Autobiografie von Bischof Fulton Sheen auf Deutsch veröffentlicht

Sheen ist als der große Medienapostel des 20. Jahrhunderts bekannt – zunächst im Radio, dann im Fernsehen, und schließlich im Farbfernsehen.

Erzbischof Fulton Sheen
Foto: Dumont Network, via Fair Use
22 February, 2021 / 6:47 AM

Der US-amerikanische Bischof Fulton Sheen ist als der große Medienapostel des 20. Jahrhunderts bekannt – zunächst im Radio, dann im Fernsehen, und schließlich im Farbfernsehen. Doch sein Leben bot viel mehr als "nur" Auftritte in den Medien. Die grandios kurzweilige Autobiografie "Treasure in Clay" liegt nun auch in deutscher Sprache bei Media Maria vor, und zwar unter dem Titel "Unerschütterlich im Glauben".

Der 1979 verstorbene Bischof versteht es, mit dem gedruckten Wort seine Leser zu fesseln. Praktische Ratschläge wechseln sich ab mit tiefgründigen theologischen Überlegungen, humorvolle Geschichten mit Bekenntnissen der eigenen Unzulänglichkeiten.

Fast unvorstellbar ist, wie viel Arbeit Sheen in seine Fernsehsendungen steckte, um nicht vom Teleprompter oder gar einem Manuskript ablesen zu müssen. "Ich bereitete mich ungefähr dreißig Stunden lang auf jede Fernsehsendung vor, was bedeutete, dass ich mit dem Material eine Stunde oder länger hätte sprechen können." Es ging jedoch nicht einfach darum, einen Vortrag auswendig zu lernen, sondern die Materie so zu beherrschen, dass er einen Punkt, den er eventuell vergessen hatte, mit anderen Punkten ersetzen könnte.

"Einen oder zwei Tage vor der Ausstrahlung 'probte' ich, wieweit ich mir den Umfang des Themas zu eigen gemacht hatte, indem ich den Vortrag auf Italienisch einem befreundeten italienischen Professor vortrug, außerdem auf Französisch einem Mitarbeiter, der fließend Französisch sprach" so Sheen. "Das tat ich nicht, weil ich diese Sprachen besonders gut beherrschte, sondern weil ich gezwungen war, die Begriffe in einer anderen Sprache zu formulieren, und ich wusste, dass mir das helfen würde, geistige Klarheit über das Thema zu erhalten."


Zu den geistlich wichtigsten Kapiteln zählen jene über den Zölibat, über die Marienverehrung, und über die Heilige Stunde – jene tägliche Stunde der Anbetung vor dem Allerheiligsten, die Sheen sein ganzes priesterliches Leben lang praktizierte. "Wir werden dem ähnlich, zu dem wir aufblicken", erläutert der Bischof. "Betrachten wir den Sonnenuntergang, dann wird unser Gesicht einen goldenen Schimmer annehmen. Wenn wir eine Stunde lang auf den eucharistischen Herrn schauen, verwandelt sich das Herz auf geheimnisvolle Weise, wie sich Moses Gesicht nach seiner Gemeinschaft mit Gott auf dem Berg verwandelt hatte."

"Es ist mir unmöglich zu beschreiben, in welchem Maß die Heilige Stunde dazu beitrug, meine Berufung zu erhalten", betont Sheen ganz persönlich. "In der Heiligen Schrift sind viele Stellen zu finden, die darauf hinweisen, dass ein Priester beginnt, in seinem priesterlichen Dienst zu scheitern, wenn er in seiner Liebe zur Eucharistie nachlässt. Man nimmt allzu häufig an, dass Judas abfiel, weil er das Geld liebte. […] Der Beginn von Judas’ Abfall und seinem Ende hatten beide mit der Eucharistie zu tun. Der erste Hinweis, dass unser Herr wusste, wer ihn verraten würde, steht am Ende des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums. Dort wird die Eucharistie angekündigt. Judas’ Sturz ereignete sich dann in jener Nacht, in der unser Herr die Eucharistie einsetzte, beim letzten Abendmahl."

