Die Taufe des Herrn: "Ein Fest, das uns Hoffnung geben will und kann"

Predigt von Pater Eberhard von Gemmingen SJ

Die Taufe Jesu von Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci (um 1470)
Foto: Wikimedia cco
09 January, 2022 / 8:51 AM

Liebe Schwestern und Brüder,

was also bedeutet es, dass Jesus bei seiner Taufe den Heiligen Geist empfing? In dem Fest verbergen sich mehrere Mysterien, Geheimnisse. Was wollte Johannes der Täufer mit der Taufe? Warum ließ auch Jesus, der Sündelose, sich taufen? Was bedeutet die Herabkunft des Geistes auf Jesus? Hatte Jesus vorher den Geist Gottes noch nicht?

Nun: Was wollte Johannes mit der Taufe? Das entscheidende: Er sah sich berufen, das auserwählte Volk Israel zur Umkehr zu Gott aufzurufen. Sein Ruf war: Kehrt um zu Gott, bekennt eure Sünden, bekehrt euch. Und sein Ruf war so energisch, dass – wie es heißt – von Jerusalem alle an den Jordan kamen, um die Taufe der Umkehr zu erhalten. Sie bekannten auch ihre Sünden. Und schon vermuteten viele Johannes sei vielleicht selbst der Messias. Denn es lag eine Art Fieber in der Luft. Viele erhofften sich den Messias, der dem Volk Israel seine Freiheit von den Römern schenken würde. Manche erwarteten in dem Messias einen politischen Erlöser. Andere erwarteten einen Erlöser, der mit Jahwe versöhnen würde. Johannes aber weist die Erwartungen an sich zurück. Er sagt: nach mit kommt einer, der größer ist als ich. Er wird euch mit Geist und Feuer taufen.

Und da kommt dann auch Jesus. Im Matthäus-Evangelium heißt es ausdrücklich, Johannes habe sich geweigert, Jesus zu taufen. Johannes sagt: Eher müsste ich von Dir getauft werden. Jesus aber will sich in die Reihe der Sünder einreihen und lässt ich taufen. Er sagt: Lass es jetzt nur geschehen.

Und weil Jesus sich eben in die Reihe der Sünder einreiht, und weil Jesus betet – so heißt es ausdrücklich - kommt der Geist Gottes auf ihn herab. Und in der Apostelgeschichte haben wir eben gehört: Gott hat Jesus von Nazareth mit heiligem Geist und Kraft gesalbt, Jesus zog daraufhin durch das Land, tat unzählig viel Gutes, heilte alle, die vom Teufel geknechtet waren. Denn Gott war mit ihm.

Und hier muss ich nun ein wenig ausholen mit der Frage: War der Geist Gottes vorher nicht in ihm? Und wie steht das mit dem Teufel?

Bei Romano Guardini habe ich einen wichtigen Satz gelesen: Guardini schreibt im dem klassischen Buch „Der Herr“: „Eine Psychologie Jesu gibt es nicht.“ Wir modernen Menschen tun uns ja schwer mit Mysterien, mit Wundern, mit Geheimnissen. Wir wollen daher gerne wissen, wie das ist, wenn Jesus gleichzeitig Mensch und Gott ist. Denn wir glauben ja, dass er ganz Mensch ist und ganz Gott. Ganz menschlich stellen wir die Frage: Hat sich Jesus entwickelt, hat er erst im Lauf seines Lebens seine göttliche Kraft entdeckt? Konnte er früher keine Wunder wirken? Und Guardini schreibt als Antwort einige tiefschürfende Sätze, die man allerdings langsam und möglichst zweimal hören sollte: „Jesus ist Gott nicht nur irgendwann geworden, sondern war es von Anfang an. Aber sein Leben bestand darin, dieses sein eigenes Gottsein menschlich zu vollziehe: die göttliche Wirklichkeit und ihren Sinn in sein menschliches Bewusstsein zu heben, die Gotteskraft in seinen Willen zu nehmen; die heilige Reinheit mit seiner Gesinnung zu vollbringen; die ewige Liebe mit seinem Herzen zu tun; die unendliche Geistesfülle in seine Menschengestalt zu holen.“

Es sind schwere, tiefgreifende Worte. Vielleicht können wir nur staunen und schauen und versuchen, es in unser Herz nehmen. Jesus ist ein Geheimnis. Er ist ganz Mensch, kann leiden, wird getötet. Und er tritt mit göttlicher Kraft und Autorität auf. Das eben bedeutet, dass er erfüllt war vom Geist Gottes. Und diese Erfüllung mit dem Geist Gottes bringt dann auch den Konflikt mit dem widergöttlichen Geist, den wir klassisch Satan oder Teufel nennen. In der heutigen Welt vermeiden wir meist, vom Satan oder Teufel zu sprechen. Wir scheuen uns diese Worte auszusprechen, weil sie mit falschen Vorstellunten belastet sind. Aber wenn wir glaubend in die Welt schauen, dann müssen wir doch wahrnehmen, dass es offenbar in der Welt, in der Geschichte einen widergöttlichen Geist gibt. Hat sich der widergöttliche Geist nicht in Diktatoren, in Menschenmördern wie Hitler und Stalin niedergeschlagen? Waren sie nicht diabolisch? Können wir nicht in der Geschichte einen Kampf, eine Auseinandersetzung zwischen Gut und Göttlich einerseits, Böse und Satanisch andererseits wahrnehmen? Stellen wir nicht bei uns selbst fest, dass wir manchmal versucht sind, Dinge zu tun, die wir später bitter bereuen. Gibt es nicht in unseren Herzen oft einen Kampf zwischen dem, was wir für richtig und dem, was wir für falsch halten. Wir selbst sind leider nicht nur gut, in unseren Herzen findet ein Kampf statt. Und dieser Kampf durchzieht die Weltgeschichte. Und können wir nicht auch feststellen: Durch das Auftreten Jesu hat sich in der Weltgeschichte etwas geändert. Hat er nicht das Prinzip Liebe in die Welt gebracht, auch wenn um diese Liebe immer wieder gerungen werden muss, auch wenn immer wieder gegen die Liebe gehandelt wird. Aber durch Jesus sind eben sündhafte Menschen auch über sich hinausgewachsen. Geht nicht auch die Unschuldsvermutung eines Angeklagten auf diesen Jesus zurück. Er hat gesagt: Schlag an die eigene Brust, halt dem, der dich schlägt, die andere Wange hin. Diese Worte Jesu stehen in der Welt.

Wir feiern das Kommen des Geistes auf Jesus. Er hat der Welt durch sein Leben und sein Sterben ein neues Licht gebracht. Wir feiern das Fest, das uns Hoffnung geben will und kann.

Pater Eberhard von Gemmingen SJ war von 1982 bis 2009 Redaktionsleiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan. 

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