTN.TV-Sendung 'Vaticano' zu sehen. Mehr zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com