31 Januar, 2026 / 7:00 AM
In der Katechese vom 4. August 1982 (veröffentlicht in L’Osservatore Romano 82/33–34) setzt Johannes Paul II. seine Reflexionen über den Epheserbrief und das Sakrament der Ehe fort. Die paulinische Theologie fokussiert den „ewigen Heilsplan für den Menschen in Jesus Christus“.
Die Adressaten des Briefes, die Gemeinde in Ephesos damals und über sie hinaus alle, die der Kirche des Herrn angehören, werden an die Bestimmung des Menschen erinnert, eine Bestimmung, die hier Christen, Juden und Heiden umfasst: „Die sündige Menschheit ist zu einem neuen Leben in Christus berufen, in dem Heiden und Juden eins werden sollen, wie der Tempelbau eine Einheit bildet (vgl. Eph 2,11–21).“
Zu welcher Lebensweise ist der Christ berufen? Das Leben des Christen wurzelt im „Mysterium Christi in der Kirche“. Die Christen sind aufgefordert, die Einheit zu bewahren, die Einheit, „die sich auf der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Gaben Christi aufbaut“.
Damit ist freilich nicht – in der Sprache der heutigen Zeit – die illustre Agenda der säkularen Diversität gemeint, sondern die je eigene persönliche Berufung, die ein jeder Mensch von Gott empfangen hat: „Jedem ist eine andere Gabe geschenkt, aber alle müssen als Christen ‚den neuen Menschen anziehen, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit‘ (Eph 4,24). Damit ist eine kategorische Aufforderung verbunden, die Laster zu überwinden und sich die Tugenden anzueignen, die der Berufung gemäß sind, die allen in Christus zuteil geworden ist (vgl. Eph 4,25–32). Der Verfasser schreibt: ‚Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat … als Opfer‘ (Eph 5,1–2).“
Die Christen sollen erfüllt sein von einem geistlichen Leben, dem Lob Gottes in ihrer Mitte Raum schenken und den Lastern entsagen. Das gilt für die Gemeinde, ebenso auch für das christliche Familienleben: „Wir können leicht feststellen, dass der wesentliche Gehalt dieses ‚klassischen‘ Textes dort sichtbar wird, wo sich zwei Leitgedanken des ganzen Epheserbriefes kreuzen: der erste ist der des Geheimnisses Christi, das sich als Ausdruck des göttlichen Heilsplans in der Kirche verwirklicht; der zweite Leitgedanke ist jener der christlichen Berufung als Modell für das Leben der einzelnen Getauften und der einzelnen Gemeinden, entsprechend dem Geheimnis Christi, das heißt dem göttlichen Heilsplan für den Menschen.“
Gesprochen wird vom Gehorsam, damit auch vom inneren Hören auf Christus. Der Gehorsam ist nicht zu verwechseln mit der Unterordnung in der antiken Sklavenhaltergesellschaft, sondern geschieht aus Freiheit, Liebe und Hingabe: „Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus“ (Eph 5,21). Im Leben und Sterben, so auch in der sakramental geschlossenen Ehe von Mann und Frau und in der auf ihr gründenden Familie, ist das Moment der Wechselseitigkeit betont, verbunden in der Demut und Liebe zu Gott.
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