Der liebe Gott kann alles - Warum dann Schicksalsschläge und Katastrophen?

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Wie schwer fällt es uns oft, Schicksalsschläge und Katastrophen zu verstehen, zu akzeptieren und nicht daran zu zweifeln, dass Gott bei uns ist. Wie bringt man das den Kindern bei?

"Wieso gibt es Leid und Unrecht auf der Welt? Wieso tut Gott nichts dagegen?"
Foto: Pixabay /Greyerbaby
20 November, 2017 / 1:52 PM

Unsere Töchter lieben Bibi Blocksberg. Einige Kassetten haben sie sogar noch aus meinen Kindheitstagen von mir geerbt. Samstags morgens kommt eine kurze Episode "Bibi und Tina" im Fernsehen. Das Highlight in unserer sonst fernsehfreien Woche. Auch diese kurzen Filme kenne ich noch aus meiner Kindheit. Umso erstaunter war ich, als ich aus meiner heutigen Perspektive heraus, die Handlung verfolgte. Bibi und Tina geraten meist in irgendwelche Schwierigkeiten, lösen kleine Kriminalfälle oder sorgen für Gerechtigkeit. Immer mit Happy End, immer mit hexen, aber auch immer mit der Unstimmigkeit im Plot, dass man sich als Zuschauer fragt: Wieso kann sie sich nicht aus der Misere befreien, sie kann doch hexen?

So oder so ähnlich stelle ich mir die römischen Soldaten vor, die Jesus am Kreuz verspottet haben und genau das von ihm erwarteten oder vielmehr von Gott. Wieso stirbt er am Kreuz, wenn er doch sonst überall Wunder vollbringen kann-wieso kann er sich selbst nicht retten?

Einer meiner Theologieprofessoren erklärte diesen Umstand zum einen damit, dass dies der Kern der Menschlichkeit Jesu ist und zum anderen damit, dass Wunder nie gegen Naturgesetze verstoßen können. Niemandem wird ein Bein wieder angezaubert oder ein niedergebranntes Haus wieder heil gehext-Wunder geschehen, weil die Menschen glauben und weil sie im Einklang mit der Schöpfung und der Freiheit selbiger erlebbar werden. Bei Bibi Blocksberg handelt es sich um ein filmisches Mittel, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Gott will es nicht spannender machen, er wahrt damit die Freiheit der Schöpfung.

Alles klar, und dennoch fällt es uns oft schwer Schicksalsschläge und Katastrophen zu verstehen, zu akzeptieren und nicht daran zu zweifeln, dass Gott bei uns ist. In der Theologie laufen diese Gedanken unter der "Theodizee-Frage", die sich die Menschen schon seit Jahrhunderten immer wieder stellen. Wieso gibt es Leid und Unrecht auf der Welt-wieso tut Gott nichts dagegen?

Unsere Große stellt sich auch schon solche Fragen. Wer war der allererste Mensch auf der Welt-wieso lebt der nicht mehr? Wieso ist unsere Tante gestorben und wieso hat der liebe Gott ihr nicht geholfen? Wieso bringt das Christkind mir an Weihnachten nicht alle Geschenke, die ich möchte?

Gute Fragen-mit theologischen Abhandlungen kommt man da nicht weit. Bis heute können manche Erwachsene ja diese Zweifel in ihren Glauben an Gottes Güte und Allmacht nicht mit ihren Fragen in Einklang bringen. Ich versuche es mit dem Thema "Freundschaft". Eine Freundschaft kann nicht erzwungen werden. Du suchst dir aus, mit wem du im Kindergarten spielen magst und mit wem nicht so gerne. Du brauchst deinen Freunden keine Geschenke machen, damit sie mit dir spielen, sondern sie mögen dich, weil du so bist, wie du bist und sie Freude daran haben mit dir zu spielen. So ist das auch mit dem lieben Gott. Er will auch dein Freund sein und möchte, dass du ihn gern hast, ohne dass er dir dafür etwas gibt oder dass du ihm dafür etwas geben musst. Um diese Freundschaft zu haben, hat er uns Menschen erschaffen-er wäre sonst alleine gewesen.

Die Große ist erstaunt und gespannt, wie diese Geschichte von Freundschaft wohl ausgeht. Bei Bibi Blocksberg gibt es immer ein "Happy End". Das gibt es in der Beziehung zu Gott nicht immer. Wobei das weniger etwas mit der Beziehung zu Gott zu tun hat, sondern eben mit jener Freiheit aus der die Liebe frei wachsen kann.

Du kannst dafür Sorge tragen, dass deine Freunde mutig sind, in dem du ihnen gut zusprichst, du kannst ihnen Hoffnung geben, wenn sie traurig sind, in dem du sie tröstest und du kannst ihnen Freundschaft geben, in dem du sie liebst, so wie sie sind.

Meine Tochter begreift und erzählt mir die Geschichte von ihrer Freundin im Kindergarten, die sich in den Finger geschnitten hatte. Wir konnten sie trösten und sie mit Spielen ablenken, aber der Finger war trotzdem noch kaputt.

Richtig, so ist es. Der Finger bleibt auch erst mal verletzt, aber ihr geht es besser, weil ihr bei ihr wart.

So verhält es sich dann wohl auch mit dem lieben Gott in unserem Leben. Er sieht alles, er weiß alles und er ist überall, aber er möchte die Freundschaft zu ihm nicht gefährden, in dem er wie ein Marionettenspieler in unsere Welt eingreift. Ja, es gibt Leid und Unrecht auf unserer Welt, aber, so würden es unsere Töchter ausdrücken "das liegt an den bösen Menschen". Gott hat uns seine Schöpfung verantwortungsvoll gegeben, er hat uns mit Talenten ausgestattet und uns in dem Vertrauen ins Leben entsendet, dass wir mit unseren Gaben Gutes tun. Es wäre schön, wenn sich alle daran halten würden, dann wäre das Himmelreich wohl ganz nah.

Vom Himmelreich hatte man der Großen wohl auch schon mal im Kindergarten erzählt. "Himmelreich ist, wenn wir uns nicht streiten und die Sonne scheint". Das ist es, unser "Happy End".


Elisabeth Illig bloggt jeden Montag bei CNA Deutsch. Sie ist Mutter von bald drei Kindern. Die gelernte Erzieherin hat ihr Theologiestudium bewußt unterbrochen, um sich um die Familie zu kümmern.  Eine Übersicht ihrer Beiträge finden Sie hier.