UN-Blog Video: Ist Menschenhandel Ergebnis einer Wegwerfkultur?

Professor Veuthey vom Malteserorden
Foto: Screenshot
14 July, 2020 / 6:12 AM

Das Thema Menschenhandel stand auf der Tagesordnung der 44. Sitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen in Genf. Maria Grazia Giammarinaro, die UN-Sonderberichterstatterin über den Menschenhandel, insbesondere den Handel mit Frauen und Kindern, hatte ihren Bericht per Videobotschaft vorgestellt, sie wies darauf hin das trotz der Verabschiedung der empfohlenen Grundsätze und Leitlinien zu den Menschenrechten im Bereich des Menschenhandels,  die Gesetzgebung und die Politik zur Bekämpfung des Menschenhandels auch heute noch von einem starken Strafverfolgungsansatz geprägt sei, wobei den Rechten der betroffenen Person wenig Aufmerksamkeit geschenkt würde.

Während der Sitzung antworteten die Delegationen auf den Bericht. Der Malteserorden und auch der Heilige Stuhl antworteten mit einer Videobotschaft.   



Prof. Michel Veuthey, Botschafter zur Überwachung und Bekämpfung des Menschenhandels,  Souveräner Malteserorden  "Der Malteserorden unterstützt Sie im Kampf gegen den Menschenhandel mit dem Schwerpunkt auf den Schutz und die Rehabilitation der Opfer." 

Erzbischof Ivan Jurkovič , Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO Genf. 

"Da Menschenhandel typischerweise von kriminellen Banden betrieben wird, können wir nur durch einen international abgestimmten Ansatz dieses Verbrechen endgültig ausrotten. Das sind wir den Opfern der Vergangenheit und der Gegenwart schuldig, um weitere Opfer in der Zukunft zu vermeiden. In diesem Zusammenhang möchte meine Delegation die beharrliche Arbeit von Glaubensorganisationen hervorheben, die sich der Vorbeugung, Rettung und der Betreuung von Opfern widmen und ihnen bei ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen."

Menschenhandel ist moderne Sklaverei. Es wird geschätzt, dass ihm weltweit 20 bis 100 Millionen Menschen zum Opfer fallen. Beim Menschenhandel geht es nicht um Beförderung,  sondern um Ausbeutung. Dieses Verbrechen ist nicht auf ein bestimmtes Land beschränkt.   

Prof. Michel Veuthey: "Wissen Sie, es wäre zu einfach, zu sagen, okay, es findet an diesem oder jenem Ort statt. Nein, nein. Ich möchte kein Land nennen. Aber ich würde sagen, sogar mein eigenes Land, die Schweiz, ist davon betroffen."

Während die derzeitige Viruskrise die Weltwirtschaft zum Niedergang bringt, scheinen kriminelle Unternehmungen wie der Menschenhandel zu florieren.    
"Auf jeden Fall. Die Angriffspunkte haben zugenommen", sagt uns Prof. Veuthey, "also die Verwundbarkeit von Menschen durch Menschenhandel. Und dann stellt auch Covid-19 ein großes Hindernis dar für Menschen, die versuchen Menschenhandel zu verhindern oder vor ihm zu beschützen. Also Vorbeugung und Opferhilfe."

Normalerweise hören wir von der Rehabilitation und Begleitung der Opfer, aber was wird getan, um Menschenhandel zu verhindern?  

"Tatsächlich versuchen wir, die Wahrnehmung zu fördern, damit nicht nur der Malteserorden, sondern auch die breite Öffentlichkeit sich bewusst wird über diese... Geißel", sagt uns Prof. Veuthey. 

"Es ist ebenso wichtig, sich über Angebot und Nachfrage im Klaren zu sein, "fügt Erzbischof Ivan Jurkovič hinzu, "wenn nämlich Männer, Frauen und Kinder Opfer von Menschenhandel werden, dann liegt das letztlich daran, dass eine große Nachfrage besteht, die ihre Ausbeutung profitabel macht. Diejenigen, die eine solche Nachfrage erzeugen, wie auch diejenigen, die sie unterstützen, tragen bei diesen beklagenswerten kriminellen Machenschaften eindeutig Mitverantwortung".

Es gibt weltweit ca. 152 Millionen Kinderarbeiter und 25 Millionen Zwangsarbeiter, die  unter sklavenähnlichen Bedingungen schwitzen und schuften, als Folge des oft gedankenlosen  Kaufes von Produkten, die durch Menschenhandel hergestellt wurden. 

Prof. Veuthey: "Sie haben Recht. Die breite Öffentlichkeit ist sich doch sehr wohl der Notwendigkeit bewusst, informiert zu kaufen, zum Beispiel solche Produkte, die im Einklang mit dem Umweltschutz stehen.  Aber wir müssen mehr tun, würde ich sagen, wir müssen mehr als nur die Umwelt schützen, mehr  wie Bäume schützen. Wir müssen Menschen schützen. Und dafür sind 'rote Etiketten' notwendig , Etiketten, auf denen "Ohne Sklavenarbeit" steht, um es ganz offen zu sagen. Und nicht nur zu sagen es ist 'bio'. Es ist biologisch? Nein, es ist Menschengemacht."

Geblendet von der überwältigenden, schillernden Vielfalt an Produkten, sollten wir besonders  als Christen die Produkte, die wir kaufen, vorher überprüfen und uns im Klaren darüber sein, dass trotz des Geschreies der heutigen Werbeindustrie und der Fernsehwerbung nicht der Hersteller, sondern der Verbraucher die Macht hat.    
Prof. Michel Veuthey: " Ja, al
s Verbraucher können wir in der Tat eine Menge tun".
Papst Franziskus bezeichnete den Menschenhandel als eine Geißel in unseren Gesellschaften, weil er die Würde des Opfers selbst verleugnet und es nur als Ware behandelt, und ausschließlich zu Profitzwecken ausbeutet … all das als ein trauriges Paradebeispiel unserer "Wegwerfkultur".  

Original Interview aufgenommen vom EWTN-Korrespondenten in Genf, Ignatius Mugwagwa, und Kameramann Geoffrey Cornet. Redaktion, Übersetzung und Schnitt: Christian Peschken (EWTN Deutschland) Sprecher: Hanna Kent, Jan Peter Richter, Christian Peschken.

Hinweis: Dieser Blogpost – sein Inhalt sowie die darin geäußerten Ansichten – sind kein Beitrag der Redaktion von CNA Deutsch.