Redaktion, 26 Januar, 2026 / 11:00 AM
Rund drei Monate nach der Ernennung von Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien hat Kardinal Christoph Schönborn OP am Samstag seinen Nachfolger im Stephansdom zum Bischof geweiht. Der Dominikaner, der etwa 30 Jahre lang für die Erzdiözese zuständig und im Januar 2025 zurückgetreten war, hielt auch die Predigt, in der er auf das biblische hörende Herz einging.
Grünwidl selbst meldete sich am Ende der Messe, in welche die Bischofsweihe eingebunden war, mit einer humorvollen Bemerkung: „Wir haben heute alle in Österreich ein bewegendes Erlebnis mitfeiern dürfen, das sogar international Beachtung gefunden hat. Ich meine natürlich die Abfahrt in Kitzbühel, die Streif.“
Es sei „darum gegangen: Wer ist der Schnellste? Wer ist der Erste? Und wer steht am Schluss auf dem Stockerl? Ich stehe hier jetzt auch auf einem Podest. Aber deshalb bin ich nicht der Wichtigste in der Erzdiözese Wien. Denn in der Kirche geht es nicht darum, wer vorne steht und oben steht, sondern es geht darum, wer groß ist in der Liebe.“
Nach der Matura und dem Studium wurde der in wenigen Tagen 63-jährige Grünwidl 1988 im Wiener Stephansdom zum Priester geweiht. In den ersten Jahren seines priesterlichen Lebens war er Kaplan, Kurat und schließlich Diözesanjugendseelsorger. Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Schönborn, der damals gerade sein Amt angetreten hatte.
Von 1998 bis 2014 war Grünwidl Pfarrer in Kirchberg am Wechsel, danach bis 2023 Pfarrmoderator in Perchtoldsdorf. Schönborn ernannte ihn dann zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd. Papst Franziskus machte ihn Anfang 2025 schließlich zum Apostolischen Administrator von Wien.
Schönborn sagte in seiner Predigt, die Bischofsweihe gebe Grünwidl „keine weltliche Regierungsvollmacht und keinen entsprechenden Auftrag, sehr wohl aber den Auftrag, die Gemeinschaft der Gläubigen der Erzdiözese Wien zu leiten“.
„Es war genau diese Aufgabe, die dich erschreckt hat, so dass du dem Papst durch den Apostolischen Nuntius mitgeteilt hast, du seist bereit, einstweilen Administrator zu sein, aber nicht Erzbischof zu werden“, fuhr er fort. „Die Aufgabe schien dir einfach zu groß, zu vielfältig. Dein Nein war klar, und ebenso klar war es, dass du dieses Amt, zu dem du heute die Weihe empfängst, wirklich nicht angestrebt hast.“
Im Oktober hatte Grünwidl dies selbst öffentlich bekanntgegeben: „Dass die Ernennung eines neuen Bischofs so lange gedauert hat, hat auch ein bisschen mit mir zu tun. Ich habe nach einigem Zögern jetzt aus ganzem Herzen ‚Ja‘ zu dieser Aufgabe gesagt. Dazu hat mir eine Erkenntnis geholfen, die in den letzten Monaten in mir gereift und stärker geworden ist: Gott braucht mich nicht perfekt, sondern er will mich verfügbar.“
„Im Vertrauen auf so viele, die mich im Gebet unterstützen und im Vertrauen auf Gottes Hilfe, der mich stützen und führen und stärken wird, nehme ich gerne diese Aufgabe an“, fuhr er damals fort. „Ich freue mich darauf und auf die Begegnung mit vielen Menschen – die schon zu uns in der Kirche gehören oder auf der Suche sind –, denen ich vielleicht eine Hilfe sein kann für ihren Lebensweg.“
Grünwidl war laut ORF ein „Mitglied der kritischen ‚Pfarrerinitiative‘“, die sich in einem „Aufruf zum Ungehorsam“ ausdrücklich „für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt“ aussprach. Auch die Zeitung „Der Standard“ schrieb am Donnerstag: „Grünwidl war früher Mitglied der kritischen ‚Pfarrerinitiative‘ und ist offen für Reformen.“ Auf der offiziellen Mitgliederliste der Initiative wird Grünwidl derzeit nicht geführt, wurde aber für eine Fernsehsendung noch im Jahr 2023 als deren „Unterstützer“ vorgestellt.
Zu Beginn seiner Zeit als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien im Januar hatte sich Grünwidl zu seiner einstigen Mitgliedschaft bei der „Pfarrer-Initiative“ geäußert. Er sei dort ausgetreten, so Kathpress, „weil er zum einen den Eindruck hatte, dass Papst Franziskus diese Initiative mit seinen Vorschlägen und Ideen ‚sowieso rechts überholt‘ habe. Zum anderen habe für ihn das von der Pfarrerinitiative auf ihre Fahnen geheftete Stichwort Ungehorsam nicht mehr gepasst. Ihm sei ‚kritischer Gehorsam‘ wichtig, ‚ein offenes gegen den Bischof kann ich mir in der Kirche nicht vorstellen‘.“
Der neue Erzbischof von Wien zeige sich „offen für Reformen“, so der ORF im Oktober 2025. „Er betonte erst kürzlich, der Zölibat sei für ihn persönlich eine bewusst gewählte Lebensform, aber ‚keine Glaubensfrage‘ und sollte daher für Priester nicht zwingend vorausgesetzt werden.“
„Beim Thema Frauen in der Kirche ortete er ‚dringenden Klärungsbedarf‘“, hieß es weiter. „Das Frauendiakonat sollte weiter diskutiert werden, auch eine Aufnahme von Frauen ins Kardinalskollegium wäre für Grünwidl denkbar. Als Administrator nahm er drei Frauen ins diözesane Leitungsteam auf.“
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