Bruder von George Floyd an die UN in Genf: "Ihr Seid Hüter Eurer Schwestern und Brüder"

Elisabeth Tichy-Fisslberger, Präsidentin des UN-Menschenrechtsrates.
Foto: Screenshot
04 July, 2020 / 1:49 AM

Als im vergangenen März der Heilige Stuhl bei der UNO in Genf an der 43. Tagung des Menschenrechtsrates teilnahm, konnte er nicht vorhersehen, dass die Sitzungen wegen eines Virusausbruchs ausgesetzt werden würden. Viel weniger konnte er vorhersehen, dass, wenn die Sitzungen im Juni endlich fortgesetzt werden, sie von einer Pandemie überschattet und von einem Mordfall gebrandmarkt werden.

"Der Tod von George Floyd ist leider kein Einzelfall," so der Vertreter von Burkina Faso, der im Namen der Afrika Gruppe eine Dringlichkeitssitzung des Menschenrechtsrates beantragte.

Die meisten Delegationen verurteilten zwar den Rassismus, vermieden jedoch politisch motivierte Erklärungen. Die Delegation des Heiligen Stuhls war nicht anwesend.   

"Wir sind in einer Umbruchphase," sagt uns Erzbischof Ivan Jurkovič, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO Genf, "und viele Delegationen, so auch der Heilige Stuhl beteiligen sich durch eine videoaufgezeichnete Erklärung. Früher war dies normalerweise nur großen Persönlichkeiten vorbehalten, aber jetzt ist dies zu einem Standardverfahren geworden."

Die Präsidentin des Menschenrechtsrates bat vor Beginn der Dringlichkeitssitzung darum, im Gedenken an alle Opfer von Rassismus und Ungerechtigkeit aufzustehen und eine Schweigeminute einzulegen. George Floyds Bruder sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat in seiner emotionsgeladenen Videobotschaft.  

"Ich bin der Hüter meines Bruders, "bezeichnete sich Phelonise Floyd, "Ihr bei den Vereinten Nationen seid die Hüter Eurer Schwestern und Brüder."  

Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO Genf

"Nun das Traurige ist, dass Sie nun solche Handlungen haben, die etwas Gutes bewirken wollen," meint Erzbischof Ivan Jurkovič, "die jedoch von anderen Handlungsweisen begleitet werden, die grundsätzlich nicht akzeptabel sind."  

Der Heilige Stuhl legte dem Menschenrechtsrat seine Erklärung per Videoclip vor. Er sagte darin, dass Papst Franziskus gefordert hatte, dass die Zeit gekommen sei

jahrhundertealte Vorurteile, vorgefasste Meinungen und gegenseitiges Misstrauen, die oft Grundlage von Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind, zu überwinden.

"Unserer UN-Erklärung", so Erzbischof Ivan Jurkovic, "ist eine Bekräftigung von Prinzipien, die auf der jüngsten Verkündigung des Heiligen Vaters und des Heiligen Stuhls beruht."

In seiner Generalaudienz vom Mittwoch den 3. Juni hatte Papst Franziskus in der Bibliothek des Apostolischen Palastes in seiner Video-Erklärung unter Bezugnahme auf den George Floyd Vorfall verkündet : "Wir können Rassismus und Ausgrenzung in jeglicher Form weder tolerieren noch die Augen davor verschließen und gleichzeitig den Anspruch erheben, die Heiligkeit jedes menschlichen Lebens zu verteidigen."

Die Video-Erklärung des Heiligen Stuhls bei der UNO in Genf knüpfte daran an: "Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass Gewalt selbstzerstörerisch also sich immer selbstruinierend ist. Nichts wird durch Gewalt gewonnen, sondern so vieles geht verloren". 

Erzbischof Ivan Jurkovič erinnert daran, dass der Tag, an dem dieses EWTN Interview aufgezeichnet wurde, "der Tag des heiligen Herzens Jesu ist. Wissen Sie warum wir ein so fantastisches Bild haben, das Jesus zeigt, wie er im Grunde ein Herz darstellt. Es bedeutet, dass Rassismus menschlich gesehen eine beleidigende Haltung ist. Es ist eine intellektuell inakzeptable Haltung. Es ist spirituell eine absolut erniedrigende Haltung. Es ist einfach etwas Schreckliches."

In seiner Erklärung vor der UNO zitierte der Heilige Stuhl den Katechismus, der erklärt, dass die Staaten aufgerufen sind, die grundlegenden Menschenrechte eines jeden Menschen anzuerkennen, zu verteidigen und zu fördern.

"Alle Menschen sind nach dem Bilde Gottes geschaffen. Ihre Gleichheit bezieht sich wesentlich auf deren Würde als Person."

In der Schlussresolution der Dringlichkeitssitzung dieses Menschenrechtsrates erneuerten alle Mitgliedsstaaten ihr Gelübde, ihren Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit zu intensivieren. Die UNO forderte alle eindringlich auf, Verletzungen zur Kenntnis zu bringen.

Original Interview aufgenommen von EWTN Korrespondent bei der UNO Genf Ignatius Mugwagwa. Redaktion, Übersetzung und Schnitt: Christian Peschken (EWTN Deutschland), Sprecher : Christian Peschken und Thomas Kröger 

Hinweis: Dieser Blogpost – sein Inhalt sowie die darin geäußerten Ansichten – sind kein Beitrag der Redaktion von CNA Deutsch.  

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