Wieviel Smartphone braucht mein Kind?

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Die Medienerziehung

Ein Bub mit Smartphone
Foto: Andi Graf / Pixabay (CC0)
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21 January, 2019 / 2:00 PM

Erziehung ist ein großes Thema und sobald man das erste Kind erwartet, sollte man sich rechtzeitig einen Weg durch den Dschungel der Ratgeber und Erziehungskonzepten bahnen und vor allem eine Haltung entwickeln zu all den unterschiedlichen Ansichten und Marschrichtungen. Spätestens wenn das kleine süße Baby dann den eigenen Willen entdeckt und die ersten Schritte krabbelnd in Richtung Eigenständigkeit unternimmt, sollte man klar und deutlich vorgeben können, wo der Hase langläuft. In den letzten Jahren ist ein weiteres Thema dazu gekommen: Medienerziehung.

In zahlreichen Kinderbüchern werden schon selbstverständlich USB Sticks oder Handys in die Geschichten integriert, sodass unsere Kinder in eine Welt hineinwachsen, in der technischer Fortschritt nicht mehr weg zu denken ist. Mein Mann und ich zählen noch zu der letzten Generation der „Digital Immigrants“ und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich 14 Jahre alt war und mit meinem Vater in seinem Arbeitszimmer die ersten Internetseiten entdeckt habe. Wir beide wussten nicht so richtig, was wir auf den Seiten der Telekom und der deutschen Post machen sollten und ich war ein bisschen enttäuscht, dass dieses groß angepriesene Internet doch nicht so interessant war. Mit 18 Jahren hatte ich mein erstes Handy. Den ersten Urlaub mit der Clique bestritten wir mit nur zwei Handys und buchten ihn aus dem Arbeitszimmer meines Vaters heraus online, weil nicht alle einen Computer zu Hause hatten. Alleine die Online-Buchung war schon ein Event für sich! Das gab es noch nicht lange.

Heute kann sich das niemand mehr vorstellen. Weder dass die Kinder mit nur zwei Handys für 8 Personen nach Irland Wandern fahren, noch dass man sich überlegen muss, wer einen PC hat, an dem man die Flüge in diesen Wanderurlaub überhaupt buchen kann. Regelmäßig SMS schreiben konnten wir auch nicht, da unser Auslandsguthaben nicht ausreichte und somit die Vorgabe galt: So lange sich niemand meldet, ist alles in Ordnung!

Überhaupt stelle ich immer wieder fest, wie sich mein Leben seit der zunehmenden Digitalisierung verändert hat. Angefangen von der mangelnden Zuverlässigkeit der Leute, die kurzfristig via WhatsApp absagen, bis hin zu Entscheidungen, die mir nun hinsichtlich meiner Kinder bevorstehen.

Unsere Kinder sind bereits die 3. Generation, die sich „Digital Natives“ nennen darf. Sie kennen keine Telefonzellen mehr, keine Wählscheiben, keine Telefonkabel und kein Modem, dass komische Geräusche macht und dem man förmlich beim Arbeiten zusehen kann. Sie kennen Handys und sind verwundert, wenn nicht alle Bildschirme Touchscreens sind, sondern noch mit Tasten bedient werden müssen.

Doch mit der Nutzung von Medien, ist eine enorme Verantwortung verbunden. Man hat über das Internet Zugang zu Nachrichten, Videos und Inhalten aus der ganzen Welt, die weiß Gott nicht alle für Kinder und Jugendliche geeignet sind. Manches möchte ich mir als Erwachsener ja noch nicht mal ansehen. Prioritäten setzen, relevante von irrelevanten Informationen unterscheiden, das reale Leben nicht von der digitalen Welt übermäßig beeinflussen lassen, sind nur Randerscheinungen, die ich noch recht entspannt betrachte.

Viel schwieriger finde ich Entscheidungen wie: Ab wann darf mein Kind ein eigenes Handy haben? Ist es fahrlässig mein Kind ohne Handy alleine auf den Schulweg zu schicken? Na, klar, haben wir doch früher auch geschafft. Zieht dieses Argument denn überhaupt noch? Ging die Digitalisierung nicht mit einer gewissen Anonymisierung und gesellschaftlichen Vereinzelung einher? D.h. gibt es heute einfach andere gesellschaftliche Voraussetzungen für diesen Schulweg als früher und macht es vor diesem Hintergrund also vielleicht doch Sinn, ein Handy dabei zu haben?

Ab wann wird meine Tochter sozial ausgegrenzt, weil es z.B. einen WhatsApp Klassen-Gruppenchat gibt, in dem sie dann nicht ist, wenn sie kein Handy hat?

Man kann seine Kinder nicht dauerhaft beschützen, das geht weder im realen Leben, noch im digitalen, aber die Wucht, mit der manche Videos und Bilder auf die kleinen Kinder mit ihren Handys einwirken, ist schon abschreckend für mich. Gleichzeitig fühle ich mich wie meine Großmutter, als ich mit ihr das erste Mal eine Pizza bestellt habe und sie diese gegessen hat, als hätte sie gerade als erster Mensch Amerika entdeckt.

Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass sie deutlich früher ein Handy haben werden, als ich mir immer vorgenommen hatte. Vermutlich werden sie eine der Mütter haben, die sie regelmäßig bei der Handynutzung begleitet und sie mit Hilfe von Kinderschutzeinstellungen und fehlendem Zugang zum AppStore daran hindert, unkontrolliert Inhalte zu sehen, die ihnen nicht guttun.

Gleichzeitig werde ich aber auch der Zeit nachtrauern, in der ich kein Handy zum Spielen dabei hatte und alle Kinder meiner Siedlung, die Schläge der Kirchturmuhr zählten, damit sie um 6 zu Hause sein konnten. Ich denke, dass diese Wehmut immer mitschwingt bei der Medienerziehung, aber dass es auch wichtig ist, sich in seinen Erziehungskonzepten anzupassen und neu aufzustellen, um unsere Kinder fit zu machen für eine digitale Zukunft!

Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illig erscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten der Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.