Britischer High Court hört den Fall der 5-jährigen Wachkoma-Patientin Tafida Raqeeb

Tafida Raqeeb
Foto: Familie Raqeeb
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Der britische High Court hat zugestimmt, im September ein Gesuch der Eltern von Tafida Raqeeb zu hören, das darauf abzielt, sie zur Behandlung nach Italien zu bringen. Das fünfjährige Mädchen befindet sich seit Februar im Koma, und britische Ärzte wollen ihre lebenserhaltenden Massnahmen beenden.

Die britischen Ärzte haben zudem Raqeebs Eltern daran gehindert, sie zur Behandlung ins Ausland zu bringen.

Das berichtet die Catholic News Agency, die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Zwei Ärzte des Gaslini-Kinderkrankenhauses in Genua haben Raqeeb Anfang des Monats per Videolink untersucht, und sie haben zugestimmt, die Wachkoma-Patientin in Italien zu versorgen. Ihrer Einschätzung nach ist die 5-jährige nicht hirntot.

Bischof John Sherrington, ein Weihbischof von Westminster und Vertreter der englischen und walisischen Bischöfe in Lebensfragen, sagte am 18. Juli:

"Schwierige Dilemmata müssen bewältigt werden. Ich hoffe, dass dabei den Wünschen ihrer Eltern gebührend Rechnung getragen wird und gleichzeitig das klinische Urteil der sie betreuenden Ärzte respektiert wird."

Der Bischof rief zudem zur Zurückhaltung aller auf, "die nicht über alle relevanten Informationen verfügen".

Raqeebs Eltern, Mohammed Raqeeb und Shelina Begum, wandten sich am 16. Juli an den High Court in London mit dem Gesuch, dass ihre Tochter zur weiteren Behandlung das Land verlassen dürfe. Am gestrigen 22. Juli entschieden die Richer, dass der Fall angehört werde.

Die Anhörung des Gerichts wird voraussichtlich eine Woche dauern. Die Richter werden auch die Entscheidung des Royal London Hospital überprüfen, eine Überführung abzulehnen.

Raqeeb erlitt eine arteriovenöse Missbildung (AVM), die zu einer Gehirnblutung führte, und liegt seit dem 9. Februar im Koma.

Das Mädchen erlitt dabei einen Herz- und Atemstillstand sowie eine traumatische Hirnverletzung. Die Ärzte des Royal London Hospital erklärten jede weitere medizinische Behandlung für sinnlos, da das Mädchen nicht mehr aus dem Koma erwachen werde.

Bischof Sherrington schrieb dazu, er hoffe, dass die Ärzte des Gaslini-Kinderkrankenhauses in Genua die Zeit und Gelegenheit erhalten, ihre Prognose mit ihren Kollegen in London zu teilen.

"Eine solche internationale Zusammenarbeit ist eine unverzichtbare gute Praxis bei der Pflege eines tragisch schwierigen Lebens", so Sherrington.

Der Bischof betonte, dass er für Raqeeb und ihre Eltern bete. Die tragische Krankheit und die Umstände der kleinen Tafida Raqeeb werden jeden berühren, der davon hört. Ich hoffe, es wird sie auch zum Beten bewegen, so wie mich."

"Ich bete für dieses kleine Mädchen, dass sie und ihre Eltern durch die Gegenwart Gottes, durch die Gnade Gottes und durch die Unterstützung aller, die sie kennen und lieben, gestärkt werden."

Eine von der Familie unterstützte Online-Petition setzt sich für die Überführung des Mädchens nach Italien ein.

Raqeebs Familie wird durch Yogi Amin, einen Menschenrechtsanwalt, vertreten. Dieser sagte, dass "die Familie nicht in eine Situation geraten will, in der sich der Staat gegen die guten Absichten der Eltern sperrt, eine Behandlung in einem Krankenhaus ihrer Wahl für ihre behinderte Tochter zu arrangieren".

Das Ringen der Eltern um die Behandlung ihrer Tochter ist kein Einzelfall.

Öffentliches Aufsehen erregten auch die Schicksale der todkranken Kinder Charlie Gard und Alfie Evans, die ebenfalls vom britischen National Health Service (NHS) betreut worden waren.

Im Jahr 2017 versuchten die Ärzte, Charlie Gard aus seinem Beatmungsgerät zu entfernen, obwohl seine Eltern ihn in ein Krankenhaus in New York City verlegen wollten. Er starb im Alter von 11 Monaten, nachdem sein Beatmungsgerät entfernt wurde.

Weniger als ein Jahr später lehnten die Eltern von Alfie Evans ebenfalls die Versuche des NHS ab, die Beatmung ihres Kindes einzustellen. Die Eltern wollten Alfie in ein Krankenhaus in Italien überführen. Auch seine lebenserhaltenden Maßnahmen wurden schließlich eingestellt. Alfie überlebte fünf Tage lang ohne Beatmungsgerät, bevor er kurz vor seinem zweiten Geburtstag starb.

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