Humorvoll geht es immer wieder zu in der Autobiografie. Gleich ein ganzes Kapitel ist dem Humor gewidmet. Durch lustige Geschichten im Rahmen von Vorträgen versuchte Sheen, die Konzentration seiner Zuhörer einen Augenblick lang aufzulockern, um dann wieder geistig aufnahmefähig zu sein.

Aus dem Kapitel zum Zweiten Vatikanischen Konzil, an dem Sheen teilnahm, stammt folgende Anekdote: Der Bischof war einer Kommission zur Vorbereitung des Konzils zugeteilt worden. Mehrere Mitglieder wollten unbedingt "ein Kapitel über den Tourismus ins Konzil einbringen". Sheen konnte mit derlei Ideen nichts anfangen. "Um mich zu überzeugen, brachte der Kardinal, der den Vorsitz hatte, eines Tages eine Liste der Reden mit, die Pius XI. während seines Pontifikats gehalten hatte. Er wies darauf hin, dass er viermal zu Touristengruppen gesprochen hatte, und wenn der Papst ein solches Thema für so wichtig hielt, warum dann nicht auch ich? Am Abend nahm ich eine Übersicht der Ansprachen mit, die der Papst vor anderen Gruppen gehalten hatte, und ich stellte fest, dass er fünfmal zu Urologen gesprochen hatte. Am nächsten Tag argumentierte ich, da der Heilige Vater häufiger zu Urologen als über das Thema des Tourismus gesprochen hatte, müssten wir ein Kapitel über Urologie aufnehmen. Ich bin sicher, dass die vorgetragene Verteidigung der Urologen in lateinischer Sprache einmalig in einem Konzil war."

Am Ende seiner Autobiografie wird Sheen wieder nachdenklich. Ein Priester müsse auch Opfer sein, und doch? "Ich genoss das Prestige, Universitätsprofessor zu sein und im Radio und Fernsehen aufzutreten, wobei die Sendungen nicht nur daheim, sondern auch im Ausland ausgestrahlt wurden. Ich war beliebt und wurde umworben, nach Vorträgen und Ansprachen erhielt ich begeisterten Applaus, ich war ein Freund von königlichen Hoheiten und auch von der Masse der Menschen."

Also fragt der Bischof: "Aber …, aber …, wie nah war ich dem Kreuz? Ich war der Priester – aber war ich auch das Opfer? […] Während viele junge Priester sich mühten, meinen Predigtstil nachzuahmen, stellte sich mir die Frage, ob ich irgendjemanden dazu motivierte, Christus nachzuahmen, indem er täglich sein Kreuz auf sich nahm. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich wusste, dass ich mehr geben sollte, als ich es tat. Ich hätte Christus ähnlicher sein sollen, der keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Ich hätte vor dem applaudierenden Publikum fliehen sollen, wie der Herr nach der Brotvermehrung vor der Begeisterung in Kafarnaum floh. Vielleicht war ich wie Petrus, der zu einem Zeitpunkt 'Jesus von Weitem […] gefolgt [war]'."

 

Gerade dieses Bewusstsein der eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten, welches das ganze Buch durchzieht, ist vielleicht ein Indiz für das heiligmäßige Leben des Bischofs – nicht die Bekehrungen, die man ihm zuschreiben könnte, nicht die gelehrten Vorträge an Universitäten oder im Fernsehen, und nicht die vielen guten Projekte, die er als Leiter des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung unterstützen konnte.

Papst Benedikt bestätigte 2010 den heroischen Tugendgrad von Bischof Fulton Sheen. Neun Jahre später erklärte Papst Franziskus, man habe ein Wunder der Fürsprache des Bischofs zuschreiben können. Zahlreiche Katholiken in aller Welt erwarten sehnsüchtig eine Seligsprechung.

Erzbischof Fulton J. Sheen, "Unterschütterlich im Glauben" ist bei Media Maria erschienen und hat 416 Seiten.

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