"Eine immense Hilfe"

Das Buch "Meditationen über Lukas" hilft dem modernen Leser, das Evangelium besser zu verstehen.

Der Apostel Lukas. Ölgemälde von Andrey Mironov aus dem Jahr 2015.
Foto: Andrey Mironov / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
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01 July, 2019 / 7:07 AM

In einer Zeit, da die in offiziellen katholischen Kreisen vielfach praktizierte Auslegung der Heiligen Schrift sich oft desaströs auf das Glaubensleben einfacher Katholiken auswirken kann, ist es eine Wohltat, dass der Media Maria Verlag es sich zur Aufgabe gemacht hat, die soliden Werke eines ausgewiesenen Bibelkenners des 20. Jahrhunderts neu aufzulegen. Konkret handelt es sich beim vorliegenden Werk um "Meditationen über Lukas" von Richard Gutzwiller. 1915 hatte sich Gutzwiller den Jesuiten angeschlossen. Als Priester wirkte er 30 Jahre lang in Zürich als Studenten- und Akademikerseelsorger. Er war zudem als fleißiger Autor und im Bereich der Apologetik tätig. Gutzwiller starb 1958 im Alter von nur 62 Jahren.

In den "Meditationen über Lukas" präsentiert der Autor zunächst eine Textstelle (in chronologischer Reihenfolge), um sie auf den folgenden Seiten zu interpretieren. So geht es auf rund 450 Seiten mit dem Vorwort des Evangelisten los und endet mit der Himmelfahrt des Erlösers.

Einleitend schreibt Gutzwiller über den Evangelisten Lukas: "In seiner Schrift spürt man den griechischen Einschlag des kultivierten, gebildeten Arztes mit seiner geschärften Beobachtungsgabe, seinem Abstreifen des spezifisch Jüdischen, seinem weltweiten Horizont und vor allem seinem Sinn für Helfen und Heilen. Das Christusbild des Lukasevangeliums ist Jesus als Heiland der Welt, d. h. als der große Heilsbringer für alle menschliche Not. Und zwar geht durch seine Schrift in besonderer Weise der Gedanke der Universalität, des Umfassenden und Umspannenden. Es ist die Schrift, in der am meisten Licht leuchtet und ein besonders frohes und freies Schreiten zu spüren ist."

Gutzwiller ruft allerdings nicht zum bloßen Lesen der Bibel auf, denn ein flüchtiges und oberflächliches Lesen, wie es moderne Menschen gerne praktizieren, sei im Blick auf die Heilige Schrift sinnlos. "Hier geht es um das Wort Gottes. Darum ist besinnliche Lektüre die einzig richtige Art der Lesung. Es handelt sich nicht nur um intellektuelle Aneignung des Stoffes, um Bereicherung verstandesmäßiger Erkenntnis, sondern das Wort Gottes soll den Einzelnen treffen, soll von ihm in persönlicher, innerer Aufgeschlossenheit und Empfänglichkeit des Geistes und Herzens aufgenommen werden. Darum muss die Lesung Aufnahme des Wortes Gottes sein, also betende Lesung in Ehrfurcht und Bereitschaft. Alles Vorwärtshasten beeinträchtigt die Wirkung. Man muss bei Einzelheiten stehen bleiben, sie mehrmals lesen und besinnlich überdenken. Es soll eine Lesung sein, die vom inneren Licht des Heiligen Geistes durchstrahlt wird." Auch müsse man sich bei der Schriftauslegung an der Kirche orientieren und nicht "Menschenwort in die Schrift" hineinlegen.

Hierbei ist Gutzwiller eine immense Hilfe. Wenn es beispielsweise um die Stelle geht, als der Herr gefragt wird, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu bezahlen, konstatiert Gutzwiller zunächst, dass Christus nach menschlichem Ermessen sich mit seiner Antwort nur Feinde machen könne, egal was er sage. "Dann aber stößt Jesus ins eigentlich Zentrale vor und zeigt den Feinden, dass es um eine ganz andere Frage geht, der sie ausweichen. Sie sollten gar nicht in erster Linie die Frage stellen, was sie dem Cäsar schuldig seien, sondern sie sollten sich um den obersten Herrn kümmern und fragen, was sie Gott schuldig seien. Wie auf der Münze das geprägte Bild des Cäsars zu sehen ist, so sind nach den Worten der Schrift, auf welche sich doch seine Gegner berufen, die Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen. Das Bild Gottes ist ihnen also eingeprägt. Sie sind Eigentum Gottes, Schuldner Gottes, müssen also das, was Gottes ist, Gott geben, den Tribut der Ehrfurcht, des Gehorsams, der Hingabe."

Lesenswert und bereichernd sind die "Meditationen über Lukas" vor allem deshalb, weil die einzelnen Auslegungen kurz genug und verständlich sind, dass moderne Menschen sie problemlos lesen können. Man kann einfachen Gläubigen nur selten zumuten, direkt die Kirchenväter zu lesen, oder sich gar an die Kommentare eines Thomas von Aquin zu wagen. Ein direkter Kontakt mit der Heiligen Schrift ist allerdings oft nicht fruchtbar genug. Mit den "Meditationen über Lukas" in der Hand kann sich der Leser aber ruhigen Gewissens an das längste der vier Evangelien heranwagen!

 

Richard Gutzwiller, Meditationen über Lukas, ist bei Media Maria erschienen und hat 448 Seiten.

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten der Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.