Zu allen Zeiten der Kirchengeschichte gab es geschmeidige Propheten einer unbestimmten Zeitgeistlichkeit und Streiter für den rechten, katholischen und apostolischen Glauben. Nicht aber auf feurige Worte kommt es an.

Am Beispiel des Apostels Petrus wird sichtbar, dass die "radikale Treue bis in den Tod hinein", die er bekennt, nur eine Momentaufnahme ist.

Benedikt XVI. hat im zweiten Band der Jesus-Trilogie darauf aufmerksam gemacht. Petrus will sein Leben für Jesus hingeben, aber "sein Heroismus endet mit der Verleugnung": "Um sich den Platz am Feuer im Vorhof des hohepriesterlichen Palastes zu sichern und möglichst auf dem neuesten Stand über das Geschick Jesu zu bleiben, behauptet er, ihn nicht zu kennen." (Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Freiburg im Breisgau 2010, 88) Am Ölberg schlägt er mit dem Schwert noch einem Diener des Hohepriesters ein Ohr ab. Zeigt sich darin nicht Stärke, Mut und Entschlossenheit? Will Petrus nicht den Herrn verteidigen? Er müsse lernen, so Benedikt, "dass auch das Martyrium nicht heroische Leistung ist, sondern Gnade des Leidenkönnens für Jesus": "Er muss vom Heroismus der eigenen Taten Abschied nehmen und die Demut des Jüngers erlernen. Sein Wille zum Dreinschlagen, sein Heroismus, endet mit der Verleugnung." (ebd., 88)

Von der "Gnade des Leidenkönnens" möchten auch wir oft nichts wissen. Vieles müssen wir schlicht aushalten. Manche fühlen sich dazu berufen, das große Wort zu führen. Jammer und Wehklage ist nicht fern von uns. Aber keine Mühsal wird dadurch leichter, wenn wir über sie zu stöhnen beginnen oder heroische Bekenntnisse ablegen. Wir müssen annehmen lernen, was uns gegeben ist. Auch wenn Glieder der Kirche heute als progressistische oder traditionalistische Partei auftreten, vermehren sie oft eher nur den Lärm der Welt. Künden und bezeugen sie auch das Licht der Welt? Über alles Mögliche können wir uns erregen, empören und meckern – doch wissen wir, worin die "Gnade des Leidenkönnens" liegt?

Die Kirche ist kein Stammtisch, der Ort der Nachfolge Jesu vollzieht sich auch nicht in einer Kneipenatmosphäre. Ist uns schon aufgegangen, zu welchem Zeugnis wir selbst bestellt sind? In den Erneuerungs- und Restaurationsprogrammen der Kirche werden oft Formen eines weltlichen Heroismus sichtbar. Wer aber wird wirklich beim Herrn sein und bleiben? Wer hält ihm die Treue – und wie geschieht das? Petrus muss die "Demut des Jüngers" lernen – und wir sicherlich auch, etwa dann, wenn wir meinen, dazu bestellt zu sein, die Kirche des Herrn zu belehren, statt uns von ihr führen zu lassen. Einige meinen, man müsse doch erst einmal richtig und gründlich aufräumen, den Zölibat abschaffen, die Morallehre aufgeben – und die Kirche an die vermeintlichen Erfordernisse der Zeit anpassen. Andere fordern, dass die Kirche sich nicht in die Vormundschaft der Welt begeben dürfe, opponieren müsse gegen alle staatlichen Maßnahmen – etwa gegen jene, die seit der Corona-Pandemie bestehen – und sich dem widersetzen, was angeordnet wird. Wäre das nicht heroisch? Wer etwa die Mund-Nase-Bedeckung als unerträgliche Zumutung erlebt und nicht als Opfer ansieht, möge sich daran erinnern, dass der Herr es am Kreuz auch nicht leicht gehabt hat. Wie schön wäre es, wenn der Eifer der Empörung doch in eine Dynamik der Evangelisierung umgewandelt werden könnte.

Ja, große Worte machen viele. Auch der Apostel Petrus gehörte dazu. Wer aber vor Christus die Knie beugt, auch von innen her, wird es kaum wagen, heroisch aufzutreten und unangemessene Forderungen zu stellen. Benedikt XVI. schreibt über Petrus: "Er muss lernen, auf seine Stunde zu warten; er muss das Warten, das Weitergehen lernen. Er muss den Weg der Nachfolge erlernen, um dann zu seiner Stunde dahin geführt zu werden, wohin er nicht wollte (Joh 21,18) und die Gnade des Martyriums zu empfangen." Auch wir tun uns mit dem Warten sehr schwer. Wohin wird der Herr uns führen? Welche "Gnade des Martyriums" steht uns bevor? Wir alle, Sie und ich, werden sehen, worauf wir zugehen, was uns geschenkt und zugleich vielleicht verhängt sein wird. Doch am Ende, so hoffen wir, geht unsere Pilgerreise himmelwärts. Benedikt XVI. spricht von der "Demut des Dienstes" (ebd., 89), die Petrus lernen müsse – und wir mit ihm: "Nicht Gott vorzuschreiben, was er zu tun hat, sondern ihn annehmen zu lernen, wie er sich uns zeigt; nicht sich selbst auf die Höhe Gottes schwingen zu wollen, sondern in der Demut des Dienstes langsam zurechtgeformt zu werden zum wirklichen Ebenbild Gottes."

